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Schule

18.04.2019

Von der Schüler-AG zur Großküche

„Man kann den Kindern ja nicht nur Grünzeug vor die Nase setzen“In „Alberts Bistro“ in der Albert-Schweitzer-Grund- und Mittelschule in Ettringen steht die gesunde und ausgewogene Ernährung im Mittelpunkt. Ein neuer Ofen hilft dem Team dabei, den wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden. Auf dem Foto (hinten, von links): David Balog, Klaudia Kornes, Janina Eberhart und Daniela Marz. Vorne: Leonhard Strübel, Vincent Marz, Enya Tiersch und Gillian Restle.
Bild: Melanie Springer-Restle

In „Alberts Bistro“ in der Ettringer Albert-Schweitzer-Schule dürfen die Schüler mitbestimmen

Da steht er: quadratisch, praktisch, gut und fast jungfräulich – der Ferrari unter den Küchenöfen. Der neue Ofen ist ein Quantensprung für das Bistro der Albert-Schweitzer Grund- und Mittelschule, deren alte Küche wegen der stetig zunehmenden Zahl hungriger Mäuler regelmäßig an die Grenzen ihrer Kapazität kam.

An vier Wochentagen bereitet ein Koch-Team das Mittagessen für Kinder und Lehrer zu. Die Freude über den hocheffizienten Küchengehilfen, der schon länger auf dem Wunschzettel aller Beteiligten stand, ist groß. Was 2004 als Schüler-AG begann, hat sich sehr schnell zu einer Institution entwickelt, die an der Schule keiner mehr missen möchte, berichtet Fachlehrerin Klaudia Kornes.

Sie hat später die Leitung übernommen. Einen Teil ihres Stundenkontingents verbringt sie im Bistro, um gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern ein warmes Mittagessen auf den Tisch zu zaubern, das auch die Lehrer toll finden. Mittlerweile ist die „Alberts Bistro AG“ ein fester Bestandteil der Ganztagsschule.

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Kommt man um 11 Uhr ins Bistro, herrscht bereits rege Betriebsamkeit. Es klappert und scheppert und die ersten Gerüche bahnen sich bereits ihren Weg durch den langen Flur. An manchen Tagen sind es bis zu 60 Kinder und Lehrer, die versorgt werden. Das Koch-Team besteht derzeit aus den Fachlehrerinnen Klaudia Kornes und Andrea Klostermeier sowie aus Janina Eberhart und Daniela Marz aus Ettringen.

Letztere koordiniert Speise- und Einkaufspläne und hat den Überblick. Doch die stetig steigende Zahl der Esser verlangte der lebenstüchtigen Mutter zweier Kinder und ausgebildeten Hauswirtschafterin reichlich Improvisationsgeschick ab. Anfangs nahm sie noch ihre eigenen Küchengeräte von zuhause mit. Die Gemeinde Ettringen erkannte die Not und zeigte sich großzügig: Kämmerer Karl-Heinz Müller bewilligte dem Küchenpersonal professionelles Werkzeug und einen Hochleistungsofen.

Fast wie ein Denkmal steht er nun seit vier Wochen an prominenter Stelle im Bistro. Auf die Frage, ob es denn Anlaufschwierigkeiten bei der Bedienung des Ofens gab, musste Daniela Marz lachen. „Toi, toi, toi, bisher lief alles nach Plan“ sagte die fröhliche Ettringerin.

Was das Konzept des schulischen Mittagstisches auszeichnet, ist die Ganzheitlichkeit. Gemüse, Kräuter und Obst kommen vom Biohof Scharnagl aus dem benachbarten Siebnach. Die Koch-Feen achten darauf, dass das Essen möglichst regional und saisonal ist. Auch die Schülerinnen und Schüler sind in den Prozess eingebunden.

So gibt es Einkaufsteams und Küchenhelfer. Jedes Kind wurde lebensmittelrechtlich belehrt und hat fixe Tage, an denen es hilft. Befragt man die künftigen Rentenzahler, erzählen sie mit leuchtenden Augen, was sie schon alles können.

Die Kinder schon in jungen Jahren in Auswahl und Zubereitung des Essens einzubinden, fördert nicht nur den bewussten Umgang mit Lebensmitteln, sondern lässt sie auch früh ein Gefühl von Selbstwirksamkeit erfahren. Auch beim Speiseplan haben die Schüler ein Mitbestimmungsrecht. Einer der jungen Helfer, hat sich neulich Schweinebraten mit Knödeln und Blaukraut gewünscht. Natürlich gibt es auch mal Pommes oder exotischere Lieblingsgerichte wie Cevapcici.

Neulich wagte des Kochteam ein Experiment: Es gab Döner. „Man kann den Kindern ja nicht nur Grünzeug vor die Nase setzen“, sagt Daniela Marz realistisch. Apropos Grünzeug: Zu jeder Hauptmahlzeit wird ein kleiner Salat oder Rohkost gereicht, was von den Schülern gut angenommen wird. Auch ein Nachtisch gehört zum Menü.

So manche Ettringer Mutter staunte nicht schlecht, was die Junioren in Alberts Bistro schon gelernt haben, das dann auch zuhause ausprobiert werden will. Die Befürchtung, dass die eigene Küche dann aussieht, als hätte eine Bombe eingeschlagen, brauchen die Mütter zum Glück nicht haben, denn zumindest in Alberts Bistro steht nach dem Essen das gemeinsame Aufräumen auf der Tagesordnung.

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