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Ulm

01.09.2016

Café Beirut: Drei Monate Kunst und Begegnung

Entspannte Atmosphäre: Das „Café Beirut“ war in den vergangenen Wochen ein beliebter Treffpunkt.
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Entspannte Atmosphäre: Das „Café Beirut“ war in den vergangenen Wochen ein beliebter Treffpunkt.
Bild: Kathrin Häckert

Am Freitag schließt der temporäre Ausstellungsraum in der Gideon-Bacher-Straße mit einer Party. Was die Organisatoren erlebten – und was von der Zeit bleibt.

Drei Monate Kunst, drei Monate Diskussionen und vor allem: drei Monate Begegnungen mit Menschen auch aus anderen Kulturen. Wenn Martin Leibinger, Vorsitzender der Griesbadgalerie, vom „Café Beirut“ erzählt, spricht aus ihm die Begeisterung. „Das Projekt ist seit dem Beginn immer weiter gewachsen“, sagt er. Und: „Unsere Treffpunkt-Idee hat funktioniert.“ Denn obwohl in dem Off-Space in der Gideon-Bacher-Straße auch zwanglos getrunken und gequatscht wurde, seien die Ausstellungen immer im Zentrum gestanden – und die Künstler, die oft einige Tage in der Stadt blieben und gerne den Kontakt mit den Besuchern pflegten.

Vier große Ausstellungen von Künstlern aus dem Nahen und Mittleren Osten haben Leibinger und die anderen Helfer organisiert und begleitet. Zwei – das „Collectif Gémeaux“ und Mazen Kerbaj – in der „Zentrale“, zwei außerhalb. Dabei ragte Leibinger zufolge „Qalandia 2087“ des Palästinensers Wafa Hourani im Stadthaus-Untergeschoss mit 2000 Besuchern heraus. Dazu kamen sieben kleinere Präsentationen sowie Aktionen im öffentlichen Raum und in der Kunst-Bar „Stiege“. Insgesamt, so der Kurator, seien rund 5000 Menschen zu den Ausstellungen und Veranstaltungen des „Café Beirut“ gekommen. Ein tolles Ergebnis, findet Leibinger.

Drei Monate „Café Beirut“ bedeutet aber auch: Auf- und Abbau, Künstlerbetreuung, Schreibkram, Aufsichts- und Bardienst. Alles ehrenamtlich. Und nicht immer lief alles glatt – ohne Improvisation ging oft nichts. Das fing schon mit dem Beginn an: Die Räume in der Gideon-Bacher-Straße, eine frühere Physio-Praxis, fand das Team erst wenige Wochen vor der Eröffnung. Eine besondere Herausforderung war Leibinger zufolge die Hourani-Ausstellung: So habe es zwischenzeitlich weder einen Raum für die Modellstadt noch ein ausreichendes Budget gegeben. Beide Probleme (und viele andere) wurden gelöst.

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Das „Café Beirut“ hatte das Ziel, Gegenwartskunst aus dem Nahen Osten zu zeigen – ein Flüchtlingsprojekt war es nie. Und doch spielte auch dieses Thema eine Rolle, vor allem in dem von Tommi Brem kuratierten Syrien-Raum. Dort wurden Ausstellungen von Künstlern gezeigt, von denen manche noch immer in dem Bürgerkriegsland leben. Dadurch ergaben sich besondere Begegnungen: Syrer in Ulm erkannten auf Fotografien ihre Stadtviertel wieder und befreundeten sich spontan auf Facebook mit den Künstlern. Eine besonders emotionale Episode ereignete sich nun kurz vor dem Ende: Dem Fotokünstler Dani Hasrouni gelang es, mit einem Studentenvisum nach Ulm zu reisen und seine Ausstellung – seine erste überhaupt – zu besuchen. Er traf in Deutschland seinen Bruder wieder, der bereits ein Jahr zuvor über das Mittelmeer nach Europa geflohen war.

Die Macher der Griesbadgalerie hatten wegen der Nahost-Thematik mit kontroversen Diskussion gerechnet. Tatsächlich aber regte sich kaum Protest. Nur manchmal, berichtet Leibinger, habe es „konstruktive Streitgespräche“ mit Besuchern gegeben – hauptsächlich wegen der Israel-Palästina-Problematik, die vor allem bei Wafa Hourani thematisiert wurde. „Wir haben aber keine einseitigen Positionen gezeigt“, betont Leibinger. Eine angedachte Ausstellung eines israelischen Künstlers sei lediglich an Terminproblemen gescheitert.

Was bleibt nun also vom „Café Beirut“? „Für uns als Galerie war das Projekt ein Wahnsinnssprung“, sagt der Co-Organisator. Von den neu entstandenen Kontakten zu Künstlern und Galerien könnte der Verein auch in Zukunft zehren. Finanziell dürfte das Projekt mit einer Punktlandung enden. Durch die Förderung von Stadt und Land und eine großzügige Spende sind die meisten Rechnungen schon bezahlt. „Wenn wir jetzt noch ein paar Euro bei der Abschlussparty verdienen, kommen wir auf Null heraus“, sagt Leibinger.

Gefeiert wird am Freitag, 2. September, ab 19 Uhr. Dann sind in der Gideon-Bacher-Straße 3 noch einmal Arbeiten aus den vergangenen Ausstellungen zu sehen. Einige davon können auch gekauft werden.

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