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10.05.2015

Die Kapelle ist maroder als gedacht

„Die Kapelle ist ein totaler Sanierungsfall“, sagt Sendens Stadtpfarrer Stephan Spiegel.
Bild: Angela Häusler

Die Kirchengemeinde kann das Ayer Wahrzeichen nicht aus eigener Kraft erhalten.

Die Sanierung der Ayer Kapelle wird deutlich teurer als gedacht. Das berichtete SendensStadtpfarrer Stephan Spiegel bei der Jahreshauptversammlung der Kapellenfreunde. Doch die Kirchengemeinde kann das Geld derzeit nicht aufbringen.

Das von einem Fachbüro verfasste Standgutachten sei wenig erfreulich ausgefallen, so erklärte Spiegel den Freunden der Kapelle Ay, deren Vereinsziel es ist, den Fortbestand des kleinen Gotteshauses an der Ulmer Straße zu sichern. „Unsere Kapelle ist ein totaler Sanierungsfall“, resümierte Spiegel. Er ist sicher: Ohne die Hilfe der Kommune lässt sich der Rokoko-Bau nicht erhalten.

Feuchtigkeit im Gemäuer, Rissbildungen, Fäulnis in tragenden Elementen des Dachs, solche unliebsamen Feststellungen machten die Bauexperten in ihrem Gutachten, in dem sie die Statik der rund 250 Jahre alten Kapelle unter die Lupe genommen haben. Das Haus war bereits im Dezember 2013 überraschend gesperrt worden, nachdem an der Empore Deckenteile herabfielen. Eine Notsicherung wurde installiert. „Das Gutachten hat gezeigt, dass die Sperrung absolut gerechtfertigt ist“, betonte Spiegel am Mittwochabend. Kostenschätzungen werden in dem Gutachten noch nicht abgegeben – doch Spiegel geht davon aus, dass eine Investition von 500000 Euro nötig sein wird, um das Kleinod zu erhalten, das einst ein Ayer Bürger gestiftet hatte. Doch Angaben dazu könnten nur Fachleute machen, betonte er. Zuletzt war die Kirchenverwaltung von einer Viertelmillion Euro ausgegangen, die die Sanierung kosten werde.

Die größten Sorgen mache der an entscheidenden Stellen schadhafte Dachstuhl, doch auch am Fundament und den Malereien im Innenraum gebe es viel zu tun, berichtete Spiegel. Denn in der Vergangenheit wurde, offenbar in hehrer Absicht, Dispersionsfarbe an die Wände gestrichen. „Die muss runter“, so Spiegel, statt dessen Kalkputz aufgetragen werden, der die Mauern wieder atmen lässt. Sonst nämlich droht zusätzliche Schimmelbildung.

Alles in allem fielen „immense Kosten“ an, die die Kirchengemeinde aus eigenen Mitteln derzeit nicht finanzieren kann, so der Stadtpfarrer. Schließlich erfolgten allein in den beiden letzten Jahren die Sanierung der St. Jodok-Kirche für rund eine Million Euro und die Arbeiten an der Pfarrkirche St. Josef, wo auch jetzt noch Maßnahmen anstehen. Denn dringend müsse der Asphaltbelag im Pfarrhof erneuert werden, um die Verkehrssicherheit wieder herzustellen, so Spiegel. Dafür werden wohl weitere 150000 bis 2000000 Euro fällig.

Von der Diözese Augsburg hat die Kirchenstiftung bereits ein Darlehen über 650000 Euro erhalten, um die aktuellen Bauarbeiten finanzieren zu können. Und diese Mittel seien bereits verplant. Darüber hinaus, glaubt Spiegel, werde es kein Geld geben, zumal die Kapelle fürs Pfarreileben keine tragende Bedeutung hat.

Für die Verantwortlichen in Augsburg zähle sie daher nicht zu den Primärgebäuden, die in erster Linie finanziert werden müssen. So seien von der Diözese diesbezüglich keine Zuschüsse zu erwarten. Mit großen Summen vonseiten des Landesdenkmalamts rechnet Spiegel ebenfalls nicht. „Von kirchlicher Seite her werden wir es nicht schaffen, die Kapelle zu erhalten“, sagte Spiegel.

Er setze aber großes Vertrauen in die Sendener Stadträte und ins historische Bewusstsein kommunaler Vertreter, „die Kapelle ist eines der wenigen historischen Denkmäler in Senden“. Mangels finanzieller Möglichkeiten werden vorerst keine weiteren Maßnahmen eingeleitet. „Sobald die Finanzierung steht, fangen wir an“, so Spiegel, „je eher, desto besser“.

Die volle Unterstützung des Vereins sicherte Vorsitzender und SPD-Stadtrat Georg Schneider zu – er werde sich auch in den zuständigen städtischen Gremien für die Kapelle stark machen.

Die Kapellenfreunde planen, wie schon im vergangenen Jahr, wieder Veranstaltungen zugunsten des Kirchleins, darunter ein Benefizkonzert. Es soll im kommenden November stattfinden, die Band „Merk Brothers“ werde dann ohne Honorar in der Turn- und Festhalle auftreten. Die Vereinsmitglieder wollen sich auch im kommenden Advent am städtischen Weihnachtsmarkt beteiligen und zugunsten der Kapelle Gebäck feilbieten. Doch für große Veranstaltungen fehlten dem Verein die personellen Möglichkeiten, sagte Schneider.

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