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MZ-Aktion „Fahr Rad!“

30.08.2017

Eine Familientour mit Hindernissen

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7 Bilder
Die Anstiege sind zwar anstrengend, doch oben angekommen werden wir mit tollen Ausblicken wie diesem auf Erisried belohnt.
Bild: Sandra Baumberger

Geplant war ein gemütlicher Radausflug rund um Katzbrui. Doch eine vermeintliche Abkürzung erweist sich als verhängnisvoll.

Glaube versetzt Berge? Ja, schön wär’s. Spontan habe ich zugesagt, für unsere Benefizaktion „Fahr Rad!“ eine Familienradtour rund um die Katzbrui-Mühle zu unternehmen. Der Geistesblitz, dass das aufgrund des Streckenprofils eine Herausforderung werden könnte – die Katzbrui-Mühle liegt ja nun mal tief unten, die umgebenden Gemeinden dagegen breiten sich auf Höhenzügen aus – kommt leider Sekundenbruchteile zu spät. Und so beginne ich zu planen. Mir schwebt eine Rundtour vor, die – da sie auch für kleinere Kinder geeignet sein soll – höchstens zehn Kilometer lang ist, einen Abstecher zur Katzbrui-Mühle beinhaltet – und trotz allem möglichst wenige Steigungen. Die Strecke von Eutenhausen über Mussenhausen, Saulengrain, Köngetried und Katzbrui zurück nach Eutenhausen scheint diese Vorgaben zu erfüllen. Die Steigung nach Saulengrain ist zwar knackig, aber danach müsste es doch eigentlich überwiegend bergab gehen, meine ich mich vage zu erinnern – und lotse die Familie wohlgemut nach Eutenhausen.

Wir starten an der Kirche, halten uns links in Richtung Erlis und biegen hinter dem letzten Hof rechts auf einen Feldweg ein, um nicht auf der Staatsstraße nach Mussenhausen radeln zu müssen. Für den jüngsten im Team, der es im Fahrradsitz an Papas Lenker mit Abstand am bequemsten hat, ist der Ausflug schon nach diesen wenigen Metern ein voller Erfolg: Zur Linken ein Traktor mit Kreisler, am Horizont eine Ballenpresse in Aktion, Bubenherz, was willst du mehr? Die Fünfjährige tritt mit Feuereifer in die Pedale, freut sich an dem Milan, der über uns kreist und weiß jetzt schon, dass sie das am nächsten Tag alles im Kindergarten erzählen wird. Dabei kann sie da ja noch gar nicht ahnen, wie abenteuerlich unser Ausflug einige Kilometer später noch werden wird.

Neben uns versteckt sich der Auerbach hinter dichtem Grün und die ersten Vorboten des nahenden Herbstes sind nicht zu übersehen: Die Hagebutten sind zum Teil schon rot, die Holunderbeeren fast reif und die ersten Herbstzeitlosen recken auch schon ihre zartlila Köpfe aus dem Gras. Ratzfatz sind wir in Mussenhausen und stehen vor dem Marienheim, quasi dem Sinnbild für den demografischen Wandel im Landkreis: früher Geburtsstation, heute Seniorenheim. Die alte Klinik ist seit Jahren Vergangenheit und doch erinnere ich mich noch gut an den Flur mit dem großen Fenster und dem Hocker davor, durch das man direkt ins Neugeborenenzimmer gucken konnte. Dort lagen die Babys in durchsichtigen Plastikbettchen und wenn man Glück hatte, war gerade eine der Ordensschwestern da und hielt eins der kleinen Würmchen ganz dicht vors Fenster.

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Der Pedelec-Fahrer entmutigt uns nicht

Meine Tochter muss sich stattdessen mit der Blumenwiese vor dem Gebäude begnügen, ehe wir ein kurzes Stück geradeaus weiterradeln und dann – der Radwegbeschilderung folgend – nach rechts Richtung Saulengrain abbiegen. Vorbei geht’s an sommerbunten Gärten und dem Feuerwehrhaus, dem ersten Anstieg entgegen. Schnaufend erreichen wir die Abzweigung nach Gronau, wo wir die Aussicht auf frisch gemähte Wiesen, grasende Kühe, Stetten und Erisried genießen. Als wir gerade wieder aufsteigen, zischt ein älterer Herr auf dem Pedelec an uns vorbei – nach oben, versteht sich. Doch davon lassen wir uns nicht demoralisieren und strampeln keuchend hinterher. Das letzte Stück schiebt die Fünfjährige ihr Rad, doch von der Abschleppstange, die wir vorsorglich ausgeliehen haben und mit der sich ihr Rad an dem ihres Papas ankoppeln lässt, will sie partout nichts wissen.

