Das Problem ist in Ulm an vielen Ecken zu erkennen: Sonnenschirme werden immer öfter zu "Kackschirmen". Rund um den Albert-Einstein-Platz ist das besonders gut zu sehen. Auch im Abgang zur Passage erleichtern sich die Tiere gerne direkt am Albert-Einstein-Zeitstrahl. Außerdem hängt ihnen das Gerücht nach, sie würden Krankheiten übertragen. Allerdings ist Letzteres ein urbaner Mythos. Das Problem des "Hungerkots" allerdings nicht.
Eine gesundheitliche Gefährdung durch Tauben ist nicht größer als die durch Zier- und Wildvögel. Diese Aussage wurde 1997 durch das heutige Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin bestätigt. Das ändert aber nichts an ihrem Spitznamen "Ratten der Lüfte". Nun will die Stadt Ulm die Tiere besser versorgen - was nicht einfach wird.
Wer soll das Taubenhaus betreuen?
Der Stadt Ulm sei bewusst, dass die zahlreichen Tauben in einer Großstadt zu Verärgerung und Konflikten mit den Stadtbewohnern und Gewerbetreibenden führen, sagt Pressesprecherin Marlene Müller auf Nachfrage. Das reine Fütterungsverbot reiche einfach nicht. Nun werde die Etablierung einer zentralen Heimat für das Federvieh in Erwägung gezogen – ein Taubenhaus. Als Standort ist das Parkhaus Deutschhaus angedacht. Wie es dort konkret eingerichtet werden könnte, werde derzeit geprüft.
Kein einfaches Unterfangen. Ein Taubenhaus müsse nicht nur rund um die Uhr gut zugänglich sein, es erfordere auch eine intensive Betreuung. Mit dem Füttern geht es los. Doch auch die Kontrolle der Fortpflanzung müsste zur Aufgabe des Personals gehören. Eine Aufgabe, die man nicht einfach so mal an die Ulmer Parkbetriebsgesellschaft delegieren kann, die für das Deutschhaus zuständig ist. Konkret geht es um das Ersetzen der Taubeneier durch Gips-Attrappen. Doch auch die Reinigung und das Kümmern um möglicherweise verletzte Tiere gehört zur Arbeit. "Sprich, es ist keine Aufgabe, die sich nebenbei erledigen lässt", sagt Müller. Die Stadt möchte bei ihren Überlegungen die örtlichen Tierschützer einbeziehen.
Augsburg gilt in Sachen Tauben im Gegensatz zu Ulm als vorbildlich
Der Freundeskreis Taubenhilfe Ulm fordert schon seit über zehn Jahren, dass die Stadt Taubenschläge nach dem Augsburger Modell baut. In Ulms östlicher Nachbarstadt gilt der Umgang mit den Vögeln als vorbildlich. Seit 25 Jahren werden hier Taubenschläge betreut. Im Taubenschlag in Augsburg-Oberhausen werden pro Jahr 700 bis 800 Eier ausgewechselt.
Die Stadttaubenhilfe Ulm hat im Februar dieses Jahres eine Petition gestartet und fordert ein Gleichgewicht zwischen den tierschutzrechtlichen Aspekten und den städtischen Interessen. Gutes Taubenmanagement, heißt es in der Petition, habe genau die gewünschten Effekte. Durch regelmäßiges Füttern im Schlag und Austausch der Eier werde der Bestand nachhaltig verringert und gesund erhalten. Die Forderung der Taubenfreunde geht über ein einziges Taubenhaus hinaus.
Taubenhäuser an vielen Stellen in Ulm gefordert
Die Stadt müsse endlich Standorte an sämtlichen "Hotspots" bereitstellen: Ehinger Tor, Hirschstraße, Sedelhöfe/Bahnhof, Münsterplatz und Blaubeurer Straße. Auch das Kot-Problem würde sich damit aus Sicht der Taubenfreunde verringern: Denn Tauben seien reine Körnerfresser, schreibt die Petitions-Initiatorin, Daniela Göster aus Blaustein. Die von Menschen weggeworfenen Lebensmittel nehmen sie demnach nur notgedrungen auf, weil es für sie in der Stadt so gut wie keine Körner zu finden gibt. Dies führe bei den Tauben zu Krankheiten und dem sogenannten Hungerkot, der in vielen Städten zu sehen ist und ein ästhetisches Problem darstellt.
Göster, einer 22-jährigen Kinderpflegerin, sei "völlig klar", dass sich so viele Taubenhäuser nicht so schnell umsetzen ließen. Doch in Anbetracht von 2500 Tauben im Ulmer Stadtbezirk - eine geschätzte Zahl der Taubenfreunde - sei eine Unterkunft ein Tropfen auf den heißen Stein. "Aber ein guter Anfang." Ein Taubenhaus könne im Schnitt 200 Tiere versorgen. So viele, wie laut Göster am Ehinger Tor leben. Eine Vogel-Unterkunft hier wäre "sehr sinnvoll". Göster habe bereits der Stadt Ulm ihre Mithilfe angeboten - doch das Schreiben sei unbeantwortet geblieben.