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Silvester

29.12.2018

Damit es nur am Himmel kracht

Silvester kann so schön sein... Doch es lauern auch zahlreiche Gefahren, die das Böllern zu einem schmerzhaften Erlebnis machen können.

Die Feierlaune zum Jahreswechsel kann schnell kippen. Dann nämlich, wenn ein klassischer Silvesterunfall passiert. Florian Demetz von der Notfallklinik kennt sich damit aus

Bunt und leuchtend erstrahlt um Punkt Mitternacht der Silvesterhimmel. Sektkorken knallen und die Stimmung ist ausgelassen. Doch für so Manchen endet die Feierlaune jäh und das neue Jahr startet in der Notaufnahme. Wie Feiernde gesund durch die Silvesternacht kommen und was im Notfall zu tun ist, erklärt Florian Demetz, Direktor der Notfallklinik und des Rettungszentrums im Klinikum Ingolstadt.

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Was aus der Ferne so schön aussieht, kann in unmittelbarer Nähe gefährlich werden – das Feuerwerk. Die Klassiker bei Silvester-Notfällen sind deshalb vorwiegend Verbrennungen, abgetrennte Finger und Knalltraumata durch Raketen und Böller. „Halten Sie immer einen entsprechend großen Abstand ein, sorgen Sie für eine stabile Abschussrampe für Raketen und werfen Sie Böller weit genug von Ihnen und Umstehenden weg,“ rät Florian Demetz. Und auch Feuerwerk in Kombination mit Alkohol ist nie eine gute Idee. „Überlassen Sie das Abfeuern Personen, die nichts getrunken haben“, so der Notfallmediziner.

Den Böller nicht rechtzeitig auf den Boden geworfen und schon ist es passiert: er explodiert in der Hand! Die Folgen können von Verbrennungen bis hin zu abgetrennten Fingern reichen. Wer „Glück im Unglück“ hatte und nur kleine Verbrennungen an Händen und Fingern davonträgt, sollte sie sofort unter laufendem kalten oder lauwarmen Wasser rund zwei Minuten kühlen. Bei schweren Verletzungen muss umgehend der Rettungsdienst gerufen werden. Abgerissene Finger können meist wieder angenäht werden und sollten daher unbedingt gesucht und den Rettungskräften mitgegeben werden. „Dennoch bleiben fast immer Einschränkungen beim Greifen und Halten,“ weiß Florian Demetz. Besonders gefährlich sind Gewebeschäden, ausgelöst durch den Explosionsdruck. Sie sind nicht sofort erkennbar, führen aber zu Durchblutungsstörungen in der Hand. „Bei einer rechtzeitigen und professionellen Versorgung können aber viele Folgeschäden vermieden werden.“

Damit es nur am Himmel kracht

Geht an Silvester sprichwörtlich etwas ins Auge, sollten beide Augen umgehend mit einer keimfreien Auflage aus dem Verbandskasten abgedeckt werden. Anschließend muss der Notarzt verständigt werden. Meist sind Hornhaut, Bindehaut oder Augenlider betroffen. „Ziehen Sie unter keinen Umständen eigenständig Fremdkörper aus dem Auge,“ warnt der Notfallmediziner. Um Augenverletzungen vorzubeugen, sind Schutzbrillen hilfreich. Das gilt nicht nur für diejenigen, die mit dem Feuerwerk hantieren, sondern auch für Zuschauer. Denn häufig erleiden auch Unbeteiligte Verletzungen.

An Silvester sollten auch die Ohren geschützt werden. Denn ein Silvesterknaller kann eine Lautstärke von bis zu 170 Dezibel erreichen, heißt es in einer Mitteilung des Ingolstädter Klinikums. Das ist lauter als ein Presslufthammer. Ein Knalltrauma kann folgen. „Betroffene haben das Gefühl, nicht mehr hören zu können oder haben extreme Ohrgeräusche. Wenn sich dies nach 24 Stunden nicht ändert, sollte ein HNO-Arzt aufgesucht werden. Dann kann das Innenohr irreparable Schäden erlitten haben,“ so der Ingolstädter Notfallmediziner. Rund 8000 Menschen werden laut der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie jährlich an Silvester durch ein Knalltrauma im Innenohr verletzt. Mehr als ein Drittel leidet langfristig an Ohrgeräuschen oder dem Verlust des Hörvermögens.

Ebenfalls einer der Hauptgründe für einen Besuch in der Notaufnahme in der Silvesternacht: übermäßiger Alkoholkonsum. Er kann bis zur Bewusstlosigkeit führen und damit sehr gefährlich werden. „Wer in der Silvesternacht eine stark alkoholisierte, bewusstlose Person findet, sollte diese ansprechen. Reagiert sie nicht mehr, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage und alarmieren Sie den Rettungsdienst“, rät Florian Demetz. Die Person muss zudem mit Decken oder Jacken warmgehalten werden, um eine Unterkühlung zu vermeiden.

Und noch eine Bitte hat der Notfallmediziner: Die Rettungskräfte müssen ungehindert durch die Straßen fahren können. Wenn Feuerwerksbatterien mitten auf der Straße gezündet werden, die mindestens zwei Minuten abbrennen, können die Krankenwagen nicht passieren. Das heißt, dass sich die Rettung verletzter Personen verzögert. Deshalb sein Appell: „Halten Sie Straßen daher unbedingt frei.“

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