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Rammingen

29.05.2019

Die vierbeinigen Helden mit den Super-Spürnasen

Die Suchhundegruppe Bad Wörishofen unternahm einen Ausflug in den Skylinepark. Eine große Herausforderung für die Vierbeiner, wenn man bedenkt wie viele Menschen sich dort an einem Tag bewegen. Unser Bild zeigt (von links) Toni Deichl mit Lilly, Monika Barth mit Frieda, Gruppenleiter Frank Kania mit Toni, Conny Boos mit Akimba sowie Astrid Winkler mit Gracia.
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Die Suchhundegruppe Bad Wörishofen unternahm einen Ausflug in den Skylinepark. Eine große Herausforderung für die Vierbeiner, wenn man bedenkt wie viele Menschen sich dort an einem Tag bewegen. Unser Bild zeigt (von links) Toni Deichl mit Lilly, Monika Barth mit Frieda, Gruppenleiter Frank Kania mit Toni, Conny Boos mit Akimba sowie Astrid Winkler mit Gracia.
Bild: Wilhelm Unfried

Sie suche nach vermissten Menschen. Bei der Übung im Skyline Park könnten die „Mantrailer“-Spürhunde ihr Können unter Beweis stellen.

Mantrailer, das sind Helden auf vier Pfoten und in der Lage, anhand einer Geruchsprobe (zum Beispiel einem Kleidungsstück) der Spur einer ganz bestimmten Person zu folgen – egal ob in der Stadt oder in der grünen Natur. Und diese Spuren dürfen mehrere Stunden oder Tage alt sein. In der Kneippstadt hat Frank Kania eine Suchhunde-Gruppe aufgebaut und die Mindelheimer Zeitung hatte jetzt die Gelegenheit, eine Übung der Hunde mitzuverfolgen.

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Unter erschwerten Bedingungen: Eine Person war im Skylinepark abgängig. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass an diesem Tag einige tausend Menschen den Park besucht hatten. Deshalb galt der Dank von Kania besonders dem Team des Skylineparks, das diese Übung unter sehr realistischen Umständen ermöglicht hatte.

Die Suchhunde sollen eine vermisste Person im Skyline Park erschnüffeln

Frank Kania erläuterte zu Beginn der Übung die angenommene Ausgangslage. Eine Person habe den Skylinepark besucht und sei nicht mehr zurück gekommen. Die Person müsse sich demnach noch auf dem Gelände des Vergnügungsparks befinden.

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Artig warteten die Hunde auf ihren Einsatz. Zunächst war der „Chef“ mit seiner vierpfotigen Spezialistin Toni, einer Bayerischen Gebirgsschweißhündin, selbst dran. Der Hund durfte kurz an einem Tuch der Suchperson schnuppern und dann ging es an der langen Leine vom Eingangsbereich los. Wie Kania erklärte, sei an diesem Tag noch neben der hohen Besucherzahl der starke Wind hinzu gekommen. Dadurch hätten sich die Geruchspartikel im ganzen Park verteilt. Deshalb zog es den Hund zunächst nach Westen, denn die Frau hatte sich in der Mitte des Parks versteckt, der Ostwind trieb ihre Partikel in die andere Richtung. Doch bald merkte Toni dass im Westen nichts zu finden war, also konzentrierte sie sich wieder auf die Spuren am Boden. Und zielstrebig kam sie dem Ziel näher. Am Ende freuten sich Herrchen und Hund, dass die Zielperson in einer Lokomotive entdeckt wurde. Dafür gab es von Frank Kania ein dickes Lob und ein Leckerli.

Noch „gemeiner“ war der zweite Versuch. Die Zielperson biss ein Stück von einem Wiener Würstchen ab. Man sollte nun meinen, der Hund würde sich nun mit dem Geschmack des Würstchens anfreunden und sei abgelenkt. Doch Hündin Lilly ignorierte das Würstchen und konzentrierte sich auf die Spuren der Suchperson. Auch hier kämpfte der Hund zunächst mit den vom Wind getriebenen Partikeln. Und am Ende war auch er natürlich erfolgreich.

Ein Hund, der ein derartiges Können aufweisen kann, hat eine lange Ausbildung hinter sich. „Die Schule dauert mindestens drei Jahre, wobei wir an zwei Tagen in der Woche intensiv mit unseren Hunden trainieren“, erzählt Frank Kania. „Dabei ändern sich Umgebung und Beteiligte“, so Kania weiter. Dabei werde auch die Zusammenarbeit mit externen Organisationen gesucht.

Frank Kania ist ein international erfahrener Fachmann, der schon mit der Polizei in Ungarn, Mexiko und der Dominikanischen Republik zusammengearbeitet hat und sich seit sieben Jahren mit der Menschensuche beschäftigt. Im Gegensatz zu anderen Rettungshundestaffeln, die zumeist Flächensuchhunde, Trümmersuchhunde und Mantrailer zusammen ausbilden, hat sich Kneippstädter Gruppe ausschließlich auf die Mantrailer konzentriert. Alle Gruppenmitglieder sind ausgebildete Personenspürhundeführer, also Spezialisten.

Theoretisch kann jeder Hund zu einer "Supernase" ausgebildet werden

Frank Kania war im Berufsleben Versicherungsfachmann und kam zu diesem schönen Hobby durch die Bekanntschaft mit dem US-Sheriff Kevin John Kocher, einem weltweit renommierten Mantrailing-Experten, der auch schon mehrmals zu Gast in Bad Wörishofen war. Übrigens Mantrailer kann jeder Hund werden, es gibt keine bestimmte Rasse. Die Hunde sollten im Alter von spätestens sechs Monaten mit der Ausbildung beginnen.

Die Gruppe Bad Wörishofen leitet Frank Kania mit seiner siebenjährigen bayerischen Gebirgsschweißhündin „Toni“ . Zur Gruppe gehören weiter Toni Deichl mitder dreijährigen Porcelaine-Hündin „Lilly“, Monika Barth mit der neun Monate alten Drahthaar-Viszla-Hündin „Frieda“, Conny Boos mit der dreijährigen Rhodesian-Ridgeback-Hündin „Akimba“, Astrid Winkler mit der einjährigen Hovawart-Hündin „Gracia“ und Iris Jodl mit dem siebenjährigem Border-Collie-Rüden „Q“,

Aktuell verfügen die Suchhunde Bayern im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West über fünf geprüfte Einsatzteams. „Unsere Einsätze sind für den Anforderer kostenlos und finden ausschließlich mit den zuständigen Polizeidienst-stellen statt“, so Kania abschließend. Der Verein Suchhunde Bayern ist ein gemeinnütziger Verein mit dem Ziel zur Verfügungstellung von Suchhunden für Behörden und Organisationen.

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