1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Das Ende des Gerüsts ist in Sicht

Kirchenrenovierung

19.04.2017

Das Ende des Gerüsts ist in Sicht

Sie haben die Renovierung im Griff: (von links) Pater Jakob, Bauleiter Denis Galisch und Kirchenpfleger Robert Rogg.
2 Bilder
Sie haben die Renovierung im Griff: (von links) Pater Jakob, Bauleiter Denis Galisch und Kirchenpfleger Robert Rogg.
Bild: Frieß

Nach den Arbeiten am Dachstuhl kann in Breitenbrunn auch im Innenraum endlich Hand angelegt werden. Und auch an kuschelnde Fledermäuse hat man bei der Sanierung gedacht.

Die schlechte Nachricht ist, dass nach den Gottesdiensten rund um Ostern auch die Kommunion noch samt Gerüst im Innenraum von St. Martin gefeiert werden muss. Die gute ist aber, dass die Tage für den Aufbau gezählt sind. „Der Restaurator startet Ende April mit der Arbeit. Er wird dazu ungefähr sechs bis acht Wochen brauchen, dann kann das Gerüst im Innenraum abgebaut werden“, schätzt Denis Galisch, Bauleiter der Firma Schütz Ingenieure in Kempten.

Bereits seit fast drei Jahren steht die Konstruktion: Sie stützt einerseits Teile der Decke und schützt andererseits die Gottesdienstbesucher, nachdem sich vor über drei Jahren ein Stück Putz von der Decke gelöst hatte. Ein Tragwerksgutachten wurde daraufhin in Auftrag gegeben und brachte die gesamten Schäden am Gotteshaus zutage. Mittlerweile sind die Arbeiten am Dachstuhl beendet, die morschen Balkenteile ausgetauscht und das Dach neu gedeckt worden. „Der Großteil der alten Biberschwanz-Dachziegel war schon so porös, dass die sogenannten Nasen fast verschwunden waren und sie nicht mehr verwendet werden konnten“, erzählt Galisch. „Deshalb wurde in Absprache mit dem Amt für Denkmalpflege das gesamte Dach neu eingedeckt.“ Auch Sturmklammern wurden angebracht, damit sich auch bei starkem Wind in Zukunft keine Ziegel lösen.

Die Vorrichtungen schützen die Tiere vor Zugluft

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wer sich unter das neu gedeckte Dach begibt, entdeckt zwei hölzerne Einbauten direkt unter der Spitze, wie man sie wohl in den wenigsten Häusern findet: Wärmeglocken. Denis Galisch erklärt, dass der renovierte Dachstuhl belüftet ist, sprich zwischen den Sparren nur ein Insektenschutzgitter steckt, damit dort eine ausgeglichene Luftfeuchtigkeit herrscht. Für die Fledermäuse jedoch, die wohl früher schon zwischen den Balken in St. Martin gewohnt haben, wäre dies jedoch zu kühl. Die Vorrichtungen schützen sie nun vor Zugluft. „In die Spalten können sich die Tiere einhängen und aneinander kuscheln. So ist es jedenfalls gedacht“, erklärt der Bauleiter und schmunzelt. Wegen der fliegenden Säugetiere mussten die Zimmerer im Winter ihre Arbeiten verrichten, damit nun die zurückkehrenden Fledermäuse – für die extra Öffnungen zum Dachraum angebracht wurden – wieder einziehen können.

„Wenn man den ganzen Aufwand sieht, hoffe ich, dass wenigstens für die nächsten 50 Jahre nichts mehr getan werden muss“, scherzt Pater Jakob, der sich genauso wie Kirchenpfleger Robert Rogg schon auf das Ende der Gerüste freut. Ebenfalls erfreulich: Die Kosten befinden sich im Plan. „Wenn wir Glück haben, sind wir vielleicht sogar ein wenig unter der veranschlagten Summe“, meint Denis Galisch. Doch auch wenn 75 Prozent der 535000 Euro und ein Sonderzuschuss von 70000 Euro von der Diözese gezahlt werden, hat die Pfarrgemeinde immer noch eine enorme Last zu tragen. Doch Robert Rogg ist mit der Spendenbereitschaft der Breitenbrunner zufrieden: „Klar könnte man immer noch mehr bekommen, aber insgesamt passt das schon.“

Die letzte Sanierung war in den 90er Jahren

220 Jahre ist es her, dass Conrad Huber aus Weißenhorn das Abendmahl-Gemälde in Breitenbrunn an die Decke des Langhauses gemalt hat. Seitdem wurde die Kirche mehrmals verändert. Das letzte Mal wurde sie in den 90er Jahren renoviert. Trotzdem hat sich dort ein sehr langer Riss im Putz gebildet, der nun wieder verfüllt und übermalt werden muss. Denis Galisch erklärt, dass diese Arbeiten immer erst ganz zum Schluss gemacht werden, damit nicht etwa durch die Arbeiten am Dachstuhl weitere Spannungen auftreten und erneute Risse im Putz entstehen. Kirchenpfleger Robert Rogg weiß nicht genau, ob die letzten Arbeiten nicht optimal ausgeführt wurden, denn er ist erst seit 2013 in diesem Amt. Er hofft jedoch, dass nach dem Tausch einiger Latten in der Unterkonstruktion der Putzdecke wieder alle Stützen entfernt werden können und nach der Reinigung der gesamten Decke alles wieder strahlt.

Auch der Breitenbrunner Organist wird nach dem Ende der Bauarbeiten froh sein, denn sein Arbeitsplatz war vom Rest der Kirchenbesucher für über drei Jahre fast gänzlich abgetrennt. Ob es dann einen großen Festgottesdienst geben wird? Pater Jakob ist sich noch nicht ganz sicher, freut sich aber schon sehr auf eine Zukunft ganz ohne Baustellen, und zwar in allen der von ihm betreuten Gemeinden. Denn auch die Renovierungen in Loppenhausen und Schöneberg konnten im vergangenen Jahr zum Abschluss gebracht werden.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren