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Pfuhl

13.07.2019

Amüsante Beziehungsgeschichten bei der neuen Ausstellung in der Kunstzone

Humorige Zeichnungen des Allgäuer Künstlers Jürgen Weing sind derzeit in der Pfuhler Kunstzone zu sehen. Wer genau hinschau, entdeckt Amüsantes.

Auf den ersten Blick meint der Betrachter, ein Mann gehe mit zwei Frauen spazieren, an jeder Hand führt er ein weibliches Wesen. Wer das kleinformatige Werk des Allgäuer Künstlers Jürgen Weing genau anschaut, entdeckt die Details der mit wenigen Strichen gezeichneten Figuren: Nein, die rechte Hand des Mannes hält offenbar die Hand seiner Partnerin, seine linke greift gerade noch ein wenig zögernd nach der Hand der anderen Frau. Die Augen der Partnerin sind punktgenau auf diese Irrwege gehende Hand gerichtet, während sich die Augen des Mannes und der anderen Frau anzuschmachten scheinen. Weings „Spitzenbilder“ – gezeichnet mit schwarzer Tusche und die Figuren bekleidet mit Stoff, Dessous-Spitze und Kunstfell – sind derzeit unter dem Titel „Summertime“ in der Pfuhler Galerie Kunstzone von Stefan Kümmritz und Michaela Schafft zu sehen. Wer sich Zeit zum Hinschauen nimmt, entdeckt Amüsantes.

Nein, man möchte diese Frauen auf den Bildern nicht unbedingt zu Freundinnen haben – und die Männer genauso wenig zu Partnern: Weing legt den Schwerpunkt seiner Arbeiten auf die Augen der Menschen, und diese verraten viel über die Emotionen, die er in den Figuren ausdrückt. Der Neid, die Konkurrenz und die Beutejagd blicken den Betrachter – witzig dargestellt – aus den Augenwinkeln der stark reduzierten Strichmännchen und -frauen an. Wie bei jener Frau im Café, die an einem Tischchen mit rosa Spitzentischtuch sitzt und das, was in ihrer Tasse ist, keines Blickes würdigt. Folgt der Betrachter dem Blick der Sitzenden mit dem rosa Spitzenhütchen, merkt er: Jemand muss in diesem Moment in den Raum treten und dieser für sie interessanten Person folgen die Augen der Frau.

Ausstellung "Summertime" in der Kunstzone Pfuhl zeigt Werke von Jürgen Weing

Weing zeichnet Beziehungsgeschichten und er gibt seinen Strichfiguren eine Körpersprache, die der Betrachter versteht. Beziehung kann auch zum Tier sein: Auf vielen der Zeichnungen finden sich Hund und Katze, manchmal mehrere Tiere, die meist in Augenkontakt zu Herrchen oder Frauchen sind. Und weil Gruppen interagieren, sitzen bisweilen an Tischen bis zu 16 der Figuren, deren jeweilige Beziehungen herauszufinden man beim Betrachten der Bilder Lust bekommt. Oft haben die Figuren Accessoires bei sich – das fast unverzichtbare Damen-Handtäschchen, das Likörchen oder der Herr sein Rotweinglas und die Zigarette. Ein Faible scheint Weing auch für Fahrräder zu haben, deren Fahrerinnen allerdings gern Kleidung tragen, die zum Radfahren gerade weniger geeignet ist.

Amüsante Beziehungsgeschichten bei der neuen Ausstellung in der Kunstzone

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Die kleinformatigen Bilder Weings, der vor zwei Jahren auch beim „Kunstschimmer“ in der Donauhalle ausstellte, sind collagenartig aus Strichen und Textilteilen zusammengesetzt, die großformatigen Drucke sind ebenfalls Unikate, denn der 58-jährige Künstler stellt auch von den Drucken nur einen einzigen her, den er von der gezeichneten Textilcollage abnimmt.

Die Ausstellung „Summertime“ mit Jürgen Weings Arbeiten sind noch bis Samstag, 27. Juli, zu den Öffnungszeiten der Kunstzone in Pfuhl zu sehen. Sie ist geöffnet mittwochs von 17 bis 20 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei. (köd)

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