Die Landesgartenschau soll die graue Autoschneise B10 durch einen grünen Streifen ersetzen. Viele Ideen sind aufgeploppt, manche sind schon jetzt beerdigt oder sehr unrealistisch geworden. Was wird wirklich kommen? Eine erste Antwort sollen Planerinnen und Planer geben, die Vorschläge für Ulm abgeben. So geht es weiter.
42 Hektar groß ist die Fläche, beinahe so viel wie 60 Fußballfelder. Nicht nur wegen dieser Größe, sondern auch wegen der Auswirkungen auf die Stadt sehen die Verantwortlichen im Rathaus eine extrem anspruchsvolle Aufgabe. Baubürgermeister Tim von Winning spricht vom größten Wettbewerb in seinem Berufsleben. Bis Ende des Monats müssen die Bewerbungen eingehen. Sechs Büros hat die Stadt direkt eingeladen, maximal 30 dürfen insgesamt teilnehmen. Sie werden am 12. September ausgewählt. Ende Januar 2023 müssen die Wettbewerbsarbeiten bei der Stadt abgegeben werden, am 10. und am 11. März tagt ein mit teils externen Fachleuten besetztes Preisgericht.
Planer sollen Ideen für die Landesgartenschau 2030 in Ulm liefern
Die Mitglieder des Gemeinderats sehen mit einer Mischung aus Vorfreude und Respekt auf die weiteren Entwicklungen. Reinhard Kuntz (FWG) fürchtet, man besteige einen gewaltigen Berg mit Flip-Flops. Immerhin sei die wirtschaftlich unverhältnismäßige Seilbahn auf die Wilhelmsburg vom Tisch – offiziell ist sie das nach der Beschlusslage allerdings noch nicht. Die Kosten müssten unbedingt unter Kontrolle bleiben, mahnt Kuntz. Günter Zloch (CDU/UfA) freut sich auf mehr Freiflächen und mehr Grün, mögliche weitere Hochhäuser rund ums Universum Center lehnt er ab: "Das ist nicht die Zukunft." Banu Öner (Grüne) wünscht sich eine Möglichkeit, die Wilhelmsburg auch nach der Schau ohne Auto zu erreichen und eine ansprechende Gestaltung des Areals am Ehinger Tor: "Auch das ist ein Tor in die Innenstadt." Martin Ansbacher sagt für die SPD: "Wir haben Respekt vor dieser Aufgabe, sind aber auch jedes Mal wieder euphorisch."
Der Tunnel unter dem Blaubeurer Tor ist für den Baubürgermeister einer der zwei wichtigsten Punkte – neben der Frage, wie die Wilhelmsburg besser mit der Stadt verbunden werden kann. Sie soll besser erreichbar werden und besser zu sehen sein. Mehrere Seilbahnvarianten für die Erschließung sind aber vom Tisch, die Zahnradbahn als letzte verbliebene ist teuer und umstritten. Ende des Jahres will der Bauausschuss über Möglichkeiten diskutieren, wie die Menschen künftig zur Wilhelmsburg gelangen können. Damit die Perspektive auf die Burg frei wird, müssten Bäume gefällt werden. Das ist erstens wegen des Naturschutzes schwierig und wirkt zweitens ausgerechnet bei einer Gartenschau auf viele unpassend. "Es wird eine Aufgabe sein, zu schauen, wie man mit vorsichtigen Mitteln an einzelnen Stellen Sichtachsen hinbekommt", formuliert Tim von Winning. Auch beim Tunnel wird die Optik kompliziert: Bei der Einfahrt machen Lärmschutzvorgaben Wände erforderlich, die "stadtverträglich" gestaltet werden sollen. Sprich: optisch so ansprechend, wie es eben möglich ist.
Wilhelmsburg und Blaubeurer-Tor-Tunnel als Schwerpunkte
Es ist eine Gartenschau, durch die nicht nur neue Parks entstehen sollen. "Wir nehmen uns die größten bestehenden Wunden der Nachkriegszeit vor", kündigt der Baubürgermeister an. Er gibt sich entspannt: "Wenn wir ein paar der Dinge, die wir uns vornehmen, nicht bis 2030 schaffen, dann machen wir sie eben 2033 oder 2034." Er sieht auch bei den Kosten keine unüberwindbaren Schwierigkeiten. Fast alles, was man vorhabe, müsse ohnehin getan werden – Landesgartenschau hin oder her.
Planungsschwerpunkte sind die Kienlesbergbastion und der Burggraben, wo die Zahnradbahn oder ein Weg verlaufen könnten, die wenig attraktive Unterführung unter der Söflinger Straße, die Haltestelle Ehinger Tor, das Areal rund um das Scholl-Gymnasium, die Wege zwischen Ehinger Anlage und Donau sowie die Lärmschutzwände am Tunnel.