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Zivilcourage

23.11.2019

Wie man hilft, ohne sich zu gefährden

Die Polizei erklärt, was in einer Notsituation am besten zu tun ist

„Hinschauen statt Wegsehen“ – das war das Thema eines Vortrags der Landsberger Polizei zum Thema Zivilcourage. Etwa zwei Dutzend Zuhörer waren ins Sportzentrum gekommen.

Im Vordergrund des zweistündigen Vortrags, der von Polizeihauptkommissar Stefan Mang organisiert worden war: einfache Mittel und Wege in einer gefährlichen oder beklemmenden Situation aufzeigen, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen. „Denn genau das ist es, was viele Menschen hemmt, für andere einzustehen: die Angst vor Konsequenzen – auch strafrechtlicher Natur. Die Angst vor einer möglichen Blamage, falsch zu handeln oder Bedenken, sich überhaupt ein Eingreifen zuzutrauen“, so Mang. Eine Art Bewaffnung für den Alltag sei nicht zielführend, da man sich mit Gegenständen wie Messern oder Tier-Abwehrsprays oft selber verletzen oder aber deren Besitz strafrechtliche Konsequenzen haben könne. „Das körperliche Eingreifen sollte immer als absolut letztes Mittel gesehen werden“, so Polizeihauptmeister Stefan Röck. Besser seien Alltagsgegenstände wie ein Regenschirm oder eine Handtasche, die man in einer Notsituation zur Hand habe. Als geeignetes Hilfsmittel wurde besonders der „Schrillalarm“ empfohlen und vor allem die Macht der Worte. Dies zeigte Röck eindrucksvoll, indem er unvermittelt auf eine Dame in der ersten Reihe zuging und laut schrie „Lassen Sie mich in Ruhe“. Den Zuhörern wurde so verdeutlicht, dass ein selbstbewusstes Auftreten und eine laute Stimme verhindern können, in einer Notsituation in die Opferrolle zu geraten.

Rechtzeitig sollte in jedem Fall der Notruf 110/112 gewählt werden. In Zeiten der Mobiltelefone kann zumindest diese Maßnahme von jedem getroffen werden. Auch Abstandhalten wurde im Vortrag mehrfach angesprochen, um zu vermeiden, selbst Opfer von Gewalt zu werden. Sollte dennoch eingegriffen werden, sei es wichtig, andere Passanten direkt anzusprechen. So kann gegen den Täter eine Art „Übermacht“ gebildet werden.

Wie man hilft, ohne sich zu gefährden

Doch nicht nur die Vorgehensweise in Notsituationen wurde erörtert, auch die Maßnahmen nach dem Einschreiten wurden den Zuhörern an diesem Abend näher gebracht. Nach Möglichkeit sollte man bis zum Eintreffen der Streife vor Ort bleiben, um das Opfer seelisch beziehungsweise durch Erste-Hilfe-Maßnahmen zu vorsorgen. Aber auch um seine Personalien aufnehmen zu lassen und sich so als Zeuge zur Verfügung zu stellen.“ Nur durch eine Aussage als Zeuge helfe man Polizei und Justiz, den Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Auch die Sicherheitswacht stellte sich vor und berichtete von ihrem Tätigkeitsbereich und dem Austausch mit den Bürgern während ihrer Arbeit. Neben den Referenten und der Sicherheitswacht trugen auch die interessierten Zuhörer mit zahlreichen Fragen und ihren eigenen Erfahrungen zum Thema „Zivilcourage“ zu einem lebhaften Austausch und einem rundum gelungenen Veranstaltungsabend bei.

Zum Schluss betonte Stefan Mang, dass Zivilcourage Mut von jedem Einzelnen abverlange und zumindest das Absetzen des Notrufs für jeden möglich sei. (lt)

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