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Fronleichnam

18.06.2019

Blütenpuzzle zur Ehre Gottes

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4 Bilder
Fritz Barth und seine Familie gestalten jedes Jahr einen Blumenteppich. Schon früh am Morgen des Fronleichnam-Tags wird in der Kneippstraße eifrig gewerkelt, wie unser Archivfoto zeigt.
Bild: Bernhard Ledermann

Die Prozession in Bad Wörishofen gehört zu den aufwändigsten der Region. Dahinter steckt eine Menge Arbeit, es ist eine kleine Kunst.

Gegen 13 Uhr wird die ganze Pracht zusammengekehrt. Viele fänden das unmöglich, gesteht Waltraud Scharpf vom gleichnamigen Schuhhaus in der Kneippstraße. Es ist eben eine sehr vergängliche Schönheit, die jedes Jahr bei guter Witterung am Weg der Bad Wörishofer Fronleichnamsprozession zu sehen ist – verbunden mit einer Menge Vorarbeit.

Waltraud Scharpf weiß, dass die Mittagssonne den Blüten arg zusetzt. Sie würden schnell welken und der mühsam zusammengestellte Teppich verlöre seine herrliche Gestalt. Das aufwendig gestaltete Blütenarrangement dient ja vor allen Dingen der Verehrung Gottes. Die Blütenteppiche können als Ausleger dieses Festes verstanden werden, das Volksfrömmigkeit mit den Kerninhalten des katholischen Glaubens verbindet: Der im gewandelten Brot gegenwärtige Jesus Christus wird durch die Straßen der Stadt getragen. So verstehen die Katholiken dieses Fest. Da also an diesem Tag Gott selbst durch den Ort getragen wird, bekommen die Straßen und Wege einen königlichen Schmuck. „Viel Arbeit“ bedeute dieser Tag für sie, meint Waltraud Scharpf und schiebt gleich hinterher: „Aber wir machen das sehr gerne.“

Seit 1990 ist sie am Herrichten des Blütenteppichs vor ihrem Geschäft in der Kneippstraße beteiligt. Dabei ist ihr die Tradition aus ihrer Heimat in Engstingen bei Reutlingen durchaus bekannt. Auch eine ihrer Schwestern legt seit vielen Jahren in der früheren Heimat von Waltraud Scharpf einen aufwendig gestalteten Blumenteppich. Sie habe es einfach, bemerkt Waltraud Scharpf. Schließlich führe sie ein eigenes Blumengeschäft. In Bad Wörishofen sei die Organisation von Blumen dagegen schon etwas mühsamer. Vom Blumenhändler der Gärtnerei Wolf hätte ihre Familie in den vergangenen Jahren Reste bekommen, erzählt Scharpf. Außerdem begibt sich ihre Familie in den Tagen vor Fronleichnam auf den Weg in die Natur, um Blumen, Farne und Grünzeug zu sammeln. Auch Freunde würden ihre Gärten öffnen und Blüten zur Verfügung stellen, berichtet die Bad Wörishofer Geschäftsfrau.

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Auch Freunde öffnen ihre Gärten, damit genug Material zusammen kommt

„Es ist jedes Jahr aufs Neue spannend, welche Blumen wir überhaupt bekommen“, sagt Scharpf. Ihre Schwester hätte sie vor Jahren mehrmals auf ihre Vorlagen für ihre Teppiche angesprochen. Doch die gäbe es bei ihr nicht. Die Teppiche vor dem Kneippstädter Schuhgeschäft entstehen jedes Jahr aufs Neue spontan und intuitiv. Gegen fünf Uhr morgens startet Waltraud Scharpf mit dem Blumenteppichlegen. Sie bekommt dabei Unterstützung von ihrer erweiterten Familie: Ihr Mann, die inzwischen erwachsenen Kinder Anna und Florian und sogar eine weitere Schwester und deren Familie reisen extra an, um an Fronleichnam zu helfen. Wenn die unterschiedlichen Blüten hergerichtet sind, legt Waltraud Scharpf frühmorgens einen ersten Entwurf. Dieser wird dann von den weiteren Helfern symmetrisch gespiegelt. Gegen acht Uhr, spätestens aber zu Gottesdienstbeginn am Fronleichnamstag, ist der Teppich dann fertig und kann bewundert werden. Zu den ersten Besuchern zählt seit einigen Jahren Pfarrer Andreas Hartmann. „Wir freuen uns sehr darüber, wenn er vor der Messe kommt und sich für die Arbeit bedankt“, meint Waltraud Scharpf. Nach der Messe zieht der Bad Wörishofer Geistliche dann mit der großen Prozession an den Teppichen vorbei. Station macht die Prozession dabei an den vier Hauptaltären beim Gasthof Adler, bei der Familie Trommer am südlichen Ende der Hauptstraße, vor dem Sebastianeum und bei der Familie Büchele, die immer aufwändig ihr Haus verhüllt, in dem die Bar „Vino e Sapori“ untergebracht ist, und ebenfalls Blumenteppiche legt. Für die Gläubigen, die an der Prozession teilnehmen, entsteht gerade in der Kneippstraße ein prächtiges Gesamtkunstwerk an blühender Natur: Dort scheinen Bäume, Blumenrabatten, die Gärten der „Blumenlust-Ausstellung“ und Fronleichnamsteppiche geradezu miteinander zu verschmelzen.

Das Kreuz am Familienaltar wurde von Heinrich Wolf renoviert

Einen wichtigen Beitrag zu der großen Kneippstädter Fronleichnamsprozession leistet seit bereits 43 Jahren auch Viktoria Trommer. Sie kümmert sich um einen der Hauptaltäre. Im vergangenen Jahr hat sie das große Kreuz, das am Familienaltar aufgebaut wird, vom Bad Wörishofer Bildhauer Heinrich Wolf renovieren lassen. „Die Strahlen waren abgebrochen“, berichtet Viktoria Trommer.

Das Fronleichnamsfest mag sie sehr. „Das ist noch eine öffentliche Kundgebung für den Glauben“, hebt sie hervor. Über die Katholiken werde hauptsächlich viel Negatives berichtet, findet sie. Fronleichnam dagegen zeige: es gibt auch so viel Gutes und Schönes durch den Glauben.

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