Durch eine Allee aus Mais rollen wir schließlich auf Saulengrain zu. Vor dem Alpenpanorama zu unserer Rechten hebt sich der Kirchturm von Unteregg ab, ein Stück davor ist schon Köngetried zu sehen. Auf einer Postkarte würde man das wahrscheinlich kitschig finden, jetzt ist es einfach schön. In Saulengrain biegen wir rechts ab – und stellen schnell fest, dass die an die Fünfjährige gerichtete Aufmunterung, dass das schlimmste Stück der Strecke schon überstanden ist, so nicht ganz stimmt. Zwar geht es gerade steil bergab, danach aber gleich wieder genauso steil nach oben, wieder nach unten und – nun bereits in Köngetried – wieder hoch. Wir schieben die Räder dem Maibaum entgegen. Wieder aufsitzen und auf zum letzten Anstieg.

Bevor wir uns hinaufquälen, zückt mein Mann die Rad- und Wanderkarte. Die Radweg-Beschilderung weist zwar eindeutig in die Richtung, die wir gerade einschlagen wollten, nämlich nach rechts, doch links, den Berg hinunter, gibt es auch noch einen Wanderweg. Können wir uns damit vielleicht eine Steigung ersparen und kommen gleich unten bei der Katzbrui-Mühle raus? Die Hauptstraße könnten wir so auch umgehen. Wir sind ein bisschen unschlüssig. „Wanderweg heißt ja nicht automatisch, dass man da auch radeln kann“, wende ich ein, doch wir lassen es auf einen Versuch ankommen. Was soll schon passieren?

Nach der Mariengrotte beginnt das Abenteuer

Zum Beispiel, dass es nach der Abfahrt gleich wieder richtig bergauf geht. Mit der ersparten Steigung war es also schon mal nichts. Doch es kommt noch besser: Die Mariengrotte, an der der Weg vorbeiführt, ist zwar wirklich hübsch, die Stufen, die sich danach plötzlich vor uns auftun, sind es jedoch entschieden weniger. Wieder zurück durch Berg und Tal wollen wir nicht, also hilft nur eins: Ich gehe mit den Kindern und der Radtasche voraus, mein Mann tut Buße und trägt die drei Fahrräder nacheinander die 89 schmalen Stufen hoch.

Als endlich alle und alles oben sind, ist die Stimmung ein bisschen gedämpft. Denn zumindest uns Erwachsenen ist klar, dass wir auch wieder irgendwo irgendwie runter müssen. Der Weg ist nur eine schmale Fahrspur im Gras, die Fünfjährige kann einfach nicht mehr und nimmt das Abschlepp-Angebot nun doch an. Das schützt sie allerdings nicht vor den Brennnesseln, die auf beiden Seiten des nun noch schmaleren Weges wachsen. Zum Glück weht in diesem Moment der Geruch von Pommes zu uns herauf: ein Hoffnungsschimmer für die Kinder.

Tatsächlich stehen wir schon bald vor den Stufen, die wieder nach unten führen. Zum Glück sind es diesmal etwas weniger, anstrengend ist die Schlepperei trotzdem. Die Kinder sind vorerst zu erledigt, um den Bächlein, die hier so munter plätschern, größere Aufmerksamkeit zu schenken und steuern auf direktem Wege den Biergarten der Katzbrui-Mühle an. Eine Stärkung haben wir uns jetzt wirklich verdient – und die Stempel für die MZ-Aktion „Fahr Rad!“ natürlich auch. Dabei hätten wir uns für die gar nicht so zu verausgaben brauchen. Für den guten Zweck zählt schließlich jeder Stempel – egal, wie weit man dafür geradelt ist. Am besten, Sie nutzen die letzten Tage bis zum Einsendeschluss und machen auch noch mit. Immerhin werden unter allen Teilnehmern drei Fahrräder und weitere Preise im Gesamtwert von 2000 Euro verlost. Und im Gegensatz zu uns wissen Sie jetzt ja schon, dass die Radwegbeschilderung durchaus ihren Sinn hat und man sich im Zweifel besser auf sie verlässt.

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