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Neuburg

22.12.2020

Brettspiele – für einen Neuburger mehr als eine Weihnachtstradition

Brettspiele sind seine Welt: Florian Herold und seine Familie besitzen rund 15.000 Spiele, 200 bis 300 neue kommen jährlich dazu. Er will die ganze Sammlung in Neuburg zusammentragen und irgendwann ein interaktives Museum damit aufmachen.
Bild: Dorothee Pfaffel

Plus Brettspiele sind eines der beliebtesten Weihnachtsgeschenke. Der Neuburger Florian Herold spielt schon sein ganzes Leben. Er und seine Familie besitzen 15.000 Spiele. Wie es dazu kam.

Es ist Heiligabend. Aber bis das Christkind kommt und die Geschenke bringt, dauert es noch. Bei vielen Familien ist es Tradition, die Zeit bis zur Bescherung mit Spielen zu überbrücken. So auch bei Familie Herold. Brettspiele zu spielen ist für diese Familie aber viel mehr als nur ein Mittel, um die Zeit totzuschlagen. „Es ist für mich eine Lebensphilosophie“, sagt Florian Herold, der gebürtig aus Göttingen stammt und 2005 der Liebe wegen nach Neuburg gezogen ist. Bekannt ist er in Neuburg als Stadtrat und durch seine Arbeit im Kinopalast. Was weniger Menschen wissen: Die Familie Herold besitzt, verteilt auf mehrere Orte, rund 15.000 Spiele. Wahrscheinlich eine der größten Sammlungen in Deutschland, wie Florian Herold selbst schätzt. Manche der Spiele seien 100 Jahre alt und sehr wertvoll. Zu Weihnachten erzählt der Spieleliebhaber und -autor, woher diese Leidenschaft kommt.

In Florian Herolds Besitz befinden sich auch alte Spiele. Manche davon wurden immer wieder neu aufgelegt, wie etwa „11er raus“. Kartenspiele sind sehr beliebt.
Bild: Dorothee Pfaffel

Um die Passion des 41-Jährigen zu verstehen, muss man die Familiengeschichte kennen. Florian Herolds Vater Wieland ist ebenfalls begeisterter Spieler. Und nicht nur das. Er saß von 1995 bis 2019 in der Jury für das Spiel des Jahres, hat selbst eine Spielezeitschrift herausgegeben und etliche Spiele rezensiert. Deshalb bekam die Familie stets Spiele zugesandt, um sie zu testen. Gespielt wurde jeden Sonntag und zwei- bis dreimal unter der Woche. An Heiligabend besonders exzessiv. Nicht nur am Nachmittag, sondern auch nach der Bescherung, zu der die vier Kinder natürlich oft Spiele geschenkt bekamen.

Meist wählte Florian Herolds Vater ein Spiel aus

Meist wählte Vater Wieland dann eines aus. Es musste mehrere Kriterien erfüllen, erzählt Florian Herold. Das Spiel sollte eines sein, das die Familie noch nie vorher gespielt hatte, das sechs bis acht Personen gleichzeitig spielen konnten und das für jeden geeignet war. Auch für die weniger spielbegeisterte Mutter und Schwester und sogar für die Großeltern. Das Besondere am Weihnachtsspieleabend war nämlich genau das: Dass auch diejenigen Familienmitglieder mitmachten, die sonst eher abgeneigt waren. „Meine Mutter wollte immer mit jemandem zusammen ein Team bilden, damit sie selbst nicht richtig spielen musste“, erzählt Florian Herold und lacht. Das konnte er nie verstehen, ebenso wenig, wenn die Mutter während des Spielens plötzlich in der Küche verschwand und gar keinen Ehrgeiz zeigte, zu gewinnen.

