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Geschichte

09.11.2018

Der brutale Frieden Bayerns

Zeitungen, Plakate, Skulpturen, Fotografien: Die Ausstellung „Friedensbeginn? Bayern 1918-1923“ umfasst etwa 400 Objekte auf 750 Quadratmetern.
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Zeitungen, Plakate, Skulpturen, Fotografien: Die Ausstellung „Friedensbeginn? Bayern 1918-1923“ umfasst etwa 400 Objekte auf 750 Quadratmetern.

Vor 100 Jahren hat Ministerpräsident Kurt Eisner den Freistaat ausgerufen. Daran erinnert nun eine große Ausstellung im Ingolstädter Armeemuseum Reduit Tilly

Soldaten in Uniformen auf Leinwand. Helm und dichter Schnauzer, Bajonett und voller Ernst. Sie marschieren, sie reiten, sie kämpfen. Das Heer des deutschen Kaiserreichs führt Krieg. Szenen wie diese begrüßen die Besucher der Ausstellung „Friedensbeginn?“, die nun im Reduit Tilly zu sehen ist und sich kritisch mit der bayerischen Geschichte von 1918 bis 1923 auseinandersetzt. Am Mittwoch wurde sie in der Dürnitz des Neuen Schlosses offiziell eröffnet.

Bayern 1918. Der Erste Weltkrieg ist vorbei. „Das große Morden hört auf“, sagt Museumsleiter Ansgar Reiß am Abend der Eröffnung. Die Waffen schweigen, Nationen teilen sich in Sieger und Verlierer. Die Perspektiven der Menschen verändern sich und die Soldaten kehren von der Front in die Heimat zurück. Reiß betont: „Die Fallhöhe ist groß.“ Denn einige fühlen sich belogen und betrogen.

7. November 1918. Die Situation eskaliert. Wie der Historiker Georg Köglmeier erklärt, steckte die bayerische Bevölkerung in einer Autoritätskrise. Gefallene Soldaten, Frust, Leid, Hunger. „König Ludwig III. wird unbeliebt.“ Kurt Eisner, Journalist und Sozialist, setzt den Monarchen ab – und ruft den Freistaat aus. Es folgt der politische Umsturz, die Revolution, die Räterepublik. Das Debakel der bayerischen Landtagswahl. Eisner will zurücktreten, wird ermordet. Ordnung, Chaos und Bürgerkrieg. Bayern wird zur Ordnungszelle. Ruhrbesetzung, Inflation, Hitlerputsch. Eine turbulente Zeit.

Auf 750 Quadratmetern konzentriert die Ausstellung die Chronik dieser Ereignisse im Ingolstädter Armeemuseum. 15 Räume führen die Besucher vom mystischen Militarismus des Kaiserreichs, von historischen Charakteren wie Otto Kreß von Kressenstein und Prinz Leopold von Bayern, über den Tod des bayerischen Heers zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen Roter Armee und Weißen Truppen.

Eindrucksvoll, urteilen zwei Geschichtsstudentinnen, die aus Eichstätt angereist sind, um sich ein Bild von der Ausstellung zu machen. „Man bekommt eine Perspektive auf die Zeit in Bayern, die selten behandelt wird“, sagt Laura Schabenberger. „Dass der Fokus auf Bayern liegt“, findet auch Kommilitonin Pauline Claaß gut – außerdem: „Die Ausstellung hat viele Objekte.“

Insgesamt, so erzählt Kurator Dieter Storz, bestehe sie aus 400 Exponaten. Zwei Jahre habe es gedauert, die Uniformen, Flugblätter, Skulpturen, Plakate, Büsten, Bücher und Zeitungen zu konzipieren und zu beschriften, anzuordnen und informativ auszugestalten. Fast alle Objekte stammen aus dem Depot des Bayerischen Armeemuseums, viele sind noch nie präsentiert worden. Die Exposition schließt mit dem „Gefallenen Soldaten“ von Bernhard Bleeker – eine Skulptur, die nach 46 Jahren erstmals wieder zu sehen ist.

Die Ausstellung ist montags bis freitags jeweils von 9 bis 17.30 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 17.30 Uhr im Bayerischen Armeemuseum zu sehen. Für Kinder unter 18 Jahren ist der Eintritt kostenlos.

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