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Hobby

30.03.2013

Rennspaß bei Minusgraden

In seinem Element: In den Wintermonaten nimmt der Physikstudent Martin Dickel mit seinen Hunden regelmäßig an Rennen teil.
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In seinem Element: In den Wintermonaten nimmt der Physikstudent Martin Dickel mit seinen Hunden regelmäßig an Rennen teil.

Martin und Bernd Dickel aus Illerberg fahren Rennen auf Hundeschlitten

Illerberg Klirrende Kälte, Schnee und eisiger Wind – Martin Dickel aus Illerberg hat davon nie genug, auch nicht kurz vor Ostern. Denn dem 23-Jährigen ermöglicht der Winter sein allerliebstes und hierzulande seltenes Hobby: Er fährt erfolgreich Schlittenhunderennen.

Wer ins Haus der Dickels kommt und eine lebhaft losstürmende Hundemeute erwartet hat, täuscht sich: Die zehn Vierbeiner halten sich meist in ihrem Gehege mit mehreren Zwingern auf, beäugen den Besuch im Wohnzimmer neugierig und lautlos aus der Ferne. Es sind keine Huskys, sondern sogenannte „Europäische Schlittenhunde“, die Martin Dickel und seinem Vater Bernd während der Wintermonate vorauseilen. Groß, agil und hungrig nach Bewegung sind diese Tiere, von denen einige die typische, hellblaue Augenfarbe aufweisen, nicht aber das dicke Fell von Schlittenhunderassen wie Husky oder Grönländer. Wegen ihres drahtigen Körperbaus wirken sie fast wie Jagdhunde, wenn sie gemeinsam durch ihr Gehege toben, Äste herumschleppen und Martin Dickel mit Sprüngen zum Mitspielen einladen.

„Sie sind alle gut erzogen, sie könnten auch im Haus sein“, berichtet Bernd Dickel, der den Schlittenhundesport vor mehr als zehn Jahren eher zufällig für sich entdeckte: Als passionierter Marathonläufer wollte er sich zunächst nur einen Hund anschaffen, der mit ihm gemeinsam durch Wald und Flur sprintet. Die Wahl fiel auf einen Siberian Husky. Als ein Nachbar aus Dickels früherem Wohnort in Hessen, selbst Schlittenhundefahrer, ihn zum Mitfahren animierte, war Dickels neues, großes Hobby geboren. Was ihn daran fasziniert: „Das Zusammenspiel mit dem Partner Hund, ein Team aus Mensch und Hund in der Natur – das klingt pathetisch, aber es ist so“, erzählt Bernd Dickel, dessen Begeisterung auch Sohn Martin angesteckt hat. Er trat mit 14 Jahren zu seinem ersten Rennen an.

Seither gehören das Training und die Fahrten zu Turnieren fest zum Alltag der Familie, jedenfalls während der Wintermonate. Weihnachten im trauten Heim zu verbringen, das wäre bei den Dickels eine Ausnahme. Gerade erst sind Vater und Sohn von den letzten Wettbewerben zurückgekommen: dem „Norwaytrail“ in Norwegen, wo Martin Dickel auf dem dritten Platz landete, und dem „Vindelälvsdraget“ in Schweden. Dort freute sich Dickel als Mitglied des Teams „Non-Stop Dogwear“ über einen Sieg.

Die Strecke in Norwegen, berichtet der Physikstudent, ist rund 200 Kilometer lang. 40 bis 50 Kilometer am Tag legen die Fahrer, „Musher“ genannt, pro Etappe zurück. Abhängig vom Gelände schaffen die Schlittenhunde etwa 40 Kilometer in eineinhalb Stunden, doch beim Steuern müssen die Fahrer sowohl auf die richtige Taktik als auch auf die Verfassung der Hunde achten. „Man muss genau wissen, was man den Hunden zumuten kann“, sagt Martin Dickel, der meist mit sechs bis acht Hunden gleichzeitig unterwegs ist. Schließlich sei von enormer Bedeutung für den Erfolg, dass die Tiere mit Freude bei der Sache sind, „sonst geht es nicht“. Deshalb sind auch genügend Pausen so wichtig. Für ihn liegt der Reiz an Schlittenhunderennen auch in der Herausforderung, immer wieder ein gut funktionierendes Ensemble aus Hunden zusammenzubringen.

400 bis 700 Gramm Putenfleisch pro Tag

Zur Stärkung gibt’s in aller Regel kiloweise Putenfleisch, etwa 400 Gramm frisst jeder Hund normalerweise, während der Rennsaison können es auch 700 werden. Ab dem Alter von eineinhalb Jahren dürfen die Hunde bei Wettbewerben starten, auf dem besten Leistungsstand seien sie meist im Alter von zwei bis sechs Jahren, berichten Vater und Sohn. Schon im Welpenalter werden die Hunde spielerisch an den Schlitten gewöhnt, das Laufen an sich „liegt ihnen in Blut“, so Bernd Dickel.

Das Illerberger Team startet bei den Rennen in der Mitteldistanz und bereitet sich ab dem Herbst auf die Turniere vor, benutzt dazu einen Trainingswagen mit Rädern. „Im Winter versucht man, vier bis fünf Wochen durchzutrainieren“, erzählt Martin Dickel, die Trainingseinheiten werden dabei auf mehrere Tage pro Woche verteilt. Doch auch im Rest des Jahres brauchen die Hunde viel Bewegung. Dem kommen die Dickels in aller Regel mit dem Mountainbike entgegen und radeln mit acht bis zehn Hunden in der Umgebung Illerbergs spazieren. Viele der Anwohner kennen dieses Bild schon gut und so mancher Haushund findet offenbar Gefallen an solchen Touren. „Wir hatten schon mehrmals Situationen, wo uns ausgebüchste Hunde hinterherliefen und sich einreihen wollten“, berichtet Bernd Dickel.

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