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Kriminalreport

20.03.2015

Einbrüche bereiten der Polizei Sorgen

Werner Strößner

Das Unterallgäu ist eine der sichersten Regionen Deutschlands. Probleme gibt es trotzdem

Es ist schon fast eine Tradition, dass ein Polizeipräsident im Frühjahr verkünden kann, wie gut sich die Kriminalität in der Region zurückentwickelt hat. Im vergangenen Jahr hatte das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West allerdings mit vielen Problemen zu kämpfen. Allein der Fall des ehemaligen Drogenfahnders Armin N. aus Kempten habe der Polizei viele negative Schlagzeilen eingebracht, räumt der neue Polizeipräsident Werner Strößner ein. Im Schnitt sei man aber weiterhin eine sehr sichere Region, in der sich die Bewohner wohl fühlen können, auch wenn sich einige Kriminalbereiche negativ entwickelt haben. Der Kriminalreport 2014 im Überblick:

Pro 100000 Einwohner wurden im Unterallgäu 4254 Straftaten registriert, so wenige wie seit zehn Jahren nicht mehr. In ganz Bayern liegt die Häufigkeitszahl bei 5164, in Berlin kommen auf diese Zahl an Einwohnern über 15000 Straftaten. In Städten ist die Zahl wie gewohnt deutlich höher als in ländlichen Gegenden. Der Landkreis Unterallgäu hat hier die besten Werte des gesamten Polizeipräsidiums Süd/West.

Die Anzahl an Gewaltverbrechen ist im Vergleich zum Vorjahr um 8,7 Prozent zurückgegangen. Positiv zu vermerken sei laut Karl Heinz Alber, Leiter des Sachgebiets Verbrechensbekämpfung in Kempten, dass von den insgesamt rund 1200 Fällen deutlich weniger ein Raub oder eine schwere Körperverletzung waren. „Es ist trotzdem erschreckend, wie oft Menschen grundlos brutal attackiert werden. Das passiert nach wie vor bei uns“, sagt Alber.

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Mehr als 10800 Diebstähle, darunter fallen auch Einbrüche, wurden im letzten Jahr im Gebiet des Polizeipräsidiums registriert – das sind 7,8 Prozent weniger als 2013. Trotzdem bereitet dieser Bereich der Polizei große Sorgen, meint Präsident Werner Strößner. Die Zahl an Wohnungseinbrüchen sei nämlich um 13,7 Prozent auf 399 gestiegen. Gleichzeitig können nur 16 Prozent der angezeigten Einbrüche aufgeklärt werden. In diesem Bereich müsse man dringend nachbessern, sagt Strößner. Auch wenn die Zahl an Einbrüchen nur ein Prozent der gesamten Verbrechen ausmache, bereiten sie den Menschen doch am meisten Kummer, denkt er. Dass die Gesamtzahl an Diebstählen trotzdem gesunken ist, liege unter anderem daran, dass es deutlich weniger Diebstähle aus und von Autos gebe als vorher.

Auch hier kann man Erfolge verbuchen. 7 Prozent weniger Fälle als im Vorjahr wurden registriert. Zur Straßenkriminalität zählt zum Beispiel Sachbeschädigung an Wegen oder öffentlichen Plätzen. In diesem Bereich ist der Anteil an jungen Tätern besonders hoch: über ein Drittel der Kriminellen war unter 21.

Die Anzahl an Betrugsversuchen ist auf einem Zehn-Jahres-Tief angekommen. Mit 6456 Fällen zählte man 0,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Der durch die Betrugsfälle entstandene wirtschaftliche Schaden beträgt aber immer noch beachtliche 12,6 Millionen Euro.

Der Online-Bereich wird für die Polizei immer wichtiger. Man hat zwei Einheiten gegründet, die sich voll auf diesen Bereich spezialisiert haben. Mit Erfolg: Die Aufklärungsquote wurde auf 83,7 Prozent erhöht, 887 Fälle wurden im vergangenen Jahr registriert. Die Dunkelziffer sei aber deutlich höher, vermutet Karl Heinz Alber.

Die Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität ist ein Sorgenkind der Polizei in der Region. Mit 2531 Straftaten gab es hier deutlich mehr Verstöße (20,4 Prozent) als 2013. „Was unsere Arbeit erschwert, ist, dass Täter immer professioneller arbeiten und sich gut abschotten“, erklärt Alber. Hier seien ebenfalls oft junge Leute in Straftaten verwickelt. Im Unterallgäu sind vergangenes Jahr vier Leute wegen Drogenkonsums gestorben, vorher war es nur einer. Hier sei laut Polizei meist Heroin im Spiel.

Es wurden 16,6 Prozent mehr Fälle von sexueller Belästigung und Vergewaltigung registriert, als im Jahr 2013. Mehr als 75 Prozent der Opfer sind weiblich. Auffällig sei, dass Opfer und Täter sich meist kennen. Es habe auch einen signifikanten Anstieg (30 Prozent) bei sexuellem Missbrauch von Kindern gegeben, teilt die Polizei mit. Insgesamt gab es 470 Delikte.

Im vergangenen Jahr seien viele Schleuserbanden in der Region aktiv gewesen, die Flüchtlinge illegal nach Deutschland brachten. Demnach hatte es die Polizei mit vielen Fällen von unerlaubter Einreise zu tun. Betroffen waren vor allem Menschen, die aus dem Kosovo kamen.

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