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Neuburg an der Donau

19.10.2017

Dämme werden dicht gemacht

Uta Mentz erklärt das Verfahren (von links): Pressesprecher Jan Kiver von der Rhein-Main-Donau AG, Josef Hubbauer vom Fischereiverein Neuburg und Theodoros Reumschüssel, Pressesprecher Uniper.
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Uta Mentz erklärt das Verfahren (von links): Pressesprecher Jan Kiver von der Rhein-Main-Donau AG, Josef Hubbauer vom Fischereiverein Neuburg und Theodoros Reumschüssel, Pressesprecher Uniper.
Bild: Michael Geyer

Die Bauarbeiten an den Dämmen nahe der Staustufe Bittenbrunn sind in vollem Gang. Große Baumaschinen und ein patentiertes Verfahren sorgen für Aufmerksamkeit

Seit Mitte September sind der Donauübergang beim Kraftwerk Bittenbrunn und die Dämme an der Nord- und Südseite gesperrt. Schon von Weitem sieht und hört man den Grund dafür: Schwere Baumaschinen sind im Einsatz, um den gewachsenen Anforderungen an den Hochwasserschutz Rechnung zu tragen. Derzeit werden die bestehenden Dammbauwerke entlang des Stauraums Bittenbrunn auf 1,1 Kilometer Länge am Nordufer beziehungsweise 2,5 Kilometer Länge am Südufer verstärkt. Dafür muss der Kraftwerksbetreiber Uniper mit drei Millionen Euro Kosten kräftig in die Tasche greifen.

Uta Mentz als leitende Diplomingenieurin und die beiden Pressesprecher Jan Kiver von der Rhein-Main-Donau AG und Theodoros Reumschüssel von Uniper führen durch die Baustelle. Wie Uta Mentz berichtet, laufen seit fast drei Jahren die Vorbereitungen und Planungen. Auch der Dammkern wurde dabei genau vermessen und untersucht, dabei stellte sich heraus, dass das zum Damm aufgeschüttete Material stellenweise eine zu grobe Körnung aufweist. Es wurde, als der Damm vor etwa 50 Jahren gebaut wurde, aus dem Donaubett gebaggert.

In der Regel reicht der Wasserstand der Donau nur bis zum Betonmantel des Schutzbauwerks heran. Auch unterhalb des flussseitigen Damms wird das Donaubett von einer dem Dammprofil folgenden Betonmauer begrenzt. Daran schließt sich noch eine senkrechte Betonwand an, die eineinhalb Meter in die aus der Eiszeit stammende Ablagerungsschicht, der sogenannten Quartärschicht, geht und den Damm zur Flussseite hin abdichtet.

Die Dämme wiesen keinerlei Schäden auf und hätten bisher auch prima gehalten. Aber um selbst bei einem „worst case“ auf der sicheren Seite zu sein, womit der Fall gemeint wäre, dass Hochwasserfluten den Kies und Sand des Damms bis auf Höhe der Betonsicherung wegschwemmen, wird jetzt eine weitere Sicherung eingebracht, bei der das von der Schrobenhausener Firma Bauer Spezialtiefbau patentierte Verfahren MIP (Mixed-in-place) zum Einsatz kommt, erklären die Fachleute.

Um genügend Platz für das etwa 20 Meter hohe Großbohrgerät zu bekommen, muss zuerst einmal die Dammkrone soweit abgeräumt werden, dass sich der Bohrer auf Raupen sicher bewegen kann. Drei gegeneinander drehende Stahlschnecken bohren sich scheinbar mühelos auf eine Tiefe bis zu 8,6 Metern bis in die Quartärschicht in den Damm. Danach wird unter gegenläufigem Drehen der Schneckenbohrer das Material gemischt, aufgebrochen und gelockert, ehe eine zweite ebensolche Bohrung im Abstand von etwa einem Meter von der ersten erfolgt. Eine dritte Bohrung geht schließlich noch in die Überschnittbereiche der ersten zwei Bohrungen und begradigt somit den etwa 40 Zentimeter breiten Bohrschlitz.

Mit dieser Methode wird jedes Wandelement mindestens zweimal von der Dreifachschnecke durchfahren und bearbeitet. Nun wird über die „Seele“ der mittleren Schnecke ein Zement-Bentonit-Gemisch in die durch das Auflockern des Materials entstandenen Hohlräume gedrückt und unter ständigem gegenläufigen Drehen zu einem homogenen Bodenbindemittelgemisch vermengt: Beim Hochziehen des Drillingsbohrers wird der Schlitz nach und nach aufgefüllt und das Gemisch verdichtet.

Zusätzlich wird in den noch weichen Schlitz im Abstand von 3,5 Metern jeweils ein drei Meter langer Doppel-T-Träger eingedrückt. Wenn die Wand nach etwa vier Wochen ausgehärtet ist, verfügt der Damm über einen fugenlosen Dichtkörper, der vom gewachsenen Boden bis zu seiner Krone reicht. Nach den Arbeiten wird die ursprüngliche Dammhöhe wiederhergestellt. Durch dieses Verfahren werden Ressourcen und die Ökologie im sensiblen Auenbereich geschont, weil nur das Bentonit-Zement-Gemisch angeliefert werden muss, Kies und Sand für die Wandherstellung kommen direkt aus der Bohrung.

Da die Bentonit-Zement-Suspension vor Ort gemischt und über Schläuche zum Bohrgerät gepumpt wird, ist das Verfahren schnell und ohne großen Aufwand zu bewältigen. Rund 50 Meter schafft das Bohrgerät an einem Tag. Mit dem Ende der Bohrarbeiten ist gegen Ende des Jahres zu rechnen. Restarbeiten könnten sich noch bis in den Januar hinziehen. Spaziergänger, Radler und Wanderer müssen sich noch etwas gedulden, bis sie wieder freie Bahn haben. Bis dahin bitten die Verantwortlichen dringend, die Absperrungen zu beachten.

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