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Allgäu

04.01.2019

Fast 41000 Allgäuer sind finanziell klamm

Nicht bei allen Allgäuern ist das Sparschwein gut gefüllt.
Bild: Peter Kneffel (dpa)

Im Allgäu können über sieben Prozent der Menschen ihre Rechnungen dauerhaft nicht bezahlen. Dieser Wert liegt aber noch weit unter dem bundesweiten Schnitt.

Wenn am Ende des Geldes regelmäßig noch so viel Monat übrig ist: Fast 41000 Allgäuer sind finanziell chronisch klamm und können ihre Rechnungen dauerhaft nicht bezahlen. Das entspricht bei gut 555000 Einwohnern über 18 Jahren im bayerischen Allgäu einer Quote von 7,38 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Nahezu jeder 14. Allgäuer ist mehr oder weniger pleite.

Der Wert von etwa 7,4 Prozent ist in der Region seit drei Jahren konstant. Zwar verzeichnet das Allgäu pro Jahr einen leichten Zuwachs an Menschen. Aber im gleichen Umfang nimmt auch die Zahl der Mittellosen zu. So führt die Statistik, die das Wirtschaftsauskünfte- und Inkasso-Unternehmen Creditreform erhoben hat, im Allgäu für das Jahr 2018 gerade mal 13 Überschuldete weniger als 2017 auf – ein minimaler Unterschied von 0,03 Prozent.

Auch viele Allgäuer haben Schulden

Schulden sind nicht gleich Schulden. Creditreform unterscheidet zwischen harter und weicher Überschuldung. Zur harten Variante zählen die Fälle, wenn Schuldner vor Gericht landen, gar in Haft müssen oder es eine Zwangsvollstreckung gibt. Die Definition der weichen Überschuldung ist laut Michael Bretz von Creditreform, wenn jemand von drei unterschiedlichen Gläubigern je drei Mahnungen nicht erfüllen kann.

Nur ein Bruchteil der Fälle wird gerichtsmassig. Beim Insolvenzgericht Kempten, das für die Landkreise Oberallgäu, Ostallgäu und Lindau sowie die kreisfreien Städte Kempten und Kaufbeuren zuständig ist, sind heuer bisher etwa 400 Neuverfahren wegen Privatinsolvenz eröffnet worden. Beim Insolvenzgericht Memmingen, das die kreisfreie Stadt Memmingen und das Unterallgäu abdeckt, liegen in diesem Jahr 155 solcher Fälle vor. Mit der Quote von 7,4 Prozent steht der Landstrich zwischen Bodensee und Lech, Memmingen und Oberstdorf aber weiterhin besser da als viele andere Regionen in der Bundesrepublik. Denn die Überschuldung von Privatpersonen über ganz Deutschland betrachtet ist seit 2014 zum fünften Mal in Folge angestiegen. Diese Quote liegt jetzt – Stichtag ist der 1. Oktober 2018 – bei 10,04 Prozent. Das bedeutet, dass 6,9 Millionen Bundesbürger über 18 Jahren nachhaltige Zahlungsprobleme haben.

Mindelheim gehört nicht zu den Spitzenreitern, was Verschuldung angeht

Die Verschuldungsquoten in den drei kreisfreien Städten Kempten, Kaufbeuren und Memmingen liegen jeweils bei über zehn Prozent. In dieser „Liga“ spielt nur noch Immenstadt mit. Negativer Spitzenreiter mit über elf Prozent ist nach wie vor der Kemptener Osten – ein Stadtteil, in dem viele Menschen mit geringem Einkommen leben.

Der Blick in die Statistik zeigt ein überraschendes Phänomen: In den Tourismushochburgen, wo viele Gutbetuchte wohnen, geht die Schere zwischen liquide und pleite stark auseinander. So beträgt die Schuldnerquote in Lindau 9,41 Prozent, in Füssen 9,31 und in Oberstaufen 8,55 Prozent. Und selbst der Spitzenferienort Oberstdorf rangiert mit 7,61 Prozent immer noch leicht über dem Allgäuer Durchschnitt.

Den Menschen in ländlichen Gegenden des Allgäu geht es schuldentechnisch besser

Sehr gut sieht es dagegen in ländlichen Gebieten aus, wo viele Menschen nicht in Miete, sondern in den eigenen vier Wänden leben und wo es wenige Arbeitslose gibt. Am untersten Platz der Allgäuer Schuldner-Skala steht Lauben im Unterallgäu mit einer Quote von 2,38 Prozent, gefolgt von Oberrieden (Unterallgäu) mit 2,48 Prozent und Lengenwang (Ostallgäu) mit 2,65 Prozent.

Zu den Gründen, die zu einer Überschuldung führen, zählt Creditreform in erster Linie Krankheiten, Scheidungen und Arbeitslosigkeit. Dass das Allgäu dennoch besser dasteht als fast der ganze Rest der Bundesrepublik liegt daran, dass es der Region durch die wirtschaftliche Vielfalt vergleichsweise gut geht. Die Allgäu GmbH weist regelmäßig darauf hin, dass die Region auf zahlreichen Beinen steht: Tourismus, Landwirtschaft, Industrie, Handel, Handwerk, Dienstleistungen. Da können Einbrüche in einzelnen Branchen leichter ausgeglichen werden als in Regionen mit einer geringeren Bandbreite.

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