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Senden

13.08.2020

Neues Angebot: Psychisch Kranke können in Senden Rehakurse belegen

Stefan Oesterle ist Rehabilitationstrainer für psychisch Erkrankte und möchte in diesem Bereich Kurse anbieten. Die Teilnehmer brauchen dazu keine besonderen sportlichen Voraussetzungen.
Bild: Angela Häusler

Plus Seit Kurzem können sich Menschen mit Depressionen oder psychosomatischen Störungen Sportstunden verordnen lassen. Stefan Oesterle aus Senden hat sich in dem Bereich ausbilden lassen.

Bewegung tut auch der Seele gut, das weiß Stefan Oesterle genau. Der erfahrene Sport-Übungsleiter ließ sich im vergangenen Herbst zum Rehabilitationstrainer für psychisch Erkrankte ausbilden und möchte jetzt eine entsprechende Gruppe ins Leben rufen, die Menschen mit Persönlichkeitsstörungen, Angsterkrankungen oder Depressionen unterstützt. Bedarf dafür, ist der Wullenstetter sicher, gebe es genug. Denn für diese Patienten ist Rehasport in Bayern eine Neuheit - in mehrerlei Hinsicht.

„Viele der Patienten, die wegen körperlicher Probleme bei mir trainieren, haben auch psychische Belastungen, hatten zum Beispiel schon Burn-out oder Depressionen“, sagt Oesterle über seine Idee, „und denen wollte ich ein Angebot machen“. Bei der stationären Behandlung psychischer Erkrankungen spiele Bewegung eine wichtige Rolle, weiß Oesterle.

Bislang gab es auch in Senden kein ambulantes Training

Doch zu Hause gab es für Betroffene, zumindest in Bayern, bislang keine ambulanten Trainings in Form von Rehasport, die der Arzt verordnet und die Kasse bezahlt, berichtet er. In allen anderen Bundesländern sei diese Möglichkeit seit Jahren Usus. Diesen Unterschied wollte Oesterle nicht hinnehmen – und klingelte wiederholt bei Krankenkassen und bei der Arbeitsgemeinschaft Rehabilitationssport an, um eine Anerkennung der Sportmaßnahme auch bei Erkrankungen der Psyche zu erreichen. Damit können Ärzte ihren Patienten wegen psychischer Krankheiten eine Verordnung zum Reha-Sport ausstellen, wie es etwa bei Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebs schon lange geschieht.

Durch seine Anfragen sei der Landesgeschäftsführer des Behinderten- und Rehabilitationssportverbands BVS Bayern, Jamil Sahhar, auf das Thema aufmerksam geworden und habe sich sehr für das Anliegen eingesetzt, berichtet der Trainer. Nun können sich beispielsweise Menschen mit Neurosen, psychosomatischen Störungen, Depressionen oder Suchterkrankungen die Sportstunden verordnen lassen. „Ich habe nicht lockergelassen und bin sehr froh, dass das jetzt auch in Bayern möglich ist“, sagt Oesterle.

Im baden-württembergischen Albstadt hatte sich Oesterle im vergangenen Oktober in Sachen Sport und Psyche schulen lassen und die Fortbildung zum Reha-Trainer für psychisch Erkrankte absolviert. Erfahrung mit unterschiedlichsten Sportgruppen hat er aber schon lange: Seit 1984 trainiert Oesterle sowohl gesunde Sportler als auch kranke, darunter Patienten mit neurologischen, orthopädischen und Herzkrankheiten sowie Menschen mit Behinderung. Seit 2013 leitet er den damals von ihm mitgegründeten „Gesundheitssportverein Senden“, der heute rund 150 Mitglieder hat.

In Senden kann es bald eine neue Gruppe geben

Für die neue Gruppe hat er sich ein Programm ausgedacht, das sowohl die Kommunikation untereinander als auch die körperliche Fitness fördern soll. Unter anderem werden Kraft- und Entspannungsübungen, aber auch Spiele dazugehören. „Vielen Patienten fehlt das Gespür für ihren Körper, das sollen sie wieder entwickeln“, erklärt Oesterle. Maximal 15 Teilnehmer können mitmachen – vorerst will er das Training einmal pro Woche durchführen.

Besondere sportliche Voraussetzungen brauchen die Teilnehmer nicht, so der Trainer. Aber sie müssen pünktlich da sein und mitmachen. Schon das regelmäßige Zusammenkommen mit einer Gruppe könne sich für manche Teilnehmer positiv auswirken, meint der Vereinsvorsitzende, denn oft isolierten sich die Betroffenen und blieben lieber zu Hause. „Sport kann helfen, wieder die Füße auf den Boden zu bekommen“, so Oesterle.

Doch vorerst müssen sich Turner für die neue Gruppe finden und auch Ärzte, die das Training verordnen. Losgehen soll es, sobald mindestens sieben Interessenten da sind.

Ort und Zeit stehen aber noch nicht fest, sagt Oesterle – möglicherweise könne im Heiningsaal geturnt werden. Allerdings bleibe noch abzuwarten, wie sich die Corona-Krise auf das Vorhaben auswirkt. Seit Pfingsten immerhin sind die anderen Trainingsgruppen wieder dabei, und wenn alles klappt, soll auch die neue Gruppe im September starten. Wer sich für den Einstieg interessiert, kann sich bei Stefan Oesterle unter 07307/24221 oder per Mail unter info@gsv-senden.de näher informieren.

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