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Bad Wörishofen

16.06.2019

Statt Parkverbot mehr Rücksichtnahme

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3 Bilder
Die Schlingener Straße am südlichen Stadtrand von Bad Wörishofen.
Bild: Markus Heinrich

Plus Anwohner der Schlingener Straße klagen über Lärmbelastung und zu schnelles Fahren.

Gibt es an der Schlingener Straße ein Verkehrsproblem? Jüngst wurde im Bauausschuss des Stadtrates der Ruf nach einem Parkverbot laut. Bernhard Oberstaller vom Bauamt berichtete, dass sich regelmäßig Landwirte bei der Stadt über Behinderungen durch Autos beschweren, die auf der Fahrbahn parken – was auch erlaubt ist. Die Schlingener Straße ist auf Tempo 30 begrenzt – und Anwohner bewerten die Situation dort durchaus anders.

Nach Meinung von zwei Anwohnern, die jedoch anonym bleiben möchten, wäre der „rollende Interessenkonflikt“ mit mehr Rücksichtnahme der Durchfahrenden ziemlich einfach zu lösen. Denn wenn von allen Fahrzeugen das vorgeschriebene Tempo von 30 km/h eingehalten würde, wäre es kein erwähnenswerter Umstand, an kurzfristig haltenden oder parkenden Autos vorbei zu fahren, hieß es.

Der gleichen Meinung ist Piyush Sevadik. Der Ingenieur hat in seiner Firma unterschiedliche Arbeitszeiten wahrzunehmen. Er berichtet, wann immer er auch in sein Haus in der Schlingener Straße heimkäme, müsse er sich damit abfinden, dass die Ruhe, die er dann dringend nötig habe, erheblich gestört werde. „Ich fühle mich sehr belästigt, durch den extremen Lärm der oftmals durchrasenden Autos“, klagt er. Kaum jemand halte sich wirklich an das Tempolimit, und besonders krass sei der Lärmpegel, den die landwirtschaftlichen Fahrzeuge erzeugen würden. Für den „Hochbetrieb“ in der Erntezeit habe er Verständnis, doch sei auch dieser mit „angemessener Geschwindigkeit“ leichter hinzunehmen, sagt der Ingenieur.

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So oft wurde in der Schlingener Straße "geblitzt"

Fast identisch ist die Aussage von Heiko Diesing, der ebenfalls an der Schlingener Straße lebt. Das wahre Problem sei nicht in der Parksituation an der Schlingener Straße zu suchen, sondern an der häufigen Geschwindigkeitsüberschreitung, findet er. Auch Bad Wörishofens Polizeichef Thomas Maier berichtete jüngst, beim Infostand der Polizei habe sich eine Anwohnerin über zu viel Lärm durch landwirtschaftliche Fahrzeuge auf der Schlingener Straße beschwert und darüber, dass oft zu schnell gefahren werde. „Geschwindigkeit ist aber immer rein subjektiv“, sagt Maier. Heiko Diesing ist überzeugt: „Meines Erachtens würde es auf jeden Fall etwas bringen, wenn alle – unbedingt aber auch die Landwirte – sich an die vorgeschriebenen 30 km/h hielten.“ Ordnungsamtsleiter Jan Madsack nannte auf Nachfrage der Mindelheimer Zeitung Zahlen für die Schlingener Straße. Daraus geht hervor, dass sich der Großteil der Verkehrsteilnehmer an das Tempolimit hält. Im vergangenen Jahr gab es 27 dokumentierte Geschwindigkeitsüberschreitungen, bei 846 gemessenen Fahrzeugen. Das höchste Tempo war demnach 47 km/h.

Die meisten gemessenen Fahrzeuge gab es im Dezember (232), im Januar (173) und im Juni (138), die wenigsten im April (24), August (76) und September (77). Nicht kontrolliert wurde demnach im März, Mai, Juli, Oktober und November.

Bad Wörishofens Polizeichef lehnt Parkverbot ab

Im Bauausschuss gab es einige Befürworter eines Parkverbotes, etwa Baureferent Wilfried Schreiber (FW) oder Thomas Vögele (FW), der die Schlingener Straße als Umgehungsstraße bezeichnete. Es gebe „einen Interessenskonflikt mit der Landwirtschaft“, berichtete Bernhard Oberstaller vom Bauamt.

Parkende Fahrzeuge auf der Schlingener Straße würden den landwirtschaftlichen Verkehr beeinträchtigen. „Beschwerden werden in regelmäßigen Abständen bei der Stadt vorgetragen“, so Oberstaller.

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Landwirte sauer auf Dauerparker

Bad Wörishofens Polizeichef Thomas Maier wiederum lehnt ein Parkverbot rundheraus ab. „Ich bin dagegen“, sagte er auf Nachfrage der Mindelheimer Zeitung. „Das ist kontraproduktiv“, findet Thomas Maier. Mit einem Parkverbot sorge man dafür, dass höhere Geschwindigkeiten gefahren werden. „Parkende Autos hingegen begrenzen den Verkehr auf die Geschwindigkeit, die man eigentlich wollte.“ Es gebe mit der Schlingener Straße „kein großes Problem“, berichtet Maier. „Die normale Durchfahrtsbreite muss natürlich gegeben sein, aber die Schlingener Straße ist breit genug.“

Aufgekommen war das Thema, als es um die zwischenzeitlich genehmigte Erweiterung einer Therapieeinrichtung ging. Dort sollen, ohne bauliche Erweiterungen, bestehende Wohnungen zu Therapieräumen für Frühförderung werden. Die geforderten Parkplätze wurden nachgewiesen, zudem verhandeln die Betreiber unter Mithilfe der Stadt über eine weitere Fläche für Parkplätze. (mit m.he)

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