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Prozess in Neuburg

07.12.2013

Fast eine unbefleckte Empfängnis: Rätsel um Vater

Die Mutter behauptet das eine, der Vaterschaftstest das andere: Jetzt landete der Fall vor dem Neuburger Amtsgericht.
Bild: Uli Deck dpa

Eine Frau beteuert: „Mein Ex-Mann ist der Vater meines Sohnes.“ Doch ein DNA-Gutachten sagt etwas ganz anderes. Das Neuburger Amtsgericht steht vor einem Rätsel.

Die Frau wirkt keineswegs, als möchte sie ihrem Ex-Mann auf Biegen und Brechen ein Kind anhängen. Sie sitzt ruhig auf der Anklagebank des Neuburger Amtsgerