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Porträt

12.09.2019

Ihr großer Traum ist ein eigenes Museum

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5 Bilder
Alte Backformen und Nützliches aus dem Haushalt von anno dazumal in einem Lager von Elfriede Filary in Mindelheim. Alle vier Lager der Sammlerin sind randvoll mit Raritäten aus vergangenen Tagen.

Die Stockheimerin Elfriede Filary sammelt seit 40 Jahren Dinge, die für andere nichts mehr wert sind. Für angehende Schatzsucher hat sie einen heißen Tipp parat, ein Ort, den viele übersehen

Es begann vor 40 Jahren. Da fiel der Blick von Elfriede Filary auf eine Sammeltasse, die sie zur Kommunion geschenkt bekommen hatte. „Dann nahm das Schicksal seinen Lauf“, witzelt die schlanke 63-Jährige.

Der Sammelvirus hatte sie infiziert und auf Flohmärkten, bei Wohnungsauflösungen oder mit einem geschulten Blick in Hinterhöfe entdeckte Filary immer wieder schöne, skurrile, wertvolle Dinge, oder etwas, das sie zum Wegwerfen einfach zu schade fand. „Ich sehe in jedem Sammelstück die menschliche Kreativität, die dahintersteckt, den Materialwert und auch den Arbeitsaufwand um es herzustellen“, so Filary und dass sie diese Wertschätzung heute in unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft wichtig findet.

In den 40 Jahren hat sich einiges angesammelt und mittlerweile hat sie vier Lagerräume in verschiedenen Orten im Landkreis angemietet, eines davon in einem alten Jugendstilhaus in der Bahnhofstraße in Mindelheim. Räume sind teuer und dreiviertel ihres Gehaltes investiert die im Finanzamt beschäftigte Stockheimerin in Miete.

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Da bleibt nicht viel übrig, aber Elfriede Filary kauft schicke Klamotten immer Second-Hand und weiß auch sonst, wie man Geld spart. Entschädigt wird sie dann immer wieder durch die Freude an ihren Schätzen. Alte schwere geschnitzte Möbel, ausgebaute Holzsprossenfenster, Hauhaltsgeräte aller Art, etwa ein altes Waffeleisen, bei dem auf der Deckeloberfläche ein Rezept steht, Porzellan, oder die ältere Version genannt „Scherben“: antike Keramik, beige, glasiert.

Diese Sammlung ist sehr ungewöhnlich: Kannenwärmer oder Barttasse?

Sie hat eine ganze Sammlung Kaffeekannenwärmer oder eine Barttasse. Für Herren mit großen, gepflegten Schnurrbärten haben diese Tassen am inneren Tassenrand eine Auflage für den Bart und der Kaffee kann „bartschonend“ durch eine Öffnung geschlürft werden.

Kaffee kocht Filary nicht mit der Machine, sondern verwendet Melitta-Filter, Pulver rein und mit kochenden Wasser aufgießen. Sie hat noch eine alte Holzkiste für Andre Hofers Feigenkaffee und erzählt, dass ein würfelzuckergroßes Stück Feigenkaffee, in das Pulver von billigsten Bohnenkaffeesorten vor dem Aufgießen gemischt, ein hervorragendes Aroma zaubert.

Leider sei der Feigenkaffee heute aus dem Handel verschwunden. Eine andere Verpackungsdose wirbt für „Astmol Bronchial Cigaretten, angenehm im Gebrauch, schleimlösend“, das ist wohl der maximale Kontrast zu den Aufschriften der Zigartettenpackungen heutzutage. Die Sammlerin kann viele Geschichten erzählen, so sollten Besitzer von alten Nähmaschinen die Schubladen kontrollieren, gerade dort findet sich häufig noch Feldpost aus dem Krieg an die Freundin oder Frau der Soldaten.

Alte Nähmaschinengestelle eignen sich, wie Filary mit Handyfotos demonstriert, auch als Füße von Tischen, auf denen als Tischplatte eine alte Holztüre befestigt ist. „Ein Designmöbelstück, das gerade sehr gefragt ist“, wie Filary weiß. Viele Sammelstücke verschenkt sie auch, so Kleidung aus den 70er Jahren, die die Schaufensterpuppen im Miele-Museum tragen.

Mit dem Besitzer Christoph Reß ist sie befreundet, zwei Sammler von besonderen alten Dingen, die gut zusammenpassen. Ende nächsten Jahres geht Filary in Rente und ihr großer Traum ist es, dann all ihre Sammelstücke in einem Museum zu präsentieren. Dafür braucht sie Platz. Derzeit hofft sie auf Mietangebote zu geeigneten Objekten, um den Traum wahr werden zu lassen.

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