Neuburg

12.11.2017

Erlesenes in Neuburg

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Neuburgs Oberbürgermeister Bernhard Gmehling lobte zur Eröffnung am Freitag die Weinbörse als eine der erlesensten Veranstaltungen, die Neuburg zu bieten hat.
Bild: Manfred Dittenhofer

Zum 20. Jubiläum der Weinbörse gibt es Olivenöl, Espresso und Weine aus aller Welt. Auch ein Tropfen aus Neuburg ist mit dabei. Schon Kaiser Probus ließ in der Stadt anbauen.

Bischoffingen am Kaiserstuhl kennen seit dem Wochenende einige Neuburger mehr. Und das, obwohl der kleine Ort im äußersten Südwesten Deutschlands nahe dem Rhein nur rund 650 Einwohner hat. Von denen arbeiten aber 67 Prozent im Vollerwerbs-Weinanbau. Das ist Rekord in Deutschland. Bischoffingen ist die Ortschaft mit den prozentual meisten Vollerwerbswinzern. Alleine 18 Jungwinzermeister gibt es in dem Dorf, das umringt ist von Weinbergen. Und das ist der Grund dafür, dass Vertreter der Bischoffinger Winzergenossenschaft am Wochenende im Marstall anzutreffen waren.

Karl Isele ist einer dieser Bischoffinger Winzer. Bei ihm konnte man am Wochenende nicht nur Wein probieren. Er hatte auch viele Geschichten aus der Region rund um den Kaiserstuhl mit im Gepäck. Zum Beispiel, wie er selbst Winzer wurde. „Ich war Handwerker und trank schon immer gerne Wein. Und so nahm ich mir eine Winzers-tochter zur Frau.“ Das sei schon viele Jahrzehnte her, verriet der Winzer augenzwinkernd und fügte an: „Ich wusste damals nicht, wie hart ich für den Wein arbeiten muss.“ Auch seine Ehefrau Marianne war als Gastwinzerin an den Probierständen des Weinladens Bergbauer vertreten.

Edle Tropfen aus Spanien von einem Neuburger

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Direkt daneben gab es edle Tropfen aus Spanien. Und das auch von einem Neuburger. Fritz von Philipp baut seinen Wein im sonnigen Spanien an. „Wir hatten dort heuer ein gutes Anbaujahr, da es im Januar viel geregnet hat.“ Ansonsten sei es in der Gegend um Alicante sehr trocken. Von Philipp kultiviert dort seit rund drei Jahrzehnten die Rebsorten Cabernet Sauvignon und Merlot. 10000 bis 12000 Flaschen produziert er nach modernsten Herstellungsmethoden pro Jahr. „Wir haben das Ganze eigentlich einmal als Hobby für den Hausgebrauch begonnen, lachte von Philipp, der auch Olivenöl aus der eigenen Produktion zur Weinbörse dabei hatte.

Neuburgs Winzer Josef Tremml hatte zur 20. Auflage der Neuburger Weinbörse einen ganz besonderen Wein im Angebot. Sein „vinum vernaculum“ wird in Neuburg angebaut. „Der Bodenständige“ darf leider nicht Neuburger Wein genannt werden. „Aber das Etikett zeigt das Neuburger Schloss und damit ist er unverkennbar ein Hiesiger.“ Auf dem Weinseminar, das der Neuburger Winzer am Sonntag abhielt, gab es für die Teilnehmer diesen Wein nicht nur zur Verkostung, sondern auch eine Flasche mit nach Hause. Und dazu viel Neuburger Weingeschichte: „Schon ein paar Hundert Jahre nach Christus hat der römische Kaiser Probus für seine Soldaten hier an der Donau Wein anbauen lassen. Der Weinanbau wurde dann durchgehend bis 1781 aufrecht erhalten.“ Vor 26 Jahren begann dann die Neuburger Weinbautradition neu, als Tremml am Finkenstein begann, Reben zu pflegen.

Schmankerl und Kaffeespezialitäten

Borgsis Weine hatte die ganze Welt des Weins in den Marstall gebracht. Den Spezialisten aus dem Neuburger Ortsteil Joshofen erreichen auch Sorten aus Übersee. Alfred und Ina Bergbauer stellten nicht nur Wein von den Hängen des Kaiserstuhls vor. Wie immer gab es feinste Weine zum Probieren. Schmankerl gab es von den fleißigen Bienen und Kaffeespezialitäten von Elektro Fuhr. Jürgen Fuhr ist seit zehn Jahren auf der Weinbörse vertreten und schenkt viele, viele Espressi kostenlos aus. Die Spenden dafür gehen an Sozialeinrichtungen. „Ich sehe mein Engagement unter dem sozialen Aspekt und als Stärkung des städtischen Handels. Der wird durch den Internethandel mehr und mehr verdrängt.“ Fuhr befürchtet ein weiteres Ausbluten der Innenstädte. „Gott sei Dank kann man Wein noch nicht über das Internet probieren. Wer weiß, ob es die Weinbörse sonst noch gäbe“, sagte er.

Fritz Seebauer ist der Vater der Weinbörse. Trotz seiner 89 Jahre ließ es sich der Initiator und Mitorganisator nicht nehmen, die Gäste an der Kasse am Eingang zu begrüßen. „Man wird sehen, wie es weitergeht. Aber der Gästezuspruch zeigt uns, dass wir eine tolle Veranstaltung geschaffen haben.“

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