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Ulm

18.02.2014

Warum Skorpione mit den Füßen riechen

Im UV-Licht aus einem Geldscheinprüfer leuchtet dieser Skorpion (Hadrurus Arizonensis) blau bis grün fluoreszierend.
Bild: Harald Wolf

Wenn Skorpione ihre Opfer riechen, ringen diese meistens schon mit dem Tod. Ein Ulmer Neurobiologe hat etwas Überraschendes über Skorpione herausgefunden.

Wenn Skorpione ihre Opfer riechen, ringen diese meistens schon mit dem Tod. Paralysiert vom Gift aus der Schwanzspitze, beginnt sich ihr Gewebe langsam aufzulösen. Wie die Spinnen nutzen die Skorpione dafür einen hochgewürgten Verdauungssaft, den sie über ihre scharfen Kieferklauen in die Beute einbringen, um diese von Innen langsam zu verflüssigen. „Eine eher unappetitliche Vorstellung für uns, doch eine sehr effektive Art, sich die nährstoffreichen Körpersäfte von Insekten, Schnecken oder kleinen Wirbeltieren einzuverleiben“, so Professor Harald Wolf.

Der Direktor des Instituts für Neurobiologie der Universität Ulm hat ein besonderes Faible für Spezies mit ungewöhnlichen Ernährungsvorlieben. „Skorpione und Spinnen gehören zur Gruppe der Kieferklauenträger, auch Fühlerlose oder Cheliceraten genannt“, so der Biologe. Anders als Gliederfüßer wie Insekten und Krebse haben sie keine Fühler oder Antennen, mit deren Hilfe sie chemosensorische als auch mechanische Reize wahrnehmen können.

Kiefernklauen

Entwicklungsgeschichtlich betrachtet haben Insektenfühler und Kieferklauen dieselben Vorgänger, nämlich Extremitäten, die im Wasser sowohl zur Fortbewegung und als auch zum Heranstrudeln von Nahrung genutzt wurden, wie man sie heute noch beispielsweise an Salinenkrebschen oder manchen Garnelen sieht. „Im Laufe der Evolution haben sich die unterschiedlichen Gruppen dann spezialisiert, was sie fressen und wie sie das tun wollen“, erklärt der entwicklungsgeschichtlich interessierte Neurobiologe.

Dabei gilt die Grundregel: „Wenn du dich wie die Gruppe der Kieferklauenträger einmal dazu entschlossen hast, deine Vorderextremitäten als Werkzeug zur Beuteverarbeitung zu gebrauchen, und diese sich im Laufe der Zeit entsprechend funktional ausdifferenziert haben, kannst du nicht darauf hoffen, dass du damit auch noch riechen kannst. Auf Fühler sowie Antennen musst du dann also verzichten“, veranschaulicht der Skorpionsforscher dieses Dilemma.

Von Fühlern und riechenden Beinen

Der Geruchssinn gehört allerdings zu den wichtigsten Sinnesorganen im Tierreich. Keine Spezies würde freiwillig darauf verzichten wollen. Die chemosensorische Rezeption, zu der Geruchs- und Geschmackssinn zählen, ist für die Nahrungs- und Partnersuche sowie für die Kommunikation und Orientierung unabdingbar.

Die Lösung der Skorpione und Spinnen ist ungewöhnlich: Wenn sich im Laufe der Zeit aus Urgliedmaßen Laufbeine, Sprungbeine, Geschlechtsfortsätze, Fühler oder sekretinjizierende Kieferklauen entwickeln lassen, könnten sich daraus nicht auch riechende Beine herausbilden? Doch während die Spinne ihre berührungsempfindlichen Chemosensoren an den vorderen Tastbeinen trägt, kann der Skorpion mit einer ganz besonderen Konstruktion aufwarten. Seine Geruchsorgane liegen an der hinteren Unterseite des Bauches. Wolf dreht das präparierte Exemplar eines Kaiserskorpions auf den Rücken und zeigt auf die sogenannten Kammorgane.

Immerhin haben männliche Skorpione circa 140000 Sensorzellen, darunter sowohl mechanische als auch chemosensorische Rezeptoren. „Wir vermuten, dass der Skorpion diese vor allem bei der Partnerwahl einsetzt“, meint Harald Wolf. Aufgrund der beschränkten Reichweite ist er für die Nahrungssuche aus der Ferne wohl nicht sehr hilfreich, wohl aber für die Verfolgung von Geruchsfährten oder den körpernahen Beute-Check vor Ort. (az)

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