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Neu-Ulm
08.05.2022

Projekt an der Berufsschule Neu-Ulm weckt die Lust aufs Lesen

Mit Hilfe einer Förderinitiative und in Kooperation mit dem Familienzentrum wurde an der Berufsschule Neu-Ulm das Projekt "Media.Lab" etabliert. Kamiran Salem hat daran große Freude.
Foto: Dagmar Hub

Über "Media.Lab" wurde an der Neu-Ulmer Schule ein Leseclub etabliert. Dort können die Schülerinnen und Schüler auch Hörbücher und Trickfilme verfassen.

Kamiran Salems Augen strahlen. Mit einer Geste weist er auf sechs Freunde, die wie er erst vor relativ kurzer Zeit nach Deutschland kamen, und auf das Container-Klassenzimmer. "Alles, was uns Spaß macht, ist hier", sagt er, und erklärt die "zweite Familie", die die sieben im Media.Lab-Leseclub füreinander wurden, auch gleich mit einem deutschen Sprichwort: "Wir stecken unter einer Decke."

Kein Wort Deutsch habe er gesprochen, als er vor zwei Jahren nach Deutschland kam, erzählt Kamiran - so wie Ahmed, Michael, Hana, Safwan, Andreea und Hiva auch. An der Neu-Ulmer Berufsschule versuchen Lehrkräfte in sehr heterogenen Klassen, solche berufsschulpflichtigen Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen schulischen Vorkenntnissen auf eine Berufsausbildung vorzubereiten.

Berufsschule Neu-Ulm beteiligt sich an Initiative der Stiftung Lesen

Lehrerin Martina Spodareva kam dazu auf die Idee, sich für eine Förderinitiative der bundesweiten Stiftung Lesen zu bewerben, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wird. "Das müsste die Jugendlichen eigentlich ansprechen", habe sie gedacht, als sie von der Initiative las, berichtet sie.

Heute, eineinhalb Jahre später, ist die Neu-Ulmer Berufsschule eine von etwa 100 Bildungseinrichtungen in Deutschland mit Media.Lab. Der Raum, in dem sich der Leseclub mittwochs trifft, wurde von der Stiftung mit Büchern und Zeitschriften (von naturwissenschaftlichen bis zur Bravo) ausgestattet, mit Sprachlern-Gesellschaftsspielen, mit Hörbüchern und Tablets. Auf ihnen haben die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel Filme wie "Emil und die Detektive" angeschaut, nachdem sie Kästners Roman für Kinder gelesen hatten.

Es gibt eine Kooperation mit dem Familienzentrum Neu-Ulm

Die jungen Frauen und Männer können selbst Hörbücher und Trickfilme verfassen und Szenen aus Büchern nachstellen und als Videos drehen, Drehbücher für Kurzfilme schreiben - und es gibt eine Kooperation mit dem Familienzentrum Neu-Ulm und eine Lesepatin. Denn Lesekompetenz vor allem soll vermittelt werden. Wichtig: Sie müssen sich einigen, was sie ausprobieren wollen - auch diese Kompetenz wird gefördert.

"Es hilft sehr gut", sagt Kamiran. "Durch die Bücher kann man sein Lesen verbessern." Und dann, wie er erklärt, besser Entscheidungen treffen. "Man wird ruhiger, wenn man versteht, wie Dinge funktionieren." Eine Lesenacht hätten die Berufsschülerinnen und -schüler gerne, bevor sie nach zwei Jahren zu den Sommerferien die Schule verlassen.

Und sie wünschen sich, einen regelmäßigen Termin zu finden, an dem sie ihrer Begeisterung für die Beschäftigung mit Texten weiter nachgehen können, wenn sie nicht mehr berufsschulpflichtig sind. Offen aber ist der Leseclub auch für andere Gleichaltrige, die ihr Deutsch verbessern wollen und die Spaß haben, zum Beispiel deutsche Sprichwörter zu verstehen und in Fotografien nachzuerzählen oder Medienkompetenz in Workshops zu erlangen.

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