Auch Würfel in allen Formen und Farben gehören zu Herolds Sammlung.
Bild: Dorothee Pfaffel

Florian Herold hat ganz klar die Begeisterung des Vaters geerbt. Wenn er sich zwischen den vollen Regalen im Keller bewegt und über Brettspiele spricht, beginnt er zu strahlen, redet schneller und schneller. Bei seinen Schilderungen springt er von einem Spiel zum nächsten und erklärt komplizierte Mechanismen so, als ob sie das Einfachste der Welt wären. Schon früh hatte er Prototypen von Spielen in der Hand, die teils nie auf den Markt kamen. Bereits im Alter von zehn Jahren habe er alle wichtigen Menschen der Spielebranche gekannt, erzählt der Neuburger weiter. Mit seinem Vater und seinen zwei Brüdern nahm er mehrmals an der Deutschen Brettspielmeisterschaft teil. Da wundert es einen nicht, dass Florian Herold mit 18 Jahren seinen eigenen Spieleladen eröffnete. Ein paar Jahre später saß er im Vorstand der Deutschen Spiele AG.

Die Ideen für Spiele gehen dem Neuburger Florian Herold nicht aus

2005 zog er sich dann etwas aus der Branche zurück und beschränkte seine Tätigkeit auf den Verkauf von Spielen auf Messen. Er gründete die Firma „Heroldvision“. Eigene Spiele herausbringen konnte er allerdings erst einmal nicht – so lange nicht, bis sein Vater aus der Jury für das Spiel des Jahres ausgeschieden war. Erst als sich dieser Schritt abzeichnete, gründete Florian Herold 2018 mit seinem jüngeren Bruder Guntram den Spieleverlag „Herold und Herold“. 2019 brachten sie das Spiel „Neuburg: Ottheinrich – Ruhm und Intrige“ heraus, im Frühjahr 2021 soll ein Spiel zu Oldenburg folgen, wo Florian Herolds Eltern und Bruder Guntram wohnen. Die Brüder haben auch noch ein weiteres Spiel in der Pipeline „Völker des Nordens“, ein aufwendiges Strategiespiel, Florian Herolds großer Traum. Und die Ideen gehen dem 41-Jährigen nicht aus. Jeden Abend vor dem Einschlafen denkt er über eine neue Spielidee nach, sagt er.

„Die Macher“ – ein Spiel über Politik, Parteien, Geld und Macht.
Bild: Dorothee Pfaffel

Warum ihn Brettspiele so faszinieren? Das hat mehrere Gründe, auch abseits des familiären Hintergrunds. Wenn er mit fremden Menschen ein Spiel spielt, wisse er danach alles über sie, meint Herold. Denn beim Spielen zeigten die Menschen ihr wahres Ich. Außerdem sei es schön, Menschen durch das Spielen Zeit zu schenken. Herold gefällt der Gemeinschaftsgedanke. Schließlich könne man kaum ein Brettspiel alleine spielen. „Ein Spiel bringt mir erst etwas, wenn ich es teile“, erklärt der Neuburger.

Was man machen sollte, damit der weihnachtliche Spieleabend auch Spaß macht

Damit der weihnachtliche Spieleabend auch allen Spaß macht und nicht im Streit oder mit Frust endet, rät Florian Herold Folgendes: Einer sollte schon vor dem Spielen die Regeln lesen oder ein Erklärvideo dazu ansehen. Am besten sei es, das Spiel währenddessen gleich auszuprobieren. So muss man zwar ein bereits geöffnetes Spiel verschenken, doch dafür erspart man den anderen Spielern unnötiges Warten und Langeweile. Und man zeigt dem Beschenkten, dass man nicht nur Geld, sondern auch Zeit investiert hat.

Für Florian Herold selbst wird es dieses Weihnachten wahrscheinlich schwierig werden, so exzessiv zu spielen wie sonst. Seine Frau Sonja teilt diese Leidenschaft nicht, Sohn Jonathan ist noch zu klein. Und die ganze Familie mit Eltern und Geschwistern wird coronabedingt wohl nicht zusammenkommen können. Bruder Guntram hat vorgeschlagen, heuer statt einem Brettspiel übers Internet ein Computerspiel zu spielen – doch das ist einfach nicht dasselbe.

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