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Beuren

03.11.2017

Auf Abenteuersuche in Nepal

Siegfried und Gabriele Hupfauer sind passionierte Bergsteiger. Gemeinsam erklomm das Ehepaar aus Beuren unter anderem drei Achttausender. In einem Fotobuch hat Gabriele Hupfauer ihre Erinnerungen an ein Kinderhaus festgehalten.
Bild: Alexander Kaya

Gabriele Hupfauer entschied sich mit 70 Jahren, nach einer Trekkingtour in einem Kinderhaus auszuhelfen. Welche Erfahrungen die passionierte Bergsteigerin aus Beuren dort machte

Gabriele Hupfauer hat schon viele Gipfel erreicht: Broad Peak, Gaserbrum II und Cho Oyu heißen die Achttausender, die sie mit ihrem Mann, dem Mount-Everest-Bezwinger Siegfried Hupfauer, bestiegen hat. Doch dieses Jahr suchte die 70-Jährige aus Beuren eine neue Herausforderung: Sechs Wochen lang hat sie in einem nepalesischen Kinderhaus mitgeholfen.

Bereits über 20 Mal besuchte Gabriele Hupfauer das asiatische Land, das vor zweieinhalb Jahren von einem schweren Erdbeben getroffen wurde. „Ich habe so viele glückliche Stunden in dem Land erlebt – da wollte ich was zurückgeben“, sagt die 70-Jährige über ihre Motivation. Durch Zufall stieß sie auf die Anzeige, mit der ein deutscher Nepalverein einen freiwilligen Mitarbeiter suchte. Einsatzort: Dhapakel, rund 15 Kilometer von der Metropole Kathmandu entfernt. „Zuerst dachte ich mir, das ist nichts für eine ältere Dame “, erinnert sich die passionierte Bergsteigerin. Die Organisation überzeugte die 70-Jährige, dass sie die Richtige für diese Aufgabe ist.

„Am Anfang war ich schon aufgeregt“, erinnert sich Gabriele Hupfauer. Doch bevor die Beurerin ihre freiwillige Arbeit in dem Kinderhaus leistete, begleitete sie ihren Ehemann auf eine Trekkingtour von Nepal nach Tibet. Siegfried Hupfauer leitete die Wanderung. Der Höhepunkt der Reise: die Umrundung des Kailash im Südwesten von Tibet. Der Berg gilt für Buddhisten und Hindus als heilig. Drei Wochen war das Ehepaar gemeinsam mit sechs Bergsteigern aus Deutschland unterwegs. Sie überschritten Pässe auf fast 6000 Metern Höhe und besichtigten buddhistische Klöster.

Nach dem Ende dieser Tour flog Siegfried Hupfauer nach Deutschland zurück – für Gabriele Hupfauer begann aber erst das richtige Abenteuer: Vom 4. September bis 16. Oktober unterstützte sie das Kinderhaus in der Nähe von Kathmandu. Die anfängliche Aufregung der 70-Jährigen verflog schon bald. Denn die zehn nepalesischen Kinder, die in dem Heim wohnten, schlossen ihre „German Oma“ – wie sie sie liebevoll nannten – schnell ins Herz. Manche der Kinder waren Waisen, andere wiederum kamen aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Geleitet wird das Kinderhaus von einer Nepalesin. Monatlich bekommt die Frau 660 Euro von einer deutschen Organisation, um die zehn Buben und Mädchen im Alter von acht bis 16 Jahren über die Runden zu bringen. Davon muss Miete für das Haus, Wasser und Strom bezahlt werden. „Da bleibt für Essen nicht mehr so viel“, erzählt Gabriele Hupfauer. Der Speiseplan war daher einfach: Morgens, mittags und abends gab es Reis. Manchmal mit einem Löffel Gemüse. Obst erhalten die Heimbewohner so gut wie nie. „Einmal hatten wir einen Apfel – den mussten wir unter den zehn Kindern aufteilen“, erinnert sich die Beurerin.

Waschen, Putzen und Kochen – das mussten die Kinder selber. Warmes Wasser gab es ebenfalls nicht. Ihre Hausaufgaben mussten sie auf dem kalten Fußboden erledigen. Doch trotz allem: Die Kinder waren zufrieden – und vor allem waren sie dankbar. „Jedes Mal, wenn ich zu Bett gegangen bin, haben sie mir die Hand gegeben“, erzählt Gabriele Hupfauer.

Doch auch wenn die Kinder sie „German Oma“ nannten, so beliefen sich ihre Aufgaben nicht allein im Erzählen von Geschichten und dem gemeinsamen Spielen. Die 70-Jährige hat ihre Nähmaschine aus Deutschland mitgebracht und flickte die vielen Löcher und offenen Nähte der Kinderkleidung. Sie sammelte Spendengelder und ließ einen Tisch und drei Bänke für die Kinder anfertigen. „Dann müssen sie ihre Hausaufgaben nicht mehr am Boden machen“, sagt die Beurerin. Zudem konnte sie den Kindern ein paar Tischsitten beibringen. Gemeinsam zusammenzusitzen bis jeder aufgegessen hat, das war keine Selbstverständlichkeit, bevor die Bergsteigerin in das Kinderhaus kam.

Doch nicht nur die zehn Buben und Mädchen konnten von Gabriele Hupfauer lernen. Auch die 70-Jährige nahm aus den sechswöchigen Aufenthalt in dem Heim etwas mit. Trotz der widrigen Zustände, unter denen die Acht- bis 16-Jährigen leben, strahlten sie immer Dankbarkeit und Zufriedenheit aus. Viele Menschen in Deutschland würden das nicht schätzen, ist die Bergsteigerin überzeugt: „Ich bin enttäuscht von der Unzufriedenheit hier – denn hier geht es uns wie Königs.“

Von ihren Erfahrungen in Nepal hat Gabriele Hupfauer vor einigen Tagen auch bei einem Vortrag in Beuren berichtet. Der Erlös daraus kommt der Einrichtung zu Gute.

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