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Oberfahlheim

27.02.2017

Der Blick geht zu den Gläubigen

Hoher Besuch in Oberfahlheim: Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa (Mitte) weihte den neuen Volksaltar in der Pfarrkirche St. Dionysius ein. Pfarrer Gerhard Bühler (rechts) assistierte ihm.
Bild: Andreas Brücken

Bischof Konrad Zdarsa weiht den neuen Volksaltar in St. Dionysius Oberfahlheim ein. Warum dieser nicht nur ein Möbelstück ist, sondern dem Gottesdienst eine neue Richtung gibt.

Es ist nicht nur ein Möbelstück. Mehrere Hundert Kilo schwer ist der neue Volksaltar und ein „Sinnbild für Christus in unserer Mitte“, wie Bischof Konrad Zdarsa sagte. Das Oberhaupt der Diözese war zur Weihe in die Pfarrkirche St. Dionysius in Oberfahlheim gekommen. Pfarrer Leonhard Bühler dankte Zdarsa in seiner Begrüßung für dessen Besuch und erinnerte daran, dass es schon acht Jahre her sei, dass zuletzt ein Bischof die Pfarreiengemeinschaft besucht habe. Der Gast aus Augsburg gab schlagfertig zur Antwort: „Ich kenne Gemeinden, da war schon seit Jahrhunderten kein Bischof mehr zu Besuch.“

In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte der Bischof die Treue zu Gott. So sei auch die Reue letztlich die Besinnung zur Treue. „Das ist nirgends besser zu finden, als im Gleichnis des verlorenen Sohnes.“ Die Geschichte sei ein Beispiel, dass das Streben nach Wohlstand und materiellen Dingen um jeden Preis zwar für eine Weile funktionieren möge. „Doch auf die Dauer kann sich niemand an der Würde des Menschen vorbeidrücken“, so Zdarsa. Im Streben nach Glück würden viele Menschen jedoch zu kurz greifen.

Um die symbolische Bedeutung des Volksaltars hervorzuheben, wies Zdarsa auf den Hochaltar der in der Gotik errichteten und später neugotisch ausgestatteten Kirche hin, bei dem der Priester den Gläubigen den Rücken zugewandt, die Messe zelebrierte: „Es ist der Altar Christi – und was wollen empfangen, wenn wir uns nicht Gott zuwenden?“, fragte Zdarsa und zitierte den Dichter Antoine de Saint-Exupéry: „Liebe besteht nicht darin, dass man einander anschaut, sondern dass man gemeinsam in dieselbe Richtung blickt.“ Der Kunstbeauftragte des Bistums Augsburg, Felix Landgraf, erklärte dazu, dass der Begriff des Volksaltars deshalb nicht ganz korrekt sei. Vielmehr sei die Botschaft wichtig, dass der Priester für die Gläubigen gut zu sehen ist.

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Der Nersinger Ortsteil ist mit seinem Volksaltar eher spät dran: Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) wurde das Zelebrieren des Messopfers in Richtung der versammelten Gemeinde zum Normalfall. Die ersten, nicht realisierten Entwürfe für einen neuen Altar in Oberfahlheim wurden Landgraf zufolge bereits vor etwa 20 Jahren erstellt. Diese habe er aufgegriffen und daraus ein schlichtes und schnörkelloses Stück entstehen lassen, bei dem vier Rahmen aus massiver Eiche eine Platte aus Jurakalk tragen. „Handwerklich perfekt“, nannte Landgraf das Werk, das von Schreiner Manfred Miller, der seine Werkstatt ganz in der Nähe der Kirche hat, angefertigt wurde. Die Steinplatte mit mehreren Hundert Kilo Gewicht würde jedoch nicht schwer erscheinen, sagte Landgraf. Stattdessen hätte es eine symbolische Wirkung, dass die Platte dem Rahmen Stabilität gebe: „So ähnlich ist es mit Christus auch.“

Die moderne Form inmitten des neugotischen Umfelds versteht Landgraf als den Ausdruck von Ehrlichkeit. „Jede Zeit hat ihre gestalterische Sprache, die authentisch weitergegeben werden soll.“ Im Rahmen des Gottesdienstes wurden in einer feierlichen Zeremonie Reliquien der heiligen Wendelin, Antonius von Padua, Konrad von Parzham und Dionysius von Augsburg beigesetzt. Letzterer habe mit dem Namenspatron der Pfarrkirche zwar nichts zu tun, wie Bühler sagte, doch seien die Reliquien des ersten Bischof von Augsburg leichter zu beschaffen gewesen. Sie befinden sich in einem sogenannten Sepulcrum, auf der Unterseite der Altarplatte, auf dem die Namen der Heiligen eingraviert sind.

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