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Roggenburg

24.04.2019

Konzert in der Klosterkirche: So klingt es, wenn der Heiland siegt

Österliche Pracht in der Klosterkirche Roggenburg: (von links) Catalina Bertucci, Pater Stefan Kling (mit Notenwenderin), Marc Lentz und Franz Zuckschwerdt spielten Werke vom Barock bis heute.
Bild: Florian L. Arnold

Bei der Eröffnung des Roggenburger Sommers verbinden die Interpreten auf reizvolle Weise Barock, Klassik und Romantik mit der Gegenwart. Den furiosen Schluss gestaltet der Organist und Hausherr.

Unter dem Titel „Der Heyland hat gesiegt“ gab es am Ostermontag ein höchst abwechslungsreiches, anspruchsvolles Konzert in der Roggenburger Klosterkirche zu erleben. Österliche Musik von Johann Philipp Krieger, Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy, Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart und Tomaso Albinoni hatten sich Marc Lentz und Franz Zuckschwerdt (jeweils Trompete), Catalina Bertucci (Sopran) und Pater Stefan Kling (Orgel) vorgenommen. Die „festliche Musik zur Osterzeit“ aus Barock, Klassik und Romantik begann und endete allerdings mit zwei sehr angenehm das historische Repertoire umrahmenden Werken eines Zeitgenossen: Joachim Schreiber.

Eingeleitet wurde das Konzert mit dessen hymnisch-hochtouriger Fanfare „Christ ist erstanden“, die in der direkten Nachbarschaft zu Bachs „Jauchzet Gott in allen Landen“ einen ganz eigenen Reiz entfalten durfte. Freilich: Ganz und gar angekommen in der bekannt-beliebten österlichen Klangwelt war der Zuhörer doch erst, als Koloratursopranistin Catalina Bertucci die anspruchsvolle Kantate mit der eingängigen Choralmelodie „Sei Lob und Preis mit Ehren“ hören ließ. Die Trompetenstimmen sind auf höchste Interpretenleistung geeicht, Tonhöhe und Tempo gleichen – wie fast immer bei Bach – einer Gratwanderung.

Sopran Catalina Bertucci gefällt mit klarer Gestaltung

Das finale festliche „Alleluja“ bereitete dem anschließenden Orgelsolo von Johann Georg Albrechtsberger den Weg – eine kurze, strenge Fuge, gegen die das schwelgerisch-üppige Klangkostüm von Tomaso Albinonis „Vien con nueva orribil guerra“ (aus dessen Oper „La Statira“ von 1726) geradezu exaltiert wirkte. In der klaren Gestaltung von Bertucci ein hervorragendes Abbild von Albinonis vielseitigem und einprägsamen Kompositionsstil. Ebenso geschmeidig erklangen Felix Mendelssohn Bartholdys Arie für Sopran aus dem „Paulus“-Oratorium und das titelgebende Werk „Der Heyland hat gesiegt“ von Johann Krieger. Die Interpreten waren hier ganz in ihrem Element, stellenweise allerdings hätte man das Tempo ein wenig zügeln dürfen. In Francesco Manfredinis „Concerto“ für zwei Trompeten und Orgel waren im Blech auch gelegentliche Unschärfen zu bemerken. Mit seinem Händchen für ungezügelt festliche Melodien war Händel für feierliche Ostermusik prädestiniert – und mit dem überschwänglichen, ansteckend heiteren „Let the Bright Seraphim“ vertreten, das Bertucci mit allem nötigen Überschwang zu gestalten wusste.

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Den Virtuosen Pater Stefan Kling, gleichzeitig Prior des Klosters, gab es schließlich im finalen Werk von Joachim Schreiber noch einmal mit allen Raffinessen zu hören. Schreibers „Orgelfantasie über das Glockengeläut der Klosterkriche Roggenburg“ ist technisch hoch anspruchsvoll, gefällt aber auch mit leicht und natürlich entwickelten Melodien, denen hörbar auch die synkopierten Klangwelten von Swing und Jazz ihr Echo leihen. Nach einem furiosen Intro darf die Orgel sich in eine ansprechende Fantasie über die Glockentöne der Turm- und Chorglocken entfalten. Den Abschluss bildet schließlich wiederum ein hochbrausendes Crescendo, in dessen Nachklang hinein die Kirchenglocken ertönen – leider im Kircheninneren weniger präsent als dies vielleicht in der Komposition vorgesehen war.

Dennoch: Eine überaus gelungene Komposition und ein ansprechender Schlusspunkt unter dieses vielgestaltige Osterkonzert.

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