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Automobilgeschichte

30.04.2011

Trabi-Liebe in die Wiege gelegt

Benjamin Krieg ist Trabi-Fan. Die Liebe zu dem Kultfahrzeug wurde dem gebürtigen Sachsen praktisch in die Wiege gelegt. An seinem Auto bastelt der Kfz-Mechaniker mit großer Leidenschaft.
Bild: Foto: Bader

Vor 20 Jahren schloss die Trabant-Fabrik in Zwickau. Die Autos verschwinden von den deutschen Straßen. Im Unterallgäu rollt nur noch eine Handvoll „Plastik-Bomber“.

Er war das Auto der DDR schlechthin: der Trabant. Genau 3.051.485 Autos wurden produziert, bis die Trabi-Fabrik im sächsischen Zwickau heute vor 20 Jahren für immer schloss. Mit den Jahren seit der Wende sind die als „Plastik-Bomber“ geschmähten Fahrzeuge auch von den deutschen Straßen verschwunden. Im Landkreis Unterallgäu gibt es laut Landratsamt heute noch höchstens eine Handvoll zugelassener Trabis. Einer davon gehört Benjamin Krieg aus Bad Wörishofen.

Als die Trabi-Schmiede zumachte, war er erst acht Jahre alt. Doch die Liebe zu diesem Kultfahrzeug ist schon damals in ihm entbrannt. Der 28-Jährige ist in Sachsen aufgewachsen. Die Liebe zum Trabant wurde ihm also praktisch in die Wiege gelegt. „Meine Eltern fuhren damals natürlich auch einen Trabi und so war ich von Anfang an von diesem Virus infiziert“, erzählt er. Zwar gaben seine Eltern nach dem Umzug nach Berlin ihren Trabant ebenfalls weg und tauschten ihn gegen einen Golf. Doch als bei Benjamin Krieg der Autokauf anstand, erwarb er im Jahre 2008 einen gebrauchten Trabi aus dem Jahre 1989 und hegt und pflegt seitdem nicht nur das Auto, sondern auch die Marke. „Man identifiziert sich einfach damit und ist etwas Besonderes. Ich komme aus dem Trabi-Land, und das zeige ich auch gerne“, sagt er. Inzwischen besitzt Benjamin, der sich als gelernter Kfz-Mechaniker natürlich mit Autos auskennt, sogar zwei Trabis, einen hellblauen und seinen ursprünglichen in Papyrusweiß, der derzeit allerdings in seine Bestandteile zerlegt ist und den der Bastler in nächster Zeit wieder in einen Top-Zustand bringen will.

Er selbst bewies, dass man mit dem Trabi durchaus auch lange Strecken zurücklegen kann und er ein vollwertiges Auto ist. Mit den ersten Fahrten seiner Neuerwerbung legte er nämlich die Strecke von Berlin nach Bad Wörishofen gleich dreimal zurück.

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„In Bad Wörishofen war mein Trabi mein ganz normales Alltagsauto, mit dem ich auch nach Marktoberdorf zur Arbeit fuhr. Natürlich musste er gehegt und gepflegt werden und kleinere Reparaturen konnte ich selbst erledigen. Aber stehen geblieben, dass ich abgeschleppt werden musste, ist er nur einmal und das kommt ja bei anderen älteren Fahrzeugen auch vor“, preist Benjamin sein Auto. Derzeit steht allerdings die Generalüberholung an, sodass er auseinandergenommen in einem Schuppen im Amberg sein Zuhause hat. In dieser Zeit fährt Benjamin nun einen Ford Focus.

Die Reaktionen anderer, wenn er mit seinem Trabi vorfuhr, so Krieg, waren jedoch immer positiv. „Er ist halt immer ein Hingucker, weil er jetzt nur noch selten vorkommt. Die Leute fanden das lustig und freuten sich, das Relikt aus einer anderen Zeit wieder einmal zu sehen. Dazu musste ich oft viel erklären, weil viele den Trabi noch nie im Original gesehen hatten.“

Auch auf die Frage, wie es gelingt, Ersatzteile zu bekommen, hat Benjamin eine Antwort: „Das ist gar kein Problem. Im Internet kann man die immer noch bestellen. Außerdem werden sie in Werken in Tschechien und Ungarn nach wie vor hergestellt, denn dort sind noch viele Autos der Marke unterwegs.“ Außerdem gebe es viele „Clubs der Trabifahrer“, die die Erinnerung an das Auto am Leben erhalten. „Liebhaber davon sind übrigens weltweit zu finden, einige sogar in Amerika“, weiß Benjamin zu berichten. „Auch in Landsberg gibt es einen Trabiclub, die im Osten natürlich häufiger vorkommen als im Süden Deutschlands“.

Dass er ein Fan von alten Autos insgesamt ist, spürt man im Gespräch zu jeder Zeit: „ Ich meine einfach, dass alte Autos, speziell natürlich der Trabi, erhalten bleiben müssen. Dies schon alleine aus der Historie heraus.“ So ist es nur verständlich, dass es für Benjamin Krieg derzeit ein vorrangiges Freizeitziel gibt: „Bei meinem Trabi wird jetzt noch der Motor überholt. Dann wird die Karosserie, bei der der Rahmen und wichtige Teile übrigens durchaus aus Stahlblech bestehen, überarbeitet und schließlich wird er wieder neu lackiert.“ Eine Menge Arbeit also, die noch auf den jungen Trabi-Fahrer wartet. „Mir macht das einfach Spaß“, sagt er dazu. Den typischen Trabi-Sound hat er ebenfalls lieb gewonnen. „Zwar klingt er bei der Fahrt schon etwas laut, aber ich halte das für ein schönes Geräusch, das der Fachmann schon von weitem als Trabi erkennt.“

Demnächst soll „mein Trabi wieder dastehen wie nagelneu vom Fließband“, hat sich der Hobbybastler zu seinem Nahziel gesetzt. Vielleicht dann so, wie der letzte ausgesehen hat, als er vor 20 Jahren das Werk in Zwickau verließ.

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