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Kleine Konzerte

27.05.2015

Ein spannendes Experiment

Christof Zoelch aus Eichstätt (links) und Musiklehrer Bernhard Reitberger aus Leidling boten mit „Mallets & Friends“ das zweite von 15 „Kleinen Konzerten in der Studienkirche“.
Bild: Annemarie Meilinger

Studienkirche fehlt es wohl noch an Akzeptanz

Zum zweiten der insgesamt 15 Veranstaltungen umfassenden Reihe „Kleine Konzerte in der Studienkirche“ fanden sich am Sonntagabend nur etwa 50 Zuhörer zur Veranstaltung „Mallets & Friends“ ein. Vielleicht bevorzugten Teile des Stammpublikums an diesem Abend bequemere Haltung, denn das alte Chorgestühl von St. Ursula ist alles andere als geeignet, eine Stunde sitzend und entspannt zu verbringen.

Dabei gab es Musik zu hören, die zum Relaxen durchaus geeignet gewesen wäre: „Cavatina“ beispielsweise, eine melancholische Filmmusik von Stanley Myers, die in Bernhard Reitbergers Arrangement tief zu Herzen geht. Der Musiklehrer aus Leidling spielt mit seinen beiden Instrumenten Vibra- und Marimbaphone in verschiedenen Formationen. Für die Zusammenarbeit mit dem in Eichstätt lebenden Saxophonisten Christof Zoelch hat er eigens mehrere Stücke neu bearbeitet. „Trance“ von David Friedmann ist so ein Stück. Während Reitberger auf dem Vibraphon aufgelöste Dreiklänge in Varianten wiederholt, spielt das Saxophon die Melodie – doch eher Bruchstücke und Phrasen – sehr frei und eigenständig. Am Ende finden beide – unverhofft und auf fast wundersame Weise – wieder zusammen, man erwartet ein Aufatmen, doch das Publikum ist ganz ruhig und applaudiert brav.

Dagegen ist „A Remark you made“ ein harmonisches Zwiegespräch zwischen den beiden Instrumenten, das die Emotionen wieder einpendelt. In „Angel Eyes“ schwingen ein erzählerisches Altsaxofon und begleitendes Vibrafon in Bluesmanier dahin, bis die Schlegel (Mallets) zum Störfeuer einsetzen. Disharmonisch und rhythmisch versetzt schaltet sich Reitberger mit einem Solo dazwischen – Ausflüge in freie jazzige Interpretation machen die Stücke spannend, aber bei aller Virtuosität für die Zuhörer anstrengend.

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Die Studienkirche St. Ursula mit ihrer üppigen goldglänzenden Barockausstattung ist nicht nur akustisch ein Kontrast zur nüchternen Schlosskapelle, sie zieht mit ihrem Bildreichtum Aufmerksamkeit auf sich. Bilder längst vergangener Zeiten und Hörerlebnisse der Neuzeit prallen aufeinander und müssen verarbeitet werden. Wer in der Lage ist, sinnliche Eindrücke unabhängig voneinander zu sortieren, beziehungsweise sie in friedlicher Koexistenz bestehen zu lassen, ist im Vorteil.

Ein spannendes Experiment ist so ein Konzert – weit jenseits von Bach und Mozart – auf alle Fälle.

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