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04.10.2009

Musikalisches Labsal für verletzte Seelen

Bad Wörishofen (ah) - Das Konzert dauerte - auch wenn man schon die übliche Dauer der Konzerte von Justus Frantz mit seiner Philharmonie der Nationen vergleicht - lange, knapp zwei dreiviertel Stunden. Und das auch ohne Zugabe und mit Wegfall der "Vier See-Zwischenspiele" aus Peter Grimes von Benjamin Britten.

Trotzdem, es war begrüßenswert, dass das Hauptwerk des Abends, das allein 80 Minuten dauerte, ungekürzt dargeboten wurde: "Mein Vaterland"; ein sechsteiliger Zyklus sinfonischer Dichtungen von Bedrich Smetana (1824 - 1884). Es ist "das" musikalische Nationalepos des tschechischen Volkes geworden. Der Dirigent am Nationaltheater in Prag erzählt in sechs Poesie durchwobenen Bildern die ruhmreiche Geschichte Tschechiens. Da entstehen durch die musikalische Umsetzung der dramatischen Szenen (glanzvolle Blechbläser, dröhnende Pauken, vibrierende Tutti-Streicher beim abschließenden Hussitenchoral); abwechselnd mit subtilen perlenden Holzbläserschilderungen der Bäche, des Flusses; Einbezug von Volksliedmelodien und -tanzweisen (Polka) seelische Eindrücke, die für dieses, gerade durch die lange österreichische k.u.k.-Herrschaft unterdrückte Volk lebensnotwendig waren. Justus Frantz und seine Philharmonie spielten in diesem Sinne, emotional berührend im Bläserklang, brillant in den Streichern. Dass die Intonation in den Holzbläsern und Streichern gegen Ende nicht mehr ganz stimmte, war wegen der Länge des Werkes verständlich.

Justus Frantz suchte für seinen obligaten romantischen Solistenbeitrag das 2. Klavierkonzert in c-Moll, op. 18 von Sergej Rachmaninow (1873 - 1943) heraus und betraute damit die junge ukrainische Pianistin Kateryna Titova.

Jugendliche Meisterpianistin

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Sie ist beileibe keine Klavier-Titanin im Liszschen Sinne, sondern spielte die einleitenden Klavierarpeggien, die die leidenschaftliche erste Orchestermelodie umrahmen, weich, aber klar im Duktus mit sparsamem Pedaleinsatz und behält trotz aller Rubati (freie Tempogestaltung) ihr Grundmetrum bei. Das Orchester, das zuvor mit einer weich aufspielenden Querflöte und Klarinette das Thema vorstellte, sekundiert zurückhaltend ausgewogen.

Der Schlusssatz ("Allegro scherzando") von den Violinen zu Beginn spritzig interpretiert, beginnt mit einem pochenden Klaviersolo, das in Triolenfigurationen immer brillianter wird. Das gilt auch für das virtuose Finale, Titova kann ihre sparsam eingesetzten Kräfte hier im abschließenden dreifachen Forte der Akkorde voll ausspielen. Zu Recht großer Beifall für eine bescheiden auftretende Künstlerin und einen zufriedenen Maestro.

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