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Fest

26.06.2019

Liebeserklärungen zum Roxy-Jubiläum

Das Duo Suchtpotenzial – links Ariane Müller, rechts Julia Gámez Martin – feierte mit beim Roxy-Geburtstag.

Das Kulturzentrum feiert sein 30-jähriges Bestehen. Ein Blick in das Gästebuch verrät die bewegte Geschichte

Der österreichische Liedermacher Wolfgang Ambros war vor genau 30 Jahren der erste Künstler, der die Roxy-Bühne bestiegen hat. Ihm folgten unzählige andere. Grund genug also für die Macher des Kulturzentrums an der Oberen Donaubastion, das Jubiläum gebührend zu feiern: mit einem Tag der offenen Tür mit vielen Attraktionen und auch einigen Reden.

Das „Abenteuer Roxy“ hätte damals in den ehemaligen Magirus-Fabrikhallen begonnen, erklärte der heutige Geschäftsführer Christian Grupp. Nur zwei Monate dauerte damals die erste Spielsaison. Bis heute kamen mehr als 3400 Künstler zu etwa 6000 Veranstaltungen und 2,4 Millionen Besucher in das Kulturzentrum.

Dementsprechend vielseitig zeigt sich auch das Gästebuch: So gestand der damals noch recht unbekannte Kabarettist Ingo Appelt im Februar 1994: „Wer hätte gedacht, dass sogar Ulmer so herzlich dreckig gemein und nett lachen können.“ Vor zehn Jahren bedankte sich der Komiker Kurt Krömer schriftlich im Gästebuch bei den Veranstaltern dafür, dass man ihn für zwei Stunden von der Straße geholt hätte. Der Schlagzeuger der Punkband Die Ärzte schrieb im gleichen Jahr nach einem Soloauftritt: „Ein Medizinstudent und 1000 hungrige Mädchen, I love it!“. Comedian Olaf Schubert kommentierte nach einem Auftritt in der ausverkauften Halle nüchtern: „Ich bezeichne die Veranstaltung hiermit als insgesamt gelungen.“

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Mitgründer und Initiator Peter Langer erinnert sich: „Das Roxy war als Kulturinitiative damals einzigartig in der Region.“ Heute sei die Institution nicht mehr wegzudenken, erklärte er weiter und gab zu: „Diese Hallen haben mein Leben geprägt.“ Für die Zukunft wünschte Langer den Machern viel Kraft und Fantasie, das „alte Schlachtschiff der Kulturschaffenden“ weiterhin als „intergenerationelle Begegnungsstätte“ weiterzuführen. Mahnende Worte richtete der Gründungsvater an die Verantwortlichen des Roxy: „Die Politik versucht immer mehr Einfluss auf die Kultur zu nehmen.“ Als Beispiel nannte Langer die Geschehnisse um die Punkpolitband Feine Sahne Fischfilet (wir berichteten). Das Roxy solle auch weiterhin immer wieder Stellung beziehen, erklärte Langer.

Oberbürgermeister Gunter Czisch ließ sich in seinem Grußwort zu einer versteckten Liebeserklärung an das Roxy hinreißen: „Sorgenkinder wachsen einem besonders ans Herz.“ Damit spielte der Rathauschef auf die Zeiten an, als das Roxy finanziell in Schieflage geriet. Gleichzeitig dankte Czisch den Gründern und Vorsitzenden für den Mut, den diese in den vergangenen drei Jahrzehnten aufgebracht hatten. „Die Verantwortlichen stehen schließlich mit ihrem persönlichen Vermögen in der Haftung für das Roxy.“ Regelmäßig leistet die Stadt Ulm Zuschüsse für die Institution. Doch wolle man sich deshalb nicht als Zensor verstehen, sondern weiterhin mit dem Roxy einen Ort fördern, der unter anderem für niederschwellige Kultur steht.

Mit Auftritten der Showbuddies, des Heyoka-Theaters und des Comedians Andreas Rebholz wurde anschließend das Geburtstagskind gefeiert. Auch das Duo Suchtpotenzial stieg auf die Bühne. Pianistin Ariane Müller und Sängerin Julia Gámez Martin verrieten, dass sie schon ausgelassene Nächte im Roxy erlebt hätten: „Die Gage haben wir zum größten Teil an der Bar gelassen.“ Als Geburtstagsgeschenk an die treuen Besucher sollte als eines der Highlights die neue Open-Air-Bühne in Form eines Containers vor der Halle eingeweiht werden. Doch wegen des Wetters blieb die Eventkiste geschlossen.

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