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Vortrag

19.01.2019

Des Lechrains Geburtsurkunde liegt in Monaco

Begeistert lauschten die Mitglieder des Reichlinger Gartenbauvereins dem Vortrag von Dr. Albert Thurner zum Thema „Der Lechrain - Alte Grenzlandschaft zwischen Baiern und Schwaben“.
Bild: Gisela Klöck

Der Historiker Dr. Albert Thurner hat bei seinem Vortrag für die Mitglieder des Gartenbauvereins Reichling eine Vielzahl an Informationen über den Lechrain im Gepäck

Begeistert lauschten über 60 Interessierte dem Vortrag von Dr. Albert Thurner, „Der Lechrain – Alte Grenzlandschaft zwischen Baiern und Schwaben“, der auf Einladung des Reichlinger Gartenbauvereins stattfand. Aus der Nachbargemeinde Vilgertshofen referierte Bürgermeister und Historiker Dr. Albert Thurner im Gasthaus Mitschke.

Thurner brachte den Besuchern die Besonderheit des Lechrain mit seiner Sprache näher. So habe der Staatsrat und Gründer der bayerischen Akademie der Wissenschaften, Johann Georg von Lori, in seinem Lechrainer Urkundenband von 1765 die Geschichte des Lechrains aufgeschrieben. Auch Sagensammler Karl Freiherr von Leoprechting, der heute noch als Klassiker der deutschen Volkskunde gilt, hat den Namen „Lechrain“ dieser Landschaft wissenschaftlich verewigt, so Thurner.

Er ging auf die politisch-historische Abgrenzung ein. So sei links vom Lech eindeutig Schwaben, rechts des Lechs gebe es eine Übergangszone vom Schwäbischen ins Bairische, so der Historiker. Die erste Nennung der Lechrainer stamme in Landtafel und Chronik von Johannes Thurmaier (Aventinus) 1523. So steht geschrieben: „An dem Lech Lycates oder Lycatios, haissen wir nun die Lechrainer.“

Einen Bezug auf den keltischen Stamm der Likatier, die 15 bis 14 vor Christus von den Römern unter Drusus und Tiberius besiegt wurden, finden sich in Stein gemeißelt in Monaco am Siegesdenkmal von La Turbie. Dies bezeichnete Thurner als „Geburtsurkunde“. Er nannte auch Belege aus der Bevölkerung und machte auf das Überblickswerk „Der Lechrain - Eine historische Heimatkunde“ von Pankraz Fried aufmerksam.

Auch ging er auf die kulturell-volkskundliche Abgrenzung des Lechrains ein. Prägend für den Lechrain seien weder Landschaft noch Trachten sowie kaum die Bauformen. Thurner zitierte die Beschreibungen des Joseph Friedrich Lentner um 1850, der die Menschentypen verschiedener Gebiete und Landstriche am Lechrain niederschrieb.

So seien die Lechrainer ein alemannisch-bajuwarisches Mischlingsvolk. So mancher musste schmunzeln bei den original vorgetragenen Beschreibungen von Lentner, der sachlich, direkt und nüchtern schrieb über Gesichtszüge, Verstand und Geschicklichkeit. Als wirklich objektive Größe bleibt die Sprache, der Lechrainer Dialekt. „Lech, die Grenzmarke zwischen Bayern und Schwabenland, doch die Gebar in Tracht, Sitten und Gebräuchen sei urbayrisch.“, so Thurner, der Leoprechting 1855 zitierte.

Im Weiteren ging Albert Thurner auf den Lechrainer Dialekt, Mischdialekt mit bairischen und schwäbischen Sprachmerkmalen und mittelhochdeutschen Relikten ein. Was im Bairischen „is“ wird im schwäbischen zum „isch“, im Schwäbischen gibt’s an „Käs“, im Bairischen „Kaas“. Auch eingefleischte Lechroaner kamen beim Vortrag ins Staunen, als Thurner mit Witz, Humor und Wissen die Unterschiede und Eigenheiten der Wörter kundgab. „ch“ statt „h“, und das kehlige „k“, wie „Kechala im Kuchakaschda“.

Die Lechrainer Bevölkerung stand unter ständigen Einflüssen aus dem Schwäbischen, Pfarrer kamen aus dem Bistum Augsburg. Man könne auch den Einfluss der Klöster Wessobrunn, Polling, Dießen, Rottenbuch, vor allem auch der Wessobrunner Schule in diesem Landstrich als regionale Eigenart sehen, so Thurner. Möglich auch, dass, als sich im Frühmittelalter Bairisch und Schwäbisch noch nicht groß unterschieden, die Sprache sich in der Randlage am Lech erhalten habe. Der Lechrain, eine Besonderheit innerhalb Bayerns.

Es gebe auch heute zahlreiche Nennungen und Funde: Lechroaner-Vereine, Lechrain-Kaserne, Lechrain-Apotheke, und die Rubrik „Lechrain“ im Landsberger Tagblatt. Man solle stolz sein, Lechrainer zu sein. Viele würden sich nicht dazu bekennen, es sei nicht „in“. Schwarz malte der Referent die Zukunft, wenn der Dialekt am Aussterben ist, werde in der Zukunft der Lechrain als reine Landschaftsbezeichnung ohne jedes Eigenleben sein.

Mit „Lechroaner Wörter raten“ mit kleinen Preisen vom Gartenbauverein ging der Abend nachdenklich, doch lustig zu Ende.

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