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Bildung

16.10.2017

Wie sieht die Hochschule der Zukunft aus?

Zuhörer und die Teilnehmer auf dem Podium diskutierten angeregt über die Zukunft der Hochschulen.
Bild: Willi Baur

Experten und Zuhörer diskutieren bei einem Forum der Universität Ulm. Sie überlegen, ob es einen Studiengang für Handwerksberufe geben könnte – und wie Lehre und Forschung finanziert werden

Die Rückblicke im Jubiläumsjahr sind abgehakt, jetzt geht der Blick voraus: Bei ihrem „Zukunftsforum“ im Kornhaus beschäftigte sich die Universität Ulm mit der Entwicklung der Hochschul-Landschaft im Allgemeinen und ihrer eigenen im Besonderen. Fraglos ein ambitioniertes Unterfangen angesichts der Rahmenbedingungen: Sieben hochkarätige Diskutanten auf dem Podium, ein versierter, gerne auch mal provokanter Moderator und ein diskussionsfreudiges Auditorium, dem allerdings nach 120 Minuten aus Zeitgründen „der Stecker gezogen“ wurde. Der persönliche Austausch danach im Foyer sollte nicht zu kurz kommen.

Dabei hatten sich die historischen Momente in der Podiumsdebatte wunschgemäß auf die Begrüßung beschränkt: Hans Hengartner erinnerte als Vorsitzender der einladenden Ulmer Universitätsgesellschaft (UUG) an die denkwürdige Gründungsfeier der Uni in diesem Saal.

Wie aber wird sie in 50 Jahren ihr nächstes großes Jubiläum feiern? Unter deutlich veränderten Umständen jedenfalls, und dies natürlich nicht auf Ulm beschränkt. So weit waren sich die Experten einig. Beim Fortbestand der Präsenz-Universität wie bei der Entwicklung des Hochschul-Angebots schon nicht mehr. „Die Universitäten entwickeln sich in Richtung Fachhochschule. Brauchen wir im Jahr 2050 überhaupt noch eine Differenzierung? Reicht nicht eine Institution für den gesamten Ausbildungssektor? Warum sollten wir nicht auch Schreiner ausbilden?“, fragte etwa Ulrich Simon, Forschungsleiter der Carl Zeiss AG. „Da möchte ich doch vehement widersprechen“, entgegnete der Ulmer Uni-Präsident Professor Michael Weber, einen Schreiner-Studiengang werde es künftig in Ulm nicht geben.

Vielmehr sei die bislang funktionierende Differenzierung bei den Hochschularten gerechtfertigt und sollte nicht verwässert werden. Bei den Studieninhalten allerdings gibt es offenbar dringenden Handlungsbedarf. Das vorhandene Wissen sei schon weitgehend kostenlos im Internet verfügbar, müsse insofern nicht mehr mit hohem Aufwand vermittelt werden, befand Zeiss-Mann Simon. „Stattdessen muss die Uni Persönlichkeiten prägen und entwickeln.“ Dafür seien jedoch Lehr-Universitäten der vollkommen falsche Weg. Erkenntnisse müssten aus der Forschung heraus in die Lehre einfließen.

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer meinte: „Die Uni muss sich verändern. Es läuft nicht alles gut.“ Vor allem sollte ein Studium den richtigen Umgang mit der Informationsvielfalt vermitteln. Denn: „Der Umgang mit Wissen wird wichtiger.“

Tobias Dlugosch, Student der Elektrotechnik in Ulm, hatte ebenfalls Defizite erkannt und beklagte: „Ein Bachelor-Studium ist reine Wissensvermittlung.“ Zu kurz kommen dagegen Kompetenzen für Problemlösungen. Sein Vorschlag: ein Studium generale. Professorin Martina Brockmeier, Vorsitzende des Wissenschaftsrates, mochte das nur bedingt akzeptieren: „Die Kritik ist mir bekannt und verständlich. Aber mit mehr Abstand zum Studium wird für Absolventen das Grundlagenwissen immer wichtiger.“ Sie forderte „eine Ausbalancierung von Forschung und Lehre“. Wobei sie sehr wohl wisse: „Forschung bringt Reputationsgewinn, Lehre vor allem mehr Arbeit.“

Unabhängig davon sprach sich die Präsidentin der Berliner Humboldt-Universität, Professorin Sabine Kunst, für „eine neue Beziehung zwischen Hochschullehrern und Studierenden“ aus. Die Verfügbarkeit von Wissen sei in allen Fächern unglaublich gestiegen, der Umgang damit ebenfalls. Student Dlugosch: „Der Austausch ist deswegen weiter wichtig, ihn kann keine Online-Vorlesung ersetzen.“ Dabei könnte eben dieser Austausch künftig überall in der Stadt erfolgen, mutmaßte der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch. Seine Prognose: „Wissen wird enträumlicht.“ Leben, Studieren und Arbeiten werde sich verstärkt auch in Quartiere fernab des Campus verlagern. Die hier entstehenden „Kraftzentren“ seien für die Stadt wichtig.

Die Finanzierung der Hochschulen kam am Rande der intensiven Diskussion zur Sprache, wenngleich ohne konkrete Prognosen. Aber: „Bildung ist nicht umsonst“, stellte Ministerin Bauer fest, „die Debatte über Gebühren zur Finanzierung müssen wir führen.“

Bezogen auf die Uni Ulm empfahl deren Altrektor Professor Karl Joachim Ebeling noch eine weitere Fragestellung: „Was können wir tun, damit die Region noch mehr vom Austausch mit der Wissenschaft profitiert?“

Konkrete Visionen waren in der Schlussrunde gefragt. Vor allem Ministerin Bauer holte sich mit ihrer Wunschvorstellung von einem Besuch der Uni Ulm im Jahr 2067 den stärksten Applaus: „Dort feiert man sich gerade als ‚Uni der Herzen’. Gewonnen hat sie den Wettbewerb mit der Entwicklung von Autos, die emissionsfrei, mit erneuerbaren Energien und untereinander komplett vernetzt zu ihr hinauf und in die Stadt fahren.“

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