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Issing: Ulrike Hogrebe und Ulrich Langenbach – Verbindung auf den zweiten Blick

Issing

Ulrike Hogrebe und Ulrich Langenbach – Verbindung auf den zweiten Blick

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    Für ihre Malerei wählt die Brandenburger Künstlerin Ulrike Hogrebe oft das extreme Querformat, wie hier bei „Gestrandet“, Acryl auf Leinen, 2023. Ihre Werke sind derzeit in Issing zu sehen.
    Für ihre Malerei wählt die Brandenburger Künstlerin Ulrike Hogrebe oft das extreme Querformat, wie hier bei „Gestrandet“, Acryl auf Leinen, 2023. Ihre Werke sind derzeit in Issing zu sehen. Foto: Minka Ruile

    Es sind zwei sehr unterschiedliche Künstlerpersönlichkeiten, mit denen die Issinger Galerie Josephski-Neukum nach der Sommerpause die neue Saison eröffnet. Dem alten Pfarrhof als Kunstort verbunden sind beide jedoch schon seit vielen Jahren. Ein gemeinsames Motto für die Ausstellung gibt es nicht, die Einladung vermerkt lediglich Namen und Techniken. Für Ulrike Hogrebe sind dies Malerei und Keramik. Ulrich Langenbach zeigt Arbeiten aus den Bereichen Objekt, Installation und Zeichnung.

    1995 schickte Ulrike Hogrebe, damals noch aus Berlin, erstmals Werke an den Lechrain. Dort hatten Helga Neukum und Joschi Josephski als Aussteller hochklassiger zeitgenössischer Kunst weit über die Region hinaus spektakulär auf sich aufmerksam gemacht – unter anderem 1990 mit einer Präsentation jüngster Werke des Siegener Malers Ulrich Langenbach. Seitdem haben Interessierte regelmäßig die Gelegenheit, die Entwicklung beider Künstler im Turnus der Galerie-Ausstellungen mitzuverfolgen.

    Die Werke werden in der Galerie Josephski-Neukum räumlich getrennt präsentiert

    Gemeinsam präsentiert wurden ihre Arbeiten zuletzt in der großen Gemeinschaftsschau „Sommerfrische“ im August vergangenen Jahres, an der eine Vielzahl weiterer Kolleginnen und Kollegen beteiligt war. Sehr viel konzentrierter nimmt nun die aktuelle Doppelausstellung das Kunstschaffen Hogrebes und Langenbachs in den Blick. Trotz vielerlei Beziehungen, die bei genauem Hinsehen herstellbar sind, werden die Werke auch nicht in direkter Gegenüberstellung, sondern räumlich getrennt präsentiert. Zu unterschiedlich sind die Temperamente.

    Ein ironischer Kommentar zu Hegel? Ulrich Langebachs „unperfekte“ Arbeit „Unrecht“ lässt dies zumindest vermuten. Darüber „Campa“, Graphit auf Holz, 2017.
    Ein ironischer Kommentar zu Hegel? Ulrich Langebachs „unperfekte“ Arbeit „Unrecht“ lässt dies zumindest vermuten. Darüber „Campa“, Graphit auf Holz, 2017. Foto: Minka Ruile

    Beinahe mit jedem Werk ein neues Gedankenzeichen setzend, nimmt Langenbach die Besucherinnen und Besucher im Erdgeschoss ungestüm in Beschlag und platziert via Namensnennung oder an deren Schaffen und Schriften angelehnten Bildmomenten Hinweise auf Künstler und Philosophen, die ihn beschäftigen. Aber auch „die Szene“ kommt zu Wort. Im fingierten Nonsens-Gespräch über die „farbenfrohen“ Bilder von Gerhard Richter und eine gewisse „Clara Braun-Bauer“, über die sie sich bestens orientiert zeigt, lässt sich eine „Kennerin“ gehörig aufs Glatteis führen.

    Begegnungen, die es so nicht geben würde, schafft Ulrike Hogrebe in ihren poetischen Traumbildern, wie hier „Das Reh“, Acryl auf Leinen, 2023.
    Begegnungen, die es so nicht geben würde, schafft Ulrike Hogrebe in ihren poetischen Traumbildern, wie hier „Das Reh“, Acryl auf Leinen, 2023. Foto: Minka Ruile

    Es ist dem Betrachter überlassen, ob und inwieweit er sich auf die jeweils gelegte Fährte begibt – etwa zu den Theorien Hegels, um herauszufinden, was den Künstler mal zu einer Sympathiebekundung und dann wieder zur Skepsis dem Philosophen gegenüber veranlasst. Und ob der Vorsatz „heute male ich ein schlechtes Bild“, mit dem er morgens manchmal sein Atelier betritt, vielleicht etwas zu tun haben könnte mit Hegels Credo, dass die Schönheit der eigentliche Gegenstand der Kunst sei. Zwei parallel zueinander gelegte Rahmenfragmente mit der krakeligen Aufschrift „Vermutlich hatte Hegel Unrecht“ jedenfalls lesen sich wie ein ironischer Kommentar darauf. 

    Von derlei Gedanken-Gängen unberührt blickt Ulrich Langenbachs „Tier“ der Welt vollkommen arglos entgegen. Die kleine Skizze hätte auch neben Ulrike Hogrebes Zeichnung „Das Pferd“ gut Platz finden können und ist einer der von den Kuratoren subtil gesetzten Links im Gefüge der Ausstellung. Weniger vom Intellekt als von der Vorstellungskraft ausgehend findet die Malerin auf der Leinwand zu ihren poetischen Traumbildern, in denen sie als Erfinderin neuer Wirklichkeiten altvertrautes in neue Zusammenhänge stellt und so in eine andere Welt entführt. Fremd stehen da Tiere in illusionistischen Räumen, staunend vor Farbe, Fläche, Geometrie – Kunst.

    Für ihre Keramiken verwendet Ulrike Hogrebe kräftig leuchtende Farben

    Völlig getrennt davon sieht Ulrike Hogrebe ihre für den täglichen Gebrauch bestimmten Keramiken, die sie bei sich zu Hause im brandenburgischen Neuwerder im eigenen Ofen brennt. Anders als in der Malerei verwendet sie hier kräftig leuchtende Farben, glasiert hochglänzend und arbeitet weniger von der Intuition als von festen Vorgaben, etwa durch die gewählte Form, geleitet.

    Dass sich die unterschiedlichen Temperamente Ulrike Hogrebes und Ulrich Langenbachs auf getrenntem Raum frei entfalten können und nicht in erzwungenen Gegenüberstellungen aufeinanderprallen, ist eine kluge Entscheidung der Galeristen. Dass es ihnen zudem gelingt, die Werke – wenn auch auf den zweiten Blick, den es in der Kunst immer benötigt – in Beziehung zu setzen, ist eine kuratorische Glanzleistung.

    Die Ausstellung mit Malerei und Keramik von Ulrike Hogrebe und Installation, Objekt und Zeichnung von Ulrich Langenbach in der Galerie Josephski-Neukum in der Wessobrunner Straße in Issing ist geöffnet bis Sonntag, 22. Oktober, immer samstags und sonntags sowie am 3. Oktober jeweils von 14 bis 19 Uhr. Anmeldungen erbeten unter Telefon 08194/999075.

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