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31.07.2010

Waschen ohne Waschmaschine

Von wegen Waschmaschine: Maria Moll zeigt, wie sie früher zusammen mit ihre Mutter Wäsche gewaschen hat. Foto: Schmid
Bild: Schmid

Jedesheim Waschen tut die Waschmaschine und das Sauerkraut kommt aus der Dose - von wegen. Seitdem unsere Zeitungsente Paula Print den Museumstag in Jedesheim besucht hat, weiß sie, dass das früher ganz und gar nicht so war. Denn an diesem Tag gab es rund um das dortige Heimatmuseum eine Menge Handwerksvorführungen von Berufen und Tätigkeiten, die früher zum Alltag im Dorf gehörten.

Von Paula Print und Zita Schmid

Arbeiten also, die eure Groß- oder auch Urgroßeltern ausgeübt haben und die heute viele nicht mehr kennen, geschweige denn können. Paula hat dort zum Beispiel zugeschaut, wie man früher Sauerkraut selber gehobelt und eingelegt hat, wie Wolle mit dem Spinnrad gesponnen oder Körbe von Hand geflochten wurden.

Früher gab es außerdem nicht so viele strombetriebene Maschinen und vieles musste mit Muskelkraft geschafft werden. Was heute ganz einfach ist, war noch vor etwa 50 Jahren mit viel Aufwand und Arbeit verbunden. Das ist unserer Paula besonders bewusst geworden, als sie Maria Moll beim Wäschewaschen zugeschaut hat. "Als Kind musste ich meiner Mutter immer beim Wäschewaschen helfen", erzählt sie. Damals gab es noch keine Waschmaschinen wie heute, die man einfach einfüllen muss, den Knopf drücken und fertig. Früher ging das so: Zuerst wurde ein großer Wasserkessel mit Wasser gefüllt. Unter dem Kessel musste dann mit Holz Feuer gemacht werden. Das Feuer hat Maria Moll schon vorher angezündet, das Wasser im Kessel ist also schon heiß. Kochend heiß, wie Paula feststellt, als sie ganz ganz vorsichtig hineinschaut. Die Wäsche liegt schon darin.

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Mit ihrem großen Wäschestampfer stampft Maria Moll die Wäsche immer wieder durch. "Damit die Wäsche gut vermengt und alles sauber wird." Ist die Wäsche arg schmutzig, muss sie gebürstet werden. Maria Moll holt dazu ein großes Wäschestück mit einer langen, hölzernen Zange aus dem Kessel und legt es auf die Tischplatte. Stück für Stück bürstet sie das ausgebreitete Wäscheteil durch. Immer wieder reibt sie auch Kernseife auf die Wäsche. Dann kommt alles wieder in den Kessel und wird weitergekocht. Etwa eineinhalb Stunden ist die Wäsche normalerweise im Kessel. Dann wird sie mehrmals in verschiedenen Wäschezubern - das sind große Wannen - mit kaltem Wasser ausgeschwenkt. Schließlich wird die Wäsche noch ausgewrungen und aufgehängt.

Früher war normalerweise ein Tag in der Woche Waschtag. Dann stand die Hausfrau, je nachdem, wie groß die Familie und Wäsche war, stundenlang in der Waschküche. "Dann gab es meistens nur einfachen Grießbrei zum Mittagessen", hört Paula ältere Besucher, die beim Wäschewaschen ebenfalls zuschauen, sich erinnern. Um etwas Aufwendiges zu kochen, hätten die Hausfrauen an diesem Tag ja gar keine Zeit gehabt. Das glaubt unsere Paula gerne. Wenn sie bedenkt, was sie allein jeden Tag an schmutziger Wäsche "produziert", die heute einfach in die Waschmaschine geworfen wird - na, da hätte sie früher viel zu bürsten gehabt!

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