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Ulm/Neu-Ulm

27.07.2015

Musikgeschichte live und laut

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3 Bilder
Im Element: Die Band Exodus mit dem entfesselten Sänger Uli Günther.

Sechs Bands bei der Neuauflage von „40-30-20-10“

Die Jüngste spielte alle mit ihrer Gitarre an die Wand – die beste Performance lieferte einer der ältesten Sänger ab. Bei der Neuauflage des legendären Ulmer Festivals „40-30-20-10“ am Samstag im rappelvollen Roxy-Biergarten kam keine Langeweile, als sechs Bands aus der Region im Stundentakt ihre musikalischen Visitenkarten abgaben.

Die Jüngste – das war die gerade mal 22-jährige Gitarristin, Komponistin und Sängerin Yasi Hofer mit ihrer Band, die für technische Furore sorgte. Kein Wunder – sie tourte 2013 mit dem amerikanischen Ausnahmegitarristen Steve Vai durch Europa und studierte am Berklee Collage of Music und lernte dort ihre herausragenden Gitarrenläufe und erstklassigen Lied-Arrangements. Die Ulmerin spielte Stücke aus ihrem ersten Album „Yasi“, ließ die Fachleute der Gitarrenkunst im Publikum mit ihrem „Spiritual Groove“ staunen und entwickelte einen Klangzauber, der so gar nichts mit Mainstream-Rock zu tun hat und zu Herzen geht.

Schade nur, dass sie stimmlich mit ihren instrumentalen Künsten (noch) nicht mithalten kann und auch in der Performance seltsam unberührt auf der Bühne stand, was sich sicherlich noch ändern wird.

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Wie man sich auf der Bühne richtig bewegt, kann die aufstrebende Künstlerin von dem Frontmann Uli Günther, 56, der Ulmer Band Exodus lernen. Man stelle sich vor, wie der auf der Bühne in den Siebzigerjahren getobt hatte, als sich Exodus zur „härtesten Rockband Deutschlands kürte“. Schon die erste Nummer war ein Kracher: Im Play-back wurde das Publikum mit dem Walküre-Ritt von Wagner auf Betriebstemperatur gebracht, um die Stimmung dann mit Gesang und Instrumenten weiter anzuheizen. Man muss vor Augen führen: Die l976 gegründete Hardrock-Band stand seit 1992 nicht mehr auf der Bühne, wurde von dem Festival-Initiator Thomas „Skippy“ Krippgans, 58, wieder zusammengetrommelt und jetzt standen die alten Jungs mit dem Gitarristen Ralf Hollmer wieder auf der Bühne, der mit Bands wie Vampyr und Tyran Heavy-Metal-Geschichte geschrieben hat.

Standesgemäß wurde das Festival im Roxy-Biergarten bei Sonnenschein-Stimmung mit Ulms dienstältester Band am späten Nachmittag eingeläutet: den Bluesbreakers. Große Schuhe für regionale Musiker:

So heißt die Band von John Mayall, in denen berühmte Gitarristen wie Eric Clapton und Peter Green in den 60er-Jahren debütierten. Die kannten die regionalen Bandgründer aber damals gar nicht, gesteht Martin Köhler, der mit Jochen Schmidt die Bluesband gründete und bis heute die rockige Variante pflegen – Vorbild Rory Gallagher. Auch Bruder Bernhard Köhler, treibende Kraft im gemeinnützigen Verein Kunstwerk, hatte am Samstag mit der Band „Banana Republic“ seinen Auftritt, die sich zum Ziel gesetzt hat, zu rocken, bis „die Banane wieder gerade ist“. Ob dieses doppeldeutige Ziel gelang, konnte nicht verifiziert werden.

Das Abendprogramm ab 21 Uhr stand dann im Zeichen der Ulmer Pop-Kabarett-Gruppe Togs n’ Toys, wo der Festival-Initiator „Skippy“ in die Gitarrensaiten griff. Diese Band kam in den Achtzigerjahren in und um Ulm groß raus, in dem sie Rockmusik mit Politik, Theater und kabarettistischen Einlagen verband, was bis heute an Aktualität und musikalischer Originalität noch nichts verloren hat. Mit von der Partie: Andi Pfeil am Saxofon –jahrzehntelang Wirt der Neu-Ulmer Musiker-Stammkneipe Cafe D’ Art.

Einen besseren Abschluss dieser regionalen Hommage an den unsterblichen Rock konnte man sich nicht wünschen:

Spätabends hatte das Ulmer Urgestein Sammy Sommermeyer mit seinen begeistert aufgenommenen Songs seinen Auftritt, die für so manche Rockfans ein regelrechtes Déjà-vu-Erlebnis waren. Professionellere Begleiter als Rock Unlimited konnte man sich nicht wünschen. Einen Wunsch formulierten viele Besucher allerdings in Sachen Neuauflage 2016: Den aberwitzigen Part könnten die unvergessenen Gono Cocks übernehmen.

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