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Irsingen

20.08.2020

Der Herr der Bienen: Ohne Maske wird’s schmerzhaft

Besser mit als ohne Maske, weiß Hobby-Imker Manfred Canci inzwischen.

Plus Manfred Canci aus Irsingen ist begeisterter Hobby-Imker – auch wenn er mit seiner Leidenschaft für Bienen bei den Insekten nicht immer auf Gegenliebe stößt. Nächster Teil der MZ-Serie.

„Schuld war nur der Bossanova“ schallt es von den Bienenstöcken herüber. Bienen und Schlager aus den 1960er Jahren – wie geht denn das zusammen? „Nein, nein“, sagt Manfred Canci lachend. Nicht für die Bienen sei die Musik in seinem weitläufigen Garten gedacht, in dem so allerhand Viehzeug herumkreucht und fleucht. Katzen, Enten, Gänse, Hühner. Und eben Bienen.

Vor allem wegen dem Federvieh läuft tagsüber die Schlagermusik, vielmehr wegen dem Fuchs, der sich von diesen menschlichen Klängen davon abhalten lässt, sich sein Mittagessen hier zu holen.

18 Bienenvölker hat Canci mittlerweile in Betreuung

„Den Bienen ist die Musik egal“, sagt der Irsinger Manfred Canci und öffnet den Deckel eines seiner Bienenstöcke. „Schau, da sind sie“, sagt er und seine Stimme wird ganz weich und klingt irgendwie verliebt. Tatsächlich, hier tummeln sich hunderte Bienen, tausende vielleicht. 18 Bienenvölker hat Manfred Canci inzwischen, seit gut zehn Jahren ist er zum Hobby-Imker geworden, der sich liebevoll um seine Bienen kümmert.

Dass die eine Menge Arbeit machen, verdeutlicht auch eine nüchterne Zahl: So etwa 700.000 Insekten werden es schon sein, die hier ihrem sprichwörtlichen Fleiß nachgehen und pro Bienenvolk so etwa 20 bis 25 Kilo Honig sammeln. Den holen sich die Bienen auf den umliegenden Feldern und Wäldern, was freilich nicht immer ganz so einfach ist. Denn Manfred Canci hat alleine in den vergangenen zehn Jahren schon deutliche Veränderungen im Nahrungsangebot für seine Bienen in der Umgebung festgestellt.

Ohne zusätzliches Futter würden die Bienen verhungern

Nicht zuletzt wegen der sich verändernden Natur und den Einflüssen der Landwirtschaft müssen Imker auch „zufüttern“, das heißt: Die Bienen würden jämmerlich verhungern, wenn sie in „Notzeiten“ nicht mit Zuckerwasser von ihren Imkern unterstützt werden. Und das beileibe nicht nur nach der Honigsaison, die immer Ende Juli zu Ende geht. Dann haben die Imker wie Manfred Canci alle Hände voll zu tun. Der Honig wird aus den Waben herausgeschleudert und verarbeitet, die Bienenvölker müssen mit jeweils rund 20 Litern Zuckerwasser dafür „belohnt“ werden, dass sie in den Monaten zuvor eben genau das waren, was man ihnen so nachsagt: bienenfleißig eben.

Und dann muss auch noch die Varoa-Milbe bekämpft werden, die sonst alle Bienenvölker dahin raffen würde. Ganz schön viel Arbeit? „Das ist keine Arbeit, das ist das allergrößte Vergnügen“, schmunzelt Manfred Canci aus seiner Imkermaske heraus.

Denn seine Liebe zu seinen Bienen beruht nicht immer auf Gegenseitigkeit: Wenn sich der Imker am Bienenstock zu schaffen macht, dann werden die Wächter-Bienen aktiv und aggressiv – und verteidigen ihr Zuhause. Natürlich stechen sie dann zu, daran hat sich Manfred Canci längst gewöhnt. Pro Saison werde er vielleicht ein Dutzend Mal in die Arme oder Hände gestochen. Das ist doch nichts, sagt er.

So um die 50 Euro kostet die Grundausrüstung für einen Hobby-Imker. dazu gehört – natürlich – vor allem die Maske, die das Gesicht und den hals vor den Stichen der Bienen schützt.

Nur ins Gesicht, da will er nicht mehr gestochen werden – und deshalb zieht er seine Imkermaske nur allzu gerne an. Denn ein Stich reicht schon, dann schwillt ihm das ganze Gesicht an und es dauert Tage, bis sich die Schwellung wieder zurück gebildet hat. „Da macht die Maske schon Sinn“, sagt Manfred Canci und kratzt sich an der Backe, wo ihn zuletzt trotz aller Vorsicht eine der aggressiven Wächter-Bienen erwischt hatte. „Die tun doch nur ihre Pflicht“, sagt Manfrred Canci und man hört im so gerne zu, wenn er in seinem typisch „Ischinger“ Zungenschlag von seiner Leidenschaft als Bienenzüchter erzählt.

„So schwer kann das doch nicht sein“, dachte sich Manfred Canci zu Beginn

Und er hat so viel zu erzählen. Damals, als er sich aus einer Laune heraus entschloss, einige Bienenvölker zu kaufen. Weil er keine Ahnung von der Imkerei hatte und keinen kannte, den er fragen konnte – da kaufte er sich ein Büchlein. „Einfach imkern“ lautete der Titel. So schwer kann das ja also nicht sein, dachte sich Manfred Canci damals – und weiß heute, dass es alles andere als einfach ist, ein Imker zu werden und zu bleiben. Über die Jahre hat es sich eine ganze Menge an Fachwissen angeeignet und hat sich bei befreundeten Imkern in der Region Rat geholt.

Diese Erfahrung gibt er gerne auch weiter und will im kommenden Frühjahr auch wieder einen Kurs „Imker auf Probe“ anbieten. Die Firma Dachser habe ihn gebeten, sie bei der Anlage einer Blühwiese zu unterstützen. Immerhin 3,2 Hektar groß ist diese Wiese und hier kann sich Canci auch gut vorstellen, dass er gemeinsam mit anderen Imker-Freunden einigen interessierten „Bienen-Neulingen“ einen ersten Einblick in die Imkerei bieten kann. Schon jetzt ist er auf der Suche nach möglichen Hobby-Imkerinnen oder -Imkern, die mehr über Bienen wissen wollen. Im Grunde könne das jede und jeder, der sich für Umwelt- und Naturschutz begeistert, ist Manfred Canci überzeugt. Schon mehrfach habe er solche Kurse angeboten, und die meisten Teilnehmer sind heute noch begeisterte Imker. Manche lassen es dann aber auch wieder bleiben. Ob das an den schmerzhaften Stichen der Bienen lag, weiß Manfred Canci freilich nicht.

Kontakt Interessenten für den Kurs „Imker auf Probe“ können sich bei Manfred Canci unter der Handynummer 0172/9835629 melden.

Wer einen Laden, Supermarkt oder eine Arztpraxis betritt, muss seit März wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus Mund- und Nasenschutz tragen. Die meisten Menschen haben sich daran gewöhnt, auch wenn das lästig sein mag. Es gibt Personengruppen, die schon immer eine Maske aufsetzen mussten. Wir haben ein paar von ihnen besucht und hinter die Maske geschaut. Hier sind die bereits erschienenen Folgen:

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