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Ulm

20.06.2017

Bös’, böser – Rebers: Kabarettist Andreas Rebers im Ulmer Zelt

Mit erhellender Schwarzmalerei und heiligem Zorn setzt sich Andreas Rebers gegen religiöse Dogmen, Doofheit und politische Manipulation zur Wehr.
Bild: Florian L. Arnold

Der Kabarettist Andreas Rebers aus Niedersachsen schont bei seinem Auftritt im Ulmer Zelt nichts und niemanden - und liefert eine Glanzleistung ab.

Kabarett wie eine gut geschliffene Klinge. Wo „Reverend Rebers“ auftritt, gerinnt die Milch der frommen Denkungsart schon mal. Aber wem wenn nicht Andreas Rebers gesteht man zu, mit einer so geistreich austarierten Mischung von Analyse, Satire und Zynismus ein kabarettistisches Abbild unserer Zeit auf die Bühne zu bringen?

Politische Unkorrektheiten im Sekundentakt, unbequeme und unverblümte An- und Einsichten – wer zu Rebers kommt, kommt deshalb. „Amen“ ist der Abschluss seiner „Religions“-Trilogie, in der er selbst als „Reverend“ auftritt, aus dem schlesischen „Boblowitz“ stammt und als Mitbegründer der Allewelt-Religion „Bitokken“ die Menschheit bekehren will – vor allem seine nervige Nachbarin Frau Sichel, in der sich das von Rebers so genüsslich zerlegte „Empörungsdienstleistertum“ kristallisiert. Die alleinerziehende Mama eines verdorbenen Kindes geht dem „Reverend“ mit ihrem Weltverbesserungsfimmel gehörig auf den Nerv, entsprechend fährt er die militante Radfahrerin dann auch mal über den Haufen: „Ich will ja helfen“, ätzt der Reverend.

„Amen“ ist als Fortsetzung und gelegentliches Zweitverwerten früherer Kabarettprogramme keine Schonpackung für Zartgeistige. Inhaltlich ist Rebers noch mal um einiges böser geworden – und wer den Abend verfolgt und seinen manchmal gar nicht satirisch gemeinten Äußerungen aufmerksam folgt, sieht da den Zorn eines Demokraten, der sich die autokratischen Willkürpolitiker wie Trump und Erdogan mit Widerwillen, ja Entsetzen anschaut. Entsprechend haben diese Gestalten von Rebers nichts Nettes zu erwarten, wie auch. „Erdolf“, die Mischung aus Adolf und Erdogan, eröffnet den Abend mit einem harten „Guten Abend, ihr Nazis!“ im Verbund mit einem ebenso rasiermesserscharfen wie brillant analysierenden Rundumschlag gegen Dogmatiker, Islamisten und Diktatoren. Später zieht er gegen das „Deutschelnde“ zu Felde, gegen die moralische Selbstzufriedenheit der Willkommenskultur-Menschen wie auch alle ewig politisch Korrekten, bei denen aus Flüchtlingen „Neubürger“ und aus Zigeunern „Rotations-Europäer“ werden. Auf dem Kieker hat Rebers alles, was übertreibt, angibt, täuscht und blendet. Der kabarettistische „Gottesdienst“ hat Biss und schont nichts und niemanden. Ob man es hören will, oder nicht, das spielt für einen Rebers keine Rolle. Die Meinungsfreiheit ist oberstes Gebot und zündet, neben urkomischen Liedern im 3/4-Schunkeltakt, jede Menge Salven von Pointen, die zwischen Übertreibung und zutreffender Analyse der Dinge hervorragend unterhalten. Dass nicht jede Pointe neu ist und manches auch recycelt wurde – wen stört’s? Im Zelt lieferte der Bitokken-Reverend eine Glanzleistung ab.

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