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Ettringen

23.01.2020

Feuerwehr: „Atemschutz, das wär schon cool“

Eines Tages ein großes Einsatzfahrzeug führen: Wenn es nach Manuel Hanser geht, könnte er sich eine Ausbildung zum Maschinisten bei der Siebnacher Feuerwehr sehr gut vorstellen.
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Eines Tages ein großes Einsatzfahrzeug führen: Wenn es nach Manuel Hanser geht, könnte er sich eine Ausbildung zum Maschinisten bei der Siebnacher Feuerwehr sehr gut vorstellen.
Bild: Regine Pätz

Plus Erstmals trägt der 18-jährige Manuel Hanser die Feuerwehruniform der Aktiven. Ein Blick zurück mit Stolz - und Wehmut.

Konzentriert hält Manuel Hanser das Seil in seinen Händen, legt es dann nach einem bestimmten Schema übereinander und fädelt das Ende durch eine Schlaufe. Wenige Handgriffe sind nötig, doch die muss man kennen. Dann hält er das Ergebnis in die Luft. Pfahlstich nennt sich diese Verschlingung, die zum Repertoire eines jeden Feuerwehrmannes gehört. Aus dem Effeff muss sie sitzen, denn in der Regel bleibt wenig Zeit während eines Einsatzes für solche Handgriffe.

Danach löst Manuel Hanser den Knoten wieder, legt sich dann das Seil über die Schulter und fängt an, es sorgfältig zurück in den Leinensack zu schichten, in dem das Seil bei Nichtgebrauch ruht. Auch das sieht nach Routine aus, der junge Mann weiß genau, was er tut. Im Anschluss legt er das Säckchen an seinen angestammten Platz im Fahrzeug. Auch hier gilt Konzentration. Im Ernstfall müssen alle Hilfsmittel sofort parat sein; ein Fehler beim Aufräumen, das Suchen danach, würde wertvolle Zeit kosten.

Mit 14 Jahren begann der junge Feuerwehrmann in Siebnach

Gelernt hat Manuel Hanser das bei der Jugendfeuerwehr Siebnach. Bei Prüfungen hat er in diesem Bereich besonders gut abgeschnitten. Mit 14 Jahren trat er der Gruppe bei, hat mit seinen Mitstreitern den Grundkurs absolviert und viele Übungsgänge durchlaufen. Längst ist er in diese Gemeinschaft hinein gewachsen; vier Jahre gemeinsam - das prägt natürlich. Spaß gemacht hat es obendrein.

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Mitte November vergangenes Jahr ist Manuel 18 Jahre alt geworden. Jetzt heißt es Abschied nehmen von der Jugendgruppe, auch von seinem blauen Overall, an der Brust orange abgesetzt. Ab diesem Monat bekommt er einen Spind zwischen den Aktiven zugeteilt. Dort hängt dann sein eigener schwarzer Schutzanzug, im Fach darüber der obligatorische Helm mit Sichtschutz.

Es liegt schon ein wenig Ehrfurcht im Gesicht des jungen Siebnachers, als er seinen Blick über die Montur eines Kollegen gleiten lässt. Jetzt gilt es ihm, wenn der Piepser Signal gibt, jetzt muss er selbst so schnell wie möglich am Feuerwehrhaus erscheinen, wenn ein Ernstfall eintritt und die Sirene ertönt. Gedanken darüber hat sich Manuel Hanser schon gemacht. Denn auch an seinem Arbeitsplatz ist sein Ehrenamt präsent. Bis dato allerdings noch unter seinen älteren Arbeitskollegen.

„In meinem Betrieb kann man viele Mitarbeiter mit Piepser am Hosenbund herumlaufen sehen“, erzählt er. Da sein Arbeitgeber zu den größten der Region gehört, sind auch viele Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren des Umlandes dort beschäftigt. „Mein Arbeitgeber ist sehr offen dafür“, freut sich Manuel Hanser. Und offensichtlich auch auf mögliche Szenarien vorbereitet. „Die Dame am Empfang öffnet per Knopfdruck sofort das Tor, sobald Kollegen zum Einsatz müssen“, schildert er. Ganz unbürokratisch gehe das ab.

