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Pfaffenhofen

01.02.2019

Zweckverband muss wegen Klärschlamm-Entsorgung mehr investieren

Wegen neuer Grenzwerte darf Klärschlamm nicht mehr landwirtschaftlich verwertet werden. Deshalb will der Abwasserzweckverband Mittleres Rothtal künftig gepressten Klärschlamm entsorgen lassen.
Bild: Alexander Kaya (Archivfoto)

Veränderte Vorgaben auf Bundesebene schlagen auf den Haushalt des Abwasserzweckverbandes Mittleres Rothtal durch. Das Klärwerk braucht neue Anlagen.

Die vor knapp vier Jahren auf Bundesebene geänderte Düngemittelverordnung wirkt sich auch auf die Arbeit des Abwasserzweckverbands Mittleres Rothtal aus. Bei der Verabschiedung des aktuellen Haushalts kamen am Dienstagabend im Pfaffenhofer Rathaus erste Zahlen zu den Folgekosten zur Sprache. Wie Bürgermeister Josef Walz als Verbandschef und Kämmerin Katrin Müller-Gau bei der Verbandsversammlung berichteten, darf der Klärschlamm wegen neuer Grenzwerte jetzt nicht mehr landwirtschaftlich verwertet werden, sondern ist anderweitig zu entsorgen. „Eine thermische Verwertung ist das Gebot der Stunde“, sagte Walz. Heißt: Der Klärschlamm wird verbrannt.

Der Verbandschef berichtete, dass ein Entsorger zur Abnahme gepressten Klärschlamms parat stünde. Allerdings benötigt das Pfaffenhofer Klärwerk nun eine Zentrifuge zur Entwässerung, eine Schneckenpresse und ein Gebäude zur Unterbringung der Anlagen. 700000 Euro sind dafür für die Jahre von 2020 an veranschlagt, ein Großteil davon im Haushalt des nächsten Jahres. Im laufenden Jahr rechnen die Verantwortlichen mit Planungskosten in Höhe von 200.000 Euro.

Nur dieser Betrag wird auch auf den aktuellen Etat des Verbands durchschlagen, auf die Kanalbenutzungsgebühren dagegen zunächst nicht. Denn die sind der Kämmerin zufolge bis 2020 kalkuliert und festgeschrieben. Dass der Verwaltungshaushalt gleichwohl um 200.000 Euro auf ein Gesamtvolumen von ungefähr 1,3 Millionen steigt, resultiert nach ihren Angaben unter anderem aus der kompletten Veranschlagung der Personalkosten beim Zweckverband. Bisher waren diese teilweise dem Markt zugeordnet.

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Die Schulden sollen auf 420.000 Euro reduziert werden

Nennenswert zu Buche schlagen ferner unter anderem einige Sanierungsmaßnahmen und höhere Kosten für die Klärschlammentsorgung. Im Vermögensetat, aus dem die Investitionen finanziert werden, sind noch weitere Vorhaben aufgelistet. Sein Volumen steigt damit um rund 330.000 auf 1,48 Millionen Euro. Zugleich sollen die Schulden um 62.000 auf etwa 420.000 Euro reduziert werden. Ähnlich hohe Tilgungen gab es schon in den Vorjahren. „Das schafft Freiräume für eventuell künftig notwendige Finanzierungen“, sagte Walz.

Größere Freiräume hat er jetzt auch bei der Vergabe von Aufträgen. Um insbesondere bei Erschließungsmaßnahmen zügige Abläufe ohne eine Vielzahl an Sitzungen zu ermöglichen, hat das Gremium eine Änderung der seit fast 17 Jahren geltenden Geschäftsordnung beschlossen. Demnach kann der Verbandsvorsitzende etwa Bauaufträge und Instandsetzungsarbeiten von im Einzelfall bis zu 100.000 Euro Wert selbst vergeben, natürlich unter Beachtung der Vergabevorschriften. Die bisherige Praxis mit pauschalen Ermächtigungen durch die Verbandsversammlung wurde offenbar von der Rechtsaufsicht beanstandet. „Dabei ist es jahrzehntelang gut gegangen“, sagte Walz schmunzelnd.

Zufrieden äußerte sich auch Weißenhorns Bürgermeister Wolfgang Fendt: „Eine so unaufgeregte Haushaltsberatung zeigt doch, dass der Vorsitzende und die Verwaltung gute Arbeit geleistet haben.“

Info: Zahlen und Fakten zum Haushalt 2019

Mitglieder des Abwasserzweckverbandes Mittleres Rothtal sind der Markt Pfaffenhofen und die Stadt Weißenhorn, deren Ortsteil Attenhofen eingebunden ist. Gemessen an den Abwassermengen des Jahres 2017 sind die südlichen Nachbarn eher ein Juniorpartner: Rund 191.000 Kubikmeter entfielen damals auf den Markt, knapp 35.000 auf Attenhofen. In der Verbandsversammlung ist Pfaffenhofen mit elf Ratsmitgliedern vertreten, die Fuggerstadt mit fünf.

Besonders dicke Brocken im Vermögenshaushalt sind in diesem Jahr neben den Planungskosten im Zusammenhang mit der Klärschlammentsorgung verschiedene Erschließungsmaßnahmen, bei denen die Entwässerung jeweils vom Zweckverband übernommen wird. So sind allein für das neue Wohngebiet „Hasenäcker“ in Pfaffenhofen 400 000 Euro veranschlagt, 80 000 Euro für verschiedene Erweiterungen im Verbandsgebiet. Die Erneuerung des Mischwasserkanals im Zusammenhang mit dem Umbau des nördlichen Teils der Hauptstraße ist mit 175 000 Euro budgetiert. Diese Arbeiten hat das Gremium nun an ein Unternehmen vergeben. Beschlossen worden ist ferner die Ersatzbeschaffung eines Werkstattwagens. Der vorhandene ist um die 15 Jahre alt und weist erhebliche Mängel auf. Der neue soll maximal 60 000 Euro kosten und über einen verlängerten Radstand, Allradantrieb und eine Hebevorrichtung verfügen.

Mehr Geschichten aus dem Rothtal finden Sie hier: Mit dem Lama an der Leine unterwegs im Rothtal und Die Dorfrocker kehren 2019 ins Rothtal zurück

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