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Ulm

13.11.2017

Wie Christen gegen Hunger kämpfen

Ein Hungertuch symbolisiert das Leid der Menschen in Entwicklungsländern.
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Ein Hungertuch symbolisiert das Leid der Menschen in Entwicklungsländern.
Bild: Dagmar Hub

Das Museum der Brotkultur zeigt Plakate der Hilfswerke Misereor und Brot für die Welt aus knapp 50 Jahren. Wie sich die Botschaften verändert haben.

Die ausgestreckte Hungerhand des Berliner Künstlers Rudi Wagner, mit der evangelische Kirchen zum 1. Advent 1959 erstmals unter dem Motto „Brot für die Welt“ zu Spenden für hungernde Menschen in Indien aufriefen, wurde zum Symbol: Den Menschen in Deutschland war die Hungersnot im eigenen Land nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges noch sehr präsent. Im Wirtschaftswunder der Erhard-Ära entstand daraus die Bereitschaft, Hungernden zu helfen – befördert von den mitleiderregenden optischen Appellen.

Ein Jahr vor dem evangelischen Hilfswerk Brot für die Welt war das katholische Hilfswerk Misereor gegründet worden. Das Museum der Brotkultur zeigt in seiner diesjährigen Weihnachtsausstellung, die am Sonntag um 11 Uhr eröffnet wird, Plakate und Strategien der Öffentlichkeitsarbeit beider Hilfswerke. Die von Marianne Honold kuratierte Ausstellung ist so angelegt, dass sich der Besucher mit dem optischen und thematischen Wandel der Plakate und Projekte über die Jahrzehnte beschäftigen kann. Partner des Brotmuseums, das in dieser Sonderschau nur wenige Objekte aus dem eigenen Fundus präsentiert, sind die beiden Organisationen selbst. Die Schau ist bis zum 28. Januar zu sehen.

Misereor und Brot für die Welt zeigen heute Menschen auf Augenhöhe

„Anfangs wurde das stark über das christliche Weltbild nach außen kommuniziert“, sagt Isabel Greschat, Leiterin des Museums der Brotkultur, über die Botschaften der Hilfswerke. Ein Plakat, das im Museum zu sehen ist, zeigt eine klagende Mutter mit Kind auf dem Schoß. Mit den Zeiten änderten sich sowohl die Gestaltung als auch die Projekte selbst. Auch zwischen den beiden Hilfswerken sind in der Schau deutliche Unterschiede festzustellen. Bei Misereor bleibt der Mensch im Mittelpunkt der Grafik, die Portraits verändern aber ihren Blickwinkel vom Hilfesuchenden hin zum Menschen auf Augenhöhe. Die gnädige Haltung des Gebers tritt zurück. Bei Brot für die Welt richtet sich der Fokus auf nachdenklich machende, anspielungsreiche Sätze wie im „Weniger ist leer“-Plakat aus dem Jahr 2013. Statt Hungerhilfe rückt die Hilfe zur Selbsthilfe in den Mittelpunkt. Es geht nicht mehr ums schlichte Sattsein, sondern darum, das richtige zu Essen zu haben. Politisch-kirchlicher Einsatz beispielsweise gegen die Apartheit in Südafrika ist erkennbar. Den Einkauf in Jute-Taschen aus Bangladesch statt in Plastiktüten nach Hause zu tragen, wurde zum Ausdruck politisch verantwortlichen Handels in Deutschland.

Objekte in der Schau nehmen eindrucksvoll Bezug auf Kampagnen wie die Zwei-Euro-Aktion von Misereor: Der aktuelle „Afrika-Kicker“, für dessen Gestaltung die Agentur Kolle Rebbe mit einem Preis ausgezeichnet wurde, ist einem holprigen Bolzplatz in Afrika nachgestaltet, mit einem Loch und einem Baum im Spielfeld. Für eine Spende von zwei Euro kann man auf dem groben Holztisch auf eine ganz andere Art Tischfußball spielen. Ein Setzkasten mit 50 traditionellen Reissorten aus Indien stellt die Organisation Navdanya vor, die das Verbot der Patentierung lebender Organismen fordert.

Termine im Museum der Brotkultur

Am 23. November spricht Christina Margenfeld um 19 Uhr im Museum der Brotkultur über ein Projekt für Migrantinnen und Migranten in Honduras. Am 18. Januar kommen mit dem Autor Bert Beyers und Robert Kappel vom GIGA-Institut für Afrika-Studien zwei Männer ins Museum der Brotkultur, die den Marschall-Plan für Afrika kontrovers diskutieren werden. Am 5. Dezember um 14.30 Uhr findet ein Nikolausbacken für Kinder statt, „selber drucken wie Gutenberg“ dürfen kleine Gäste am 28. November und am 23. Januar jeweils ab 14.30 Uhr.

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