Der erste große Einsatz steht noch bevor

Gespannt auf seinen ersten großen Einsatz ist er auf jeden Fall, das gibt er gerne zu. Schon im Rahmen diverser Ausbildungseinheiten hat sich ihm gezeigt, was im Ernstfall auf ihn zukommen könnte. Gut erinnern kann sich Manuel Hanser an eine Übung unter Einsatz des Spreizers, eines hydraulischen Rettungsgeräts. Die Kraft dieses Spezialwerkzeugs haben Manuel und seine Nachwuchskollegen dabei mit aller Macht demonstriert bekommen. Der Kofferraum eines Fahrzeuges sollte damit geöffnet werden, was auch gelang. Aber buchstäblich unter Druck. „Den hat es ordentlich weggerissen“, lacht er.

Ebenso präsent wie diese Demonstration von Stärke und Wirkung sind für ihn Erinnerungen an seine Teilnahme im Rahmen der modularen Truppenausbildung. An diesem Tag durfte sich die Feuerwehrjugend in Schwabmünchen durch einen Atemschutz- und Rauch-Parcours hindurcharbeiten. Und so den rauen Alltag eines Atemschutzträgers hautnah erleben. Was es heißt, sich ohne Sicht, aber in voller Montur - und oftmals unter größter Hitzeeinwirkung - durch unbekanntes Terrain zu arbeiten, das ringt Manuel Hauser noch heute größten Respekt ab. Wenig verwunderlich für den angehenden Elektroniker für Automatisierungstechnik, dass er sich gerne in Sachen Atemschutz ausbilden lassen möchte. „Das wär schon richtig cool“, schwärmt er.

Eine aktive Fortsetzung seiner Feuerwehrlaufbahn ist für Manuel Hanser gesetzt, dazu haben nicht nur die spannenden und abwechslungsreichen Aufgabenfelder, die vielseitige Ausbildung und gemeinsame Großübungen beigetragen. Es ist vor allen Dingen wohl auch dem Zusammenhalt geschuldet, der Freundschaft zu den Kameradinnen und Kameraden. Wie eine große Familie fühle sich das manchmal an, was auch Jugendwartin Sabine Schmid bestätigen kann. Sie selbst kam zur Feuerwehr, weil auch Opa, Vater und Bruder aktiv waren oder sind. Für Manuel Hanser gehört es einfach zu seinem Verständnis von „Füreinander da sein“ dazu.

Viel Spaß hatten er und die Siebnacher Feuerwehrjugend im Rahmen von gemeinsamen Aktivitäten, etwa Hüttenfreizeiten in den Ammergauer Bergen. Auch andere Nachwuchs-Floriansjünger hat er so kennengelernt, hält Freundschaften beispielsweise zu Babenhausen, Bad Wörishofen oder Legau. Dank eines dreitägigen Zeltlagers inklusive Lagerolympiade sind sich die Mädels und Jungs aus unterschiedlichen Wehren vertraut. „Es macht einfach Spaß, mit anderen das Gleiche zu erleben“, sagt er. „Man kennt sich, trifft auch auf Großübungen zusammen und freut sich darauf.“

Eine besondere Feuertaufe, die steht Manuel Hanser allerdings noch bevor. Im Sommer wird er, wenn man so will, denn auch hochoffiziell bei den Aktiven aufgenommen. Dann wird er „getauft“, aus Steckleitern und Plane eigens ein Pool dafür errichtet. Auch darauf freut er sich schon heute. „Das wird super!“, ist er überzeugt. Ein weiteres großes Ziel, neben der Atemschutz-Ausbildung, hat er ebenfalls. „Maschinist werden, auch das fände ich großartig“, sagt er.

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