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Ulm
08.01.2022

Studie zu Zelltherapie gegen Lymphdrüsenkrebs an der Uniklinik Ulm weckt Hoffnungen

Eine klinische Studie, an der die Uniklinik Ulm beteiligt ist, macht Patienten mit Lymphdrüsenkrebs Hoffnungen.
Foto: Alexander Kaya (Archivfoto)

Die Wirksamkeit ist laut Ärzten erstaunlich, Nebenwirkungen sind gut behandelbar. So läuft die Studie zu einer neuen Therapie gegen Maligne Lymphome in Ulm.

Maligne Lymphome sind bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems, die meist bei älteren Patientinnen und Patienten auftreten. In vielen Fällen ist die Schwellung eines Lymphknotens erstes Symptom der Erkrankung, die umgangssprachlich Lymphdrüsenkrebs genannt wird. Es existieren viele unterschiedliche Formen von malignen Lymphomen, das sogenannte follikuläre Lymphom ist eines der häufigsten Varianten. Eine internationale Studie mit Beteiligung der Ulmer Universitätsmedizin zeigt nun eine erstaunliche Wirksamkeit der innovativen CAR-T-Zelltherapie mit dem Medikament Tisagenlecleucel auch bei weit fortgeschrittener Erkrankung.

Grundpfeiler der Behandlung eines follikulären Lymphoms ist die Immun-Chemotherapie, bei der die konventionelle Chemotherapie mit einem monoklonalen Antikörper kombiniert wird. Chimäre Antigenrezeptor-T-Zellen (CAR-T-Zellen) stellen eine neuartige zelluläre Form der Immuntherapie in der Behandlung von Tumorerkrankungen dar. Bei der CAR-T-Zelltherapie handelt es sich um eine individualisierte Behandlung, bei welcher aus dem Blut der einzelnen Patientinnen und Patienten T-Lymphozyten gewonnen werden. Diese Zellen werden gentechnisch so verändert, dass sie sich gegen spezifische Moleküle auf der Oberfläche von Tumorzellen richten und diese zerstören.

Professor Dr. Andreas Viardot ist Leitender Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum Ulm.
Foto: Universitätsklinikum Ulm

Das Medikament Tisagenlecleucel ist eines der ersten CAR-T-Zellprodukte, das gegen eine CD19-Antigen genannte Tumorzelle auf malignen Lymphomen gerichtet ist und im Jahr 2018 zur Behandlung des fortgeschrittenen hochmalignen Lymphoms zugelassen wurde. Eine internationale Studie mit Beteiligung der Ulmer Universitätsmedizin untersuchte jetzt Tisagenlecleucel bei 98 Patientinnen und Patienten mit follikulärem Lymphom. Die Studie zeigte eine erstaunliche Wirksamkeit, mit einem Gesamtansprechen von 86 Prozent bei weit fortgeschrittener Erkrankung. Hauptnebenwirkung der CAR-T-Zelltherapie ist eine systemische Entzündungsreaktion, die bei etwa der Hälfte der Patientinnen und Patienten auftrat, aber gut behandelt werden konnte.

Ulmer Studie wurde in renommierter Fachzeitschrift veröffentlicht

"Die individualisierte oder personalisierte Medizin mittels der CAR-T-Zelltherapie hat sich in den letzten Jahren vor allem bei den malignen Lymphomen rasant entwickelt. Wir sind froh, dass wir bei dieser Entwicklung beteiligt sind und vielen unserer Patientinnen und Patienten diese neue Form der zellulären Immuntherapie im Rahmen von klinischen Studien anbieten können", erläutert Professor Dr. Andreas Viardot, Leitender Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin III und Co-Autor der klinischen Studie, die jetzt in der renommierten Zeitschrift Nature Medicine publiziert wurde. "Aufgrund der Komplexität des Behandlungsverfahrens wird die CAR-T Zelltherapie nur an hochspezialisierten Zentren wie der Ulmer Uniklinik durchgeführt", ergänzt Professor Dr. Hartmut Döhner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin III.

Uniklinikum Ulm an Fortschritt zugunsten von Krebspatienten beteiligt

Die Erforschung der zellulären und molekularen Grundlagen der Lymphom- und Leukämieentstehung sowie die Entwicklung neuer Medikamente für eine personalisierte Behandlung von Lymphom- und Leukämie-Patientinnen und -Patienten ist seit vielen Jahren ein Schwerpunkt der Ulmer Universitätsmedizin. "Die Immuntherapie von Lymphom- und Leukämieerkrankungen, aber auch von vielen anderen Krebserkrankungen ist ein relativ neues, aber ein sich sehr dynamisch entwickelndes Gebiet in der Onkologie. Einmal mehr können wir über Fortschritte für unsere Patientinnen und Patienten berichten, an denen die Universitätsmedizin Ulm beteiligt war", sagt Professor Thomas Wirth, Dekan der Medizinischen Fakultät an der Universität Ulm. Man sei sehr stolz, dass das Team der Klinik für Innere Medizin III immer wieder maßgeblich an der Erforschung und Entwicklung solch innovativer Therapieansätze beteiligt sei, betont Professor Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Ulm. Die Ergebnisse der Studie wurden in der aktuellen Ausgabe von Nature Medicine veröffentlicht. (AZ)

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