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Praktische Erfindung eines Mindelheimers 

06.07.2017

Kleiner Vulkan mit großer Wirkung

Gar nicht von Pappe ist der „Mokan“ von Martin Steber. Der Mindelheimer hat diesen speziellen Anzünder erfunden, der in Zukunft so manchen Grillabend erleichtern soll.
Bild: Melanie Lippl

Martin Steber hat einen Grillanzünder entwickelt, bei dem man nur einmal einen Docht anzünden muss. Der Weg von der Idee bis in den Laden war steiniger als erwartet

Grillen könnte so entspannt sein – wäre da nicht das lästige Anzünden. Grillkamine erfreuen sich steigender Beliebtheit, allerdings ist das Umkippen und Ausschütten des mit glühenden Kohlen gefüllten Metall-Kamins auch nicht Jedermanns Sache. Der Mindelheimer Martin Steber hat deshalb etwas Neues entwickelt und verspricht, dass das Grillen – beziehungsweise das Anzünden – mit seinem „Mokan“ kein Problem mehr ist. Anzünden, zuschauen, losgrillen, und das in Windeseile. „Mein persönlicher Rekord liegt bei zehn Minuten vom Anzünden bis zur fertigen Wurst“, sagt er.

Der lange Weg zur Wurst

Der Weg zur Wurst war jedoch alles andere als einfach. Er begann vor einiger Zeit und dank einer Mitbewohnerin aus Chile. Die zeigte dem gebürtigen Mindelheimer, der inzwischen in Bonn lebt, „ihre“ Methode, Grillkohle zum Glühen zu bringen – mithilfe zusammengerollten Zeitungspapiers und einer Weinflasche, um die das Papier gewickelt wird. „Seitdem habe ich den Grill nie mehr anders angezündet“, sagt Steber. Und er, der eigentlich aus dem Bereich Entwicklungszusammenarbeit und Friedensarbeit kommt, dachte sich: „Das ist so genial, da schaue ich, ob man ein Produkt daraus machen kann.“ Um sich mit vollem Einsatz dieser Aufgabe zu widmen, kündigte er seinen Job und gründete zusammen mit zwei anderen, die von der Idee ebenso begeistert waren, eine Firma.

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Es erging ihnen wie fast allen Gründern: Täglich standen sie vor neuen, ungeahnten Herausforderungen. Gemeinsam mit den beiden Ingenieuren tüftelte Martin Steber am Aussehen und Material des Grillkamins. Die drei schauten sich im Internet unzählige Origami-Videos an und übten sich in der japanischen Kunst des Papierfaltens. Irgendwann kam ihnen die Idee mit der Spirale aus Wellpappe, die sie mit einem Aufsteller kombinierten. „Ich war sehr überrascht, dass es doch nicht so einfach ist“, sagt Steber. „Auch wenn’s simpel aussieht.“

Immer neue Widerstände

Die Firmenchefs nahmen Kontakt mit Zulieferern auf – und stießen hier erneut auf Widerstände, vor allem technischer Art: Denn auf solche Kleinteile wie für den Anzünder nötig, sind die wenigsten Firmen, die Wellpappe zuschneiden, eingestellt. „Wir haben allein eineinhalb Monate gebraucht, um einen Anbieter für den Spiral-Zuschnitt zu finden“, erinnert sich der 35-Jährige. Als das Produkt soweit produzierbar war, galt es, den „Mokan“ in den Handel zu bringen. Und auch diese Aufgabe war schwieriger als erwartet, so Steber. „Wir mussten das Produkt immer wieder erklären und vorstellen.“ Er hätte nicht gedacht, wie wichtig die Kommunikation bei einer Unternehmungsgründung sei. Auch erfahrenen Grill-Experten haben sie ihren „Mokan“ gezeigt – und er kam offensichtlich gut an.

Der Name des Anzünders stammt übrigens vom damals zweijährigen Piet, dem Sohn von Stebers Freundin. Der war immer ganz begeistert von seinem Buch über die Vulkane, erklärt Steber, habe aber das Wort nicht aussprechen können und immer nur „Mokan“ gesagt. Und weil der papierne Grillanzünder ja fast wie ein kleiner Vulkan aussieht, vor allem, wenn die Kohle um ihn herum langsam zu glühen anfängt, dachte sich Steber: Das passt.

Schön ist er nicht gerade

Wenn es einem nicht auf den Schönheitspreis ankommt, ist der Aufbau des „Mokan“ binnen einer Minute erledigt: Die Spirale wird über den Aufsteller gestülpt und heruntergezogen. „Dann hat man den fertigen Schlot, den man nur noch am Docht anzünden muss“, erklärt Steber. Der Kamineffekt sorge erst dafür, dass das Papier brennt und dann die Kohlen, die man vorher um den Kamin drapiert hat. „Der Mokan ist viel mobiler als ein Grillkamin und man braucht auch keinen Grill-Anzünder“, betont Steber.

350 Grad und heißer wird die Konstruktion im Inneren, das haben er und die anderen schon einmal nachgemessen. Erst ist nichts zu sehen, weil sich die Hitze von unten her verteilt. Aber ungefähr nach einer Viertelstunde glühen die Kohlen. Vom Grillkamin ist nichts mehr übrig. Das ganze Produkt ist völlig chemiefrei, wie Steber betont. „Der Docht ist aus Baumwolle, der Kleber auf Basis von Weizenstärke.“ Das sei ihm und seinen Geschäftspartnern ebenso wichtig gewesen wie der Schwerpunkt des Unternehmens: Nachhaltigkeit. Die drei lassen ihr Produkt in Deutschland beziehungsweise der Region rund um Bonn fertigen. In einer gemeinnützigen Werkstatt verpacken psychisch kranke Menschen die kleinen Grillkamine und finden so wieder langsam zurück in einen geregelten Tagesablauf.

20000 Stück pro Monat

Der Nachteil: Durch diese Art der Produktion können maximal 20000 Stück im Monat erzeugt werden. Im Nachhinein ist Steber deshalb froh, dass es mit einem Investor, der sich für das Unternehmen interessiert hatte, nun doch nichts geworden ist – und auch nicht mit der bekannten TV-Sendung für Gründer, der „Höhle der Löwen“. So könne die Firma gesund wachsen, findet er, der wieder halbtags als Bildungsreferent arbeitet. Rund 20000 Grillkamine hat die Firma schon verkauft. Den „Mokan“ gibt es deutschlandweit in allen „Manufactum“-Läden, zudem testet Edeka in einzelnen Geschäften aus, wie sich der Mini-Vulkan verkauft. Im Unterallgäu gibt es Stebers Produkt – außer über den Online-Shop – noch nicht zu kaufen, aber es laufen Gespräche, sagt er.

Mittelfristig kann sich der 35-Jährige vorstellen, dass eine Maschine hilft, größere Mengen des „Mokans“ herzustellen. Langfristig würden er und seine beiden Kompagnons gern weitere Produkte entwickeln. Ideen hätten sie noch genug.

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