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Bad Wörishofen

06.04.2021

Besondere Wohngemeinschaft in einer Kurpension in Bad Wörishofen

Thomas Buchner (links) und Henry Famulus wohnen in der Kurpension Marie-Luise. Famulus ist Mieter bei Buchner. Er berichtet, dass die Dauermieter manchmal auch Kurgästen zur Hand gehen.

Plus Wie Thomas Buchner versucht, Konflikten in seinem Bad Wörishofer Hotel vorzubeugen.

Seit Jahren vollzieht sich in der Kneippstadt ein Strukturwandel: während noch vor zwanzig, dreißig Jahren kleine, familiengeführte Kurheime das Heilbad prägten, gelingt es heute hauptsächlich den großen Kurbetrieben, sich im Kurwesen und in der Tourismusbranche zu behaupten. Viele der einstigen kleinen Kurheime wurden umgewidmet und umgebaut – zu Seniorenresidenzen, Wohnungen oder zu Arbeiterunterkünften. In manchen Häusern ist dabei eine bemerkenswerte Symbiose entstanden. Ein ganz besonderes Zusammenleben hat sich beispielsweise im Kurhotel Marie-Luise in der Bad Wörishofer Jahnstraße entwickelt. Thomas Buchner hat vor einigen Jahren die Kurpension von seinen Eltern übernommen.

In der Pension herrscht trotz Lockdowns reges Leben

Eigentlich müsste es in dem Bad Wörishofer Familienbetrieb derzeit sehr ruhig sein, da ja alle Hotels wegen der Kontaktreduzierung zur Vermeidung von Corona-Infektionen geschlossen sein müssen. Doch in der Kurpension Marie-Luise herrscht kurz vor Ostern reges Leben. Ein paar Kinder huschen aus der großen Tür des überdachten Hoteleingangs. Ein älterer Herr wird von Thomas Buchner freudig empfangen, als er gerade in seine Pension zurückkehrt.

Thomas Buchner selbst steht im Hotelgarten, den er mit viel Liebe zur Natur hegt und pflegt. Die ersten Frühlingsblüher strahlen mit der wärmenden Sonne um die Wette. „Ich habe nie gesagt, dass ich Wohnungen dauerhaft vermieten möchte“, sagt Buchner und stellt fest, dass einfach immer mehr Anfragen kamen. Menschen wollten dauerhaft in seinem Hotel oder in seinen Ferienwohnungen unterkommen.

Derzeit ist er über seine Dauermieter heilfroh. Sie würden ihm zumindest einen Teil seiner Einnahmen sichern. Buchner beherbergt eine fünfköpfige kroatische Familie und vier weitere erwachsene Einzelpersonen dauerhaft in seinem Hotel. Da die Mieter in der Pension ihren festen Wohnsitz haben, sind sie von den derzeit gültigen Hotelschließungen nicht betroffen.

Die Dauermieter werden gezielt ausgewählt

Buchner legt großen Wert darauf, dass er seine Dauermieter gezielt auswählt. So beugt er auch sozialen Spannungen vor. Außerdem pflegt er den Kontakt zu seinen Bewohnern und kümmert sich um sie. Buchner wohnt selbst in seiner Pension und ist rund um die Uhr für seine Mieter erreichbar. „Ich bekomme sofort mit, wenn es irgendwo Schwierigkeiten gibt. Deshalb entstehen keine Probleme mit den Bewohnerinnen und Bewohnern“, sagt der alleinstehende Hotelier und gelernte medizinische Bademeister.

Buchner ist für seine Bewohner wie ein Hausvater. Er ist ein Kümmerer und ein Ansprechpartner. Das Sorgen für andere hat er in die Wiege gelegt bekommen. Er ist im elterlichen Kurbetrieb ebenso wie seine Brüder Christian und Michael aufgewachsen. Christian Buchner führt ebenfalls einen Kurbetrieb: das Kurhotel Alpenhof. Damit das Zusammenleben auf engem Raum gelingt, braucht es klare Regeln. Das ist eigentlich eine Banalität.

In Buchners Haus gelten diese Regeln sogar für die Hygiene. „Wir halten das Hygienekonzept so ein, wie es für das Hotel gilt“, erzählt der Bewohner Henry Famulus. Famulus gefällt es, dort zu wohnen, wo andere Urlaub machen oder kuren. Er profitiert von den Annehmlichkeiten in einem Hotel. Einzeln dürfen die Dauermieter derzeit sogar die Sauna oder den Sportraum nutzen.

Wenn Gäste in der Wörishofer Pension sind, halten sich auch die Dauermieter an die Ruhezeiten

Wenn wieder Hotelgäste kommen, müssen sich die Dauermieter auch an die speziellen Ruhezeiten einer Kureinrichtung halten. „Wir wohnen fast wie in einer WG zusammen“, meint Famulus. Dort gelte es, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Gastgeber Buchner profitiert nicht nur wirtschaftlich von seinen Mietern. Manchmal werde er von der kroatischen Familie sogar zum Essen eingeladen oder bekomme die Mahlzeit von der Familie. Eine andere Bewohnerin helfe hin und wieder beim Hausputz.

Zusammen mit seiner Wohngemeinschaft hofft Buchner, dass auch die Kurgäste und die Urlaubsgäste bald wieder kommen können und dann eine Heimat auf Zeit in seiner Pension finden.

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