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Justiz

13.09.2019

Streit wegen Geschenk eskaliert am Heiligen Abend

Bild: Alexander Kaya

Eine Frau soll ihren Ex getreten haben. Doch vor Gericht gibt es Ungereimtheiten.

Zwischen einem geschiedenen Ehepaar kracht es schon seit geraumer Zeit. Der Mann und die Frau treffen sich immer wieder vor Gericht – dabei geht es unter anderem um das Umgangsrecht des Vaters mit dem gemeinsamen Kind. An Heiligabend vergangenen Jahres eskaliert die Situation: Der 40-Jährige fährt gemeinsam mit seiner neuen Freundin zum Wohnhaus seiner Ex-Partnerin im nördlichen Landkreis Unterallgäu, um seinem Sohn Geschenke vorbeizubringen. Als die heute 38-Jährige sich weigert, den Sohn herbeizuholen, kommt es an der Haustür zu einem Wortgefecht. Schließlich soll die Frau ihrem Ex-Mann laut Anklageschrift mit dem Fuß gegen den Oberschenkel getreten haben. Wegen des Vorwurfs der Körperverletzung und Beleidigung musste sie sich nun vor dem Amtsgericht Memmingen verantworten.

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Zu Beginn des Prozesses sprach Verteidigerin Petra Müller von einem „besonderen Fall mit einer relevanten Vorgeschichte“. Als die Rechtsanwältin diese schilderte, hatte die Angeklagte immer wieder mit Tränen zu kämpfen. In der Vergangenheit habe der heute 40-Jährige ihr massiv gedroht und ihr nachgestellt. Auch wegen des Umgangsrechts habe es Ärger gegeben. So auch wenige Tage vor Heiligabend: Damals wurde dem Mann von einer Richterin nahegelegt, seinem Sohn zu Weihnachten ein Paket und einen Brief zu schicken. Ein Ratschlag, an den er sich letztlich nicht hielt.

Die Unterallgäuerin handeltes "aus der Emotion heraus"

Die Angeklagte gab zwar zu, ihren Ex-Partner am frühen Abend des 24. Dezember „aus der Emotion heraus“ beschimpft zu haben – zugetreten habe sie allerdings nicht. Ihre Eltern, die sich ebenfalls in dem Haus befanden und den Vorfall als Augenzeugen miterlebten, bestätigten ihre Version. Ihre Tochter hätte das vermeintliche Opfer gar nicht tätlich angreifen können: Die mitgebrachten Geschenke hätten zwischen den beiden gestanden und der Abstand sei zu groß gewesen.

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Die Mutter rief schließlich die Polizei, denn die Situation sei bedrohlich gewesen: „Wir haben alle Angst vor ihm.“ Die Angeklagte erstattete daraufhin Anzeige gegen ihren Ex-Mann wegen Hausfriedensbruchs, die sie mittlerweile zurückgezogen hat. Erst Wochen nach der vermeintlichen Tat reagierte das angebliche Opfer mit einer Gegenanzeige: Er habe lange mit sich gehadert, auch wegen des jahrelang andauernden Umgangsstreits. Bei der vorsitzenden Richterin Kathrin Krempl stieß dies auf Unverständnis: Den herbeigerufenen Polizeibeamten hätte er den Vorfall auch sofort schildern können.

Zweifel an der Aussage des Mannes

Die Staatsanwältin hatte ebenfalls Zweifel an der Aussage des 40-Jährigen und wies ihn auf die Konsequenzen einer Falschaussage vor Gericht hin. Der Mann blieb jedoch bei seiner Version. Letztlich regte Verteidigerin Müller eine Einstellung des Verfahrens an, Staatsanwältin und Richterin stimmten zu. Aussage stehe gegen Aussage, sagte Krempl: „Ich hoffe, dass in diesem Fall nun Ruhe einkehrt.“

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