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Neuburg

11.10.2017

Auf dem Wohnungsmarkt in Neuburg fehlt’s hinten und vorne

Der Ruf nach mehr Sozialwohnungen in Neuburg wird immer lauter. Nach Angaben der Caritas gibt es derzeit in der Stadt 139 Sozialwohnungen, von denen in den nächsten zehn Jahren über 100 Wohnungen die soziale Bindung verlieren. 
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Der Ruf nach mehr Sozialwohnungen in Neuburg wird immer lauter. Nach Angaben der Caritas gibt es derzeit in der Stadt 139 Sozialwohnungen, von denen in den nächsten zehn Jahren über 100 Wohnungen die soziale Bindung verlieren. 

Sozialverbände und Politik diskutieren über den angespannten Immobilienmarkt. Die Veranstaltung im Landratsamt gerät zeitweise aus den Fugen.

Wie sehr das Thema brennt, hat der brechend volle Sitzungssaal im Landratsamt in Neuburg am Dienstagabend gezeigt. Wohnraum ist in der Region zur Mangelware geworden. Und bei den steigenden Bau-, Grundstücks- und Mietkosten ist er für immer mehr Menschen ein Luxusgut, das sich einige schon jetzt nicht mehr leisten können. Was also tun, fragten die Sozialverbände im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Sie diskutierten mit Lokalpolitikern und den Zuhörern mögliche Wege aus der Misere. Dabei kochten die Emotionen einiger Besucher so hoch, dass einer zeitweilig des Saales verwiesen wurde.

Im Grunde fehlt es an allen Ecken und Enden. Zu wenig Bauplätze. Zu wenig Baumöglichkeiten. Vor allem aber zu wenig Wohnungen. Und da mangelt es am unteren Ende der Mietpreisskala. Und deshalb forderten einige Zuhörer von Anfang an – da hatte die Podiumsdiskussion noch gar nicht begonnen – Antworten auf die Frage nach Sozialwohnungen.

Zuvor hatte Hans-Peter Wilk, Geschäftsführer des Caritas-Verbandes Neuburg-Schrobenhausen, die Sozialwohnungslage kurz skizziert: Von den noch bestehenden 139 Sozialwohnungen der Stadt Neuburg fallen in den kommenden zehn Jahren über 100 aus der sozialen Bindung. „Eine Umfrage unter Vermietern hat ergeben, dass nur rund zehn Prozent von ihnen an Menschen vermieten wollen, die mit sozialer Grundsicherung leben. Und von diesen zehn Prozent werden wieder nur zehn Prozent der Wohnungen als angemessen eingestuft.“

Ein Lösungsansatz kommt aus Schrobenhausen. Mit dem Projekt „Wohnraumaktivierung“ mietet die Stadt Leerstände an und vermietet sie an sozial Schwache weiter. Da die Stadt Mieter sei, so Bürgermeister Dr. Karlheinz Stephan, würden Ängste bei den Vermietern abgebaut und die Bereitschaft zum Vermieten gesteigert. Neuburg wolle selbst in der Nördlichen Grünauer Straße bis zu 200 Sozialwohnungen bauen, berichtete Oberbürgermeister Dr. Bernhard Gmehling. „Aber wir kämpfen gegen die ablehnende Haltung einzelner Grundstückseigentümer und gegen überbordende Verordnungen, die das Bauen so sehr verteuern, dass die anvisierten Mietpreise nicht gehalten werden können.“ Karl Seitle, Bürgermeister von Karlshuld, sah die Gemeinden mit dem sozialen Wohnungsbau überfordert. „1990 hat es in Deutschland drei Millionen Sozialwohnungen gegeben, heute ist es nur noch die Hälfte.“

Landrat Roland Weigert bedauerte, dass die zentral Verantwortlichen für die Misere, die er bei Bund und Land sieht, nicht anwesend gewesen seien. Der Bund müsse mehr Mittel zur Verfügung stellen. Denn er sei es ja auch, der die Vorgaben beim Planen und Bauen in die Höhe schraube.

Zentraler Kritikpunkt einiger Zuhörer war die Notunterkunft in der Neuburger Richard-Wagner-Straße. In dem ehemaligen Seniorenheim würden zu überhöhten Mieten die Menschen eingepfercht wie Schweine, so Markus Gruber, der sich nach 23 Jahren seine Mietwohnung nicht mehr leisten konnte und auf der Straße stand. Mit diesen Zimmern werde seiner Meinung nach abkassiert. „Zwei Personen auf 20 Quadratmeter. Und für jeden werden 430 Euro im Monat gezahlt und noch einmal 30 Euro für den Strom.“ Da die Stadt die Unterkunft, die über einen gemeinnützigen Verein vermittelt wird, bezuschusst, versprach Gmehling eine Prüfung des Sachverhalts.

Eine interessante Idee unterbreitete Michael Wittmair. Der Neuburger Geschäftsmann schlug vor, einen Selbstbauverein in Form einer Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachhaltiges Wohnen zu gründen, über den die Mitglieder in Eigenregie Wohnraum schaffen könnten, um darin zu wohnen. Gmehling hatte zwar den Baulandmangel angesprochen, stellte sich aber ebenso wie Weigert als Schirmherr zur Verfügung, sollte die Idee umgesetzt werden.

Fazit der Veranstaltung: Es gibt keine schnelle und keine für alle befriedigende Lösung für die Wohnraumnot. Die sozial Schwachen bleiben als Erste auf der Strecke. Denn in Zukunft werden vermehrt anerkannte Flüchtlinge, Geringverdiener, Alleinerziehende und dann, mit dem geplanten Campus in Neuburg, auch noch Studenten auf dem Wohnungsmarkt im Landkreis um den wenigen Wohnraum kämpfen. Aber zumindest sprechen die Akteure miteinander, selbst wenn es sich manchmal zu einem Streitgespräch entwickelt. Gmehling strebt außerdem eine Petition an, mit der die Baustandards gelockert werden sollen. Und zudem sollen in Neuburg 200 Sozialwohnungen entstehen. Dafür müssen aber zuerst einmal Anlieger und Grundstückseigentümer mitspielen.

Mitstreiter gesucht Wer beim Wohnforum mitarbeiten möchte, kann sich beim Caritas-Verband melden (info@caritas-neuburg.de).

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