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Justiz

15.04.2019

Radfahrerin erschrickt und stürzt: Wer ist schuld?

Bei einem Sturz in Bad Wörishofen hat sich eine 80-Jährige erheblich verletzt.

Eine Autofahrerin übersieht beim Einfahren in den Kreisverkehr eine Fahrradfahrerin und muss sich jetzt für den Unfall verantworten

Über eine Skizze gebeugt versucht die Angeklagte, der Richterin zu erklären, warum sie nicht schuld sei und die Radfahrerin ein Handzeichen hätte geben müssen. „Das hat keinen Sinn“, unterbricht Richterin Barbara Roßdeutscher die Diskussion. Sie ist der Meinung, dass die Angeklagte mit ihrer Ansicht völlig falsch liegt.

Die 38-Jährige steht wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht. Im August 2018 war sie mit dem Auto auf der Kirchdorfer Straße in Bad Wörishofen unterwegs. Als die Angeklagte aus Richtung Kirchdorf kommend in den Kreisverkehr nahe der OMV–Tankstelle einfuhr, übersah sie eine Radfahrerin, die bereits im Kreisverkehr fuhr. Die über 80-jährige Frau erschrak durch das einfahrende Auto und fiel vom Rad. Zu einem direkten Kontakt zwischen Fahrrad und Auto kam es nicht. Trotzdem wurde das Vorderrad des Rades beschädigt. Durch den Stutz erlitt die Frau einen Oberschenkelhalsbruch und wurde noch am gleichen Tag im Krankenhaus operiert. Für 13 Tage musste sie dort bleiben und danach für etwa vier Wochen auf Reha. Zum Laufen benötigt sie jetzt immer noch eine Krücke und Tabletten gegen die Schmerzen. Vor Gericht sagt sie als Zeugin aus, kann sich allerdings nicht mehr besonders gut an den Vorfall erinnern. Die Richterin fragt: „Wer ist den ihrer Meinung nach Schuld an dem Unfall?“ Etwas zögerlich antwortet die Geschädigte: „Ich weiß es nicht, das ist schwierig. Aber ich bin der Meinung, dass ich nicht schuld bin.“

Für die Richterin ist der Fall relativ schnell geklärt: Die Angeklagte hätte besser aufpassen müssen und hat durch ihre Fahrlässigkeit den Unfall zu verantworten. Der Anwalt der 38-Jährigen weißt darauf hin, dass seine Mandantin Hausfrau sei und deshalb kein eigenes Einkommen zur Verfügung habe, um die Tagessätze zu begleichen. Nach einer Besprechung mit ihrem Anwalt nimmt die Angeklagte das Urteil an. Sie bekommt kein Fahrverbot, muss allerdings eine Strafe von 600 Euro bezahlen. (pod)

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15.04.2019

Ich habe ja schon oft an der deutschen Rechtsprechung gezweifelt, aber das nun. Wie soll sich denn da ein Autofahrer verhalten. Man kann ja nie verhindern, das ein Radfahrer erschrickt und stürzt. Dann lass ich mich in Zukunft vor jedem Autofahrer fallen und kassiere Schmerzensgeld.

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15.04.2019

Es ging darum, dass die Autofahrerin der Radfahrerin die Vorfahrt "genommen" hat. Dadurch hat sie einen Brems- / Ausweichmanöver der Radfahrerin verursacht, dass zu einem Unfall geführt hat. Dadurch hat sie einen Unfall verursacht.

Als Verkehrsteilnehmer einfach auf ALLE Verkehrsteilnehmer achten, versuchen Sicherheitsabstände einzuhalten. Dann kann man gar nicht abgezockt werden. Hat bisher bei mir ganz gut geklappt. ;-)

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