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Bad Wörishofen

03.12.2014

Warum manche Äpfel gesünder sind als andere

Im Gasthof Adler in Bad Wörishofen hat Pomologe Anton Klaus einige seiner 465 Apfelsorten zur Verkostung ausgebreitet.
Bild: Maria Schmid

Anton Klaus hat 465 Sorten im Garten. Er weiß auch, warum man beim Baumkauf besser ganz genau hinschaut

Mitten in der Erkältungssaison ist diese Frage besonders interessant: Stimmt die Behauptung, dass ein Apfel am Tag den Arzt ersetzt? Pomologe Anton Klaus aus Oberneufnach könnte mit seiner Sammlung auf jeden Fall dafür sorgen, dass man täglich eine andere Apfelsorte probieren könnte – und nach einem Jahr noch lange nicht fertig wäre. Auf Einladung des Obst- und Gartenbauvereins Bad Wörishofen hatte Klaus in den Gasthof Adler einige seiner 465 Apfelsorten zur Verkostung mitgebracht. Sie wachsen an 175 Bäumen, dazu noch 135 Sorten Birnen.

Schon beim Betreten des Gasthofes verströmten diese Äpfel, fein säuberlich aufgereiht, einen paradiesisch verführerischen Duft, einen Duft, den es beim Kauf im Supermarkt nicht gibt, nicht geben kann. Diese Äpfel haben durch die vielen Spritzungen mit Pestiziden und einer zu kalter Lagerung ihr „Leben“ eingebüßt, sagte Klaus. Da sei es gleich, ob die Äpfel vom Bodensee, aus Südtirol oder dem Alten Land kämen. Davon betroffen seien vor allem auch Äpfel aus Amerika, China oder Neuseeland.

Die Verbraucher säen nur die Schönheit, die Makellosigkeit, die glatten Schalen ohne Schorf, die kräftigen Farben, das knackige Fruchtfleisch. Die alten Sorten dagegen seien meist weicher im Fruchtfleisch und an einzelnen Stellen mit Schorf behaftet. Das sei ganz natürlich. Diese Äpfel enthielten dafür das lebenswichtige Flavonoid Quercetin. Amerikanische Wissenschaftler bestätigen das. Das Flavonoid Quercetin kann Krankheiten bei Menschen vorbeugen, die täglich Äpfel essen. Zahlreiche Studien belegen, „dass Äpfel wirklich Lungen-, Prostata-, Darm- und Leberkrebs vorbeugen können, wenn sie regelmäßig auf den Tisch kommen“, sagt Edgar Muthmann von der Gesellschaft für Ernährungsheilkunde in Sinsheim. Allerdings solle man auf Bioware zurückgreifen. Außerdem senken Äpfel den Blutdruck und Cholesterinspiegel.

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Doch ein Apfel am Tag reiche nicht aus, so Anton Klaus, es sollten schon drei Äpfel sein, die am besten zwischen den Mahlzeiten, wegen der Gärung nicht am Abend gegessen werden sollten. Er selbst isst am Tag bis zu zehn Äpfel. Sonst kann er die Vielfalt seines Anbaus nicht genießen, prüfen und einschätzen.

Einige der Gäste brachten Äpfel mit, die Klaus betrachtete, sie aufschnitt, daran roch, ein kleines Stück abschnitt und kostete. So bestimmte er die Apfelsorten. Mitgebracht hatte er historische, alte und einige neue Sorten. Historisch und alt seien die Sorten, die vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden, nach dem Krieg seien die Neuzüchtungen durch Kreuzungen hinzugekommen. Die alten Sorten tragen stolze Namen wie „Schöner aus Nordhausen“ (Jahrgang 1892), „Purpurnella“, „Sonnenwirtsapfel“, „Geheimrat Dr. Oldenburg“ (1897) oder „Josef Musch“ (1872). Die älteste deutsche Apfelsorte ist der „Edelborsdorfer“. Sie ist seit dem elften Jahrhundert als Sorte bekannt und wird inzwischen wieder vermehrt. Der „Schöne aus Boskoop“ (Holland, 1856) sei eine robuste, gegen Feuerbrand resistente, beliebte Sorte, die es in grün und rot gibt. Heute trügen die Äpfel Namen wie „Granny Smith“, „Pink Lady“, „Braeburn“, „Elstar“, „Gala“ oder „Fuji“, um nur einige zu nennen. Diese Sorten können für Apfelallergiker gefährlich werden. Das fasst der Pomologenverband Bund-Lemgo in Listen zusammen. Menschen, die nach einem Apfelgenuss mit Problemen wie Schwierigkeiten beim Atmen oder Bläschen im Mundraum zu kämpfen haben, melden sich dort. Die Listen können im Internet abgerufen werden unter www.bund-lemgo.de/apfelallergie.html. Werden diese Äpfel jedoch gekocht, gebacken, gebraten gegessen oder als Saft getrunken, gebe es keine Gefahr, da die Allergie hervorrufenden Substanzen durch die Erhitzung vernichtet würden.

Wer sich alte Apfelsorten in den Garten pflanzen will, sollte genau hinschauen, riet Klaus. Die jungen Bäume seien leider zum größten Teil falsch etikettiert. Das könne selbst guten Baumschulen passieren, berichtete er. Das Ergebnis zeige sich halt erst, wenn nach vier bis sechs Jahren die ersten Früchte geerntet werden könnten. Er empfahl, die bestellte Sorte solle auf der Rechnung stehen und für den Fall einer Beschwerde das Etikett aufbewahrt werden. Zu kaufen gebe es mittlerweile wieder Sorten wie den „Berlepsch“ oder „Freiherr von Berlepsch“ (Düsseldorf, 1880). Der dürfe jedoch nicht zu nass stehen, gehöre zu den Riesling-Äpfeln mit einem sehr hohen Vitamin-C-Gehalt. Reif ist er von Ende September bis Mitte Oktober, sei leicht säuerlich. Zu empfehlen sei auch die „Goldparmäne“ (Normandie, 1880) mit ganz eigenem Aroma, einem nussartigen Geschmack. Leider würden die Äpfel durch den Klimawandel nicht mehr so lange halten, sagt Klaus. Es fehlten die alten Ziegelkeller, in dem ausnahmslos nur Äpfel lagerten.

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