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Segelfliegen

14.02.2015

Lautlos zweimal die Erde umrundet

Filigran und zerbrechlich wirkt das Segelflugzeug mitten in den mächtigen Bergen. Doch die Geratshofer Piloten wissen genau, wie sie ihre Flugzeuge steuern müssen – nicht nur, um sicher wieder zu landen, sondern auch, um Rekorde aufzustellen.
Bild: Geratshof

Geratshofer Piloten stellten im vergangenen Jahr einen Rekord auf. Jetzt warten sie auf das Frühjahr

Es war ein Frühsommerabend in den Pfingstferien 2014, Sonnenuntergangsstimmung am Segelflugplatz Geratshof. Nach einem Tag voller erlebnisreicher Flüge war es ruhig geworden an der Graspiste südlich von Ellighofen. Es roch nach Lagerfeuer und Grill. Plötzlich hallte aus dem Funkgerät eine Meldung in die Stille: „Geratshof, die Kilo-Lima jetzt Höhe Kinsau – in fünf Minuten zur Landung.“

Vorbei war es mit der Ruhe, rund 30 Piloten und Flugschüler sprangen auf und richteten ihren Blick Richtung Süden. Der kleine weiße Punkt wurde schnell größer und kam schließlich mit 250 Stundenkilometern, begleitet nur von einem leisen Rauschen, quer über die winkende Menge, bevor er zum Landeanflug abdrehte. Alle hatten sich am Ende der Piste aufgereiht und bewunderten den mit majestätisch in der Abendsonne glitzernden Flügeln einschwebenden Segelflieger, der schließlich leise vor dem Hangar zu stehen kam.

Nach einem kurzen Moment öffnete Pilot Günther Siebinger mit strahlendem Gesicht das Cockpit. Applaus brandete auf, denn, was sich schon vorher über Funk verbreitet hatte, hatte tatsächlich geklappt: Siebinger war es am vierten Tag in Folge gelungen, lautlos in den Aufwinden der Alpen eine Strecke von 1000 Kilometern mit seinem Ventus 2CM zu fliegen.

Zunächst bis weit nach Österreich, hinein Richtung Steiermark, dann weiter an den Hohen Tauern und Dolomiten vorbei, bis in die Schweiz hinter Sankt Moritz hatte ihn dieser Segelflug geführt, von dessen Eindrücken er an diesem Abend noch lange den gebannten Zuhörern am Boden berichtete.

Am Ende sollte es einer von vielen großen Streckensegelflügen sein, auf die die Geratshofer Piloten 2014 zurückblicken würden: Sepp Holzapfel verband bei einem anderen Flug mit Piz Bernina, Matterhorn, Gran Paradiso und Mont Blanc die höchsten Viertausender der Alpen, Dirk Küpper flog bei einem Dreiecksflug im Vereins-Nimbus 800 Kilometer über die großen südlichen Mittelgebirge Schwarzwald, Odenwald, Fränkische Alb und Bayrischer Wald.

Richard Paul und Johannes Holzapfel gelang es im Verbandsflug, die Wasserkuppe, den höchsten Berg der Rhön, an dem das Segelfliegen seinen Ursprung hat, mit den Alpen bei Füssen zu verbinden.

Diese und die weiteren Streckenflüge aller Geratshofer Piloten werden im Flug elektronisch per GPS protokolliert. Nach der Landung werden die Daten in die Wertung der deutschen Segelflugmeisterschaft und des weltweiten Segelflug-Online-Contests hochgeladen.

Und der spuckte am Ende des Jahres einen neuen Jahresrekord aus: 83166 Kilometer schafften die 21 Geratshofer Streckenflugpiloten bei 221 Flügen – das entspricht einer Strecke von mehr als zweimal um die Erde – nur von der Energie der Sonne getragen.

In der Weltrangliste landete der „kleine Segelflugverein von der grünen Wiese bei Landsberg“ damit 2014 auf Platz 80 unter über 1500 teilnehmenden internationalen Fliegerclubs, deutschlandweit auf Platz 49 und in Bayern auf Platz 8 von 349 Vereinen.

Dieses sensationelle Ergebnis, das dem Engagement der Piloten und dem guten Segelflugwetter 2014 zu verdanken war, feierten die Landsberger Segelflieger vor Kurzem bei ihrem Jahresrückblick am Flugplatz.

Alle Mitglieder mit besonderen Leistungen wurden dabei gewürdigt. Neben den bereits genannten Namen gab es noch einen ganz besonders erwähnenswerten Preis: Die erst 14-jährige Flugschülerin Julia Steinle wurde für die meisten Starts des Jahres geehrt: 120 Mal ging es 2014 für die junge Landsbergerin in die Luft.

Nach diesem Rekordjahr mag die aktuelle Schneedecke am Geratshof zwar noch so schön aussehen – die Piloten sehnen den Frühling und damit den Start der Saison 2015 schon jetzt kräftig herbei. (lt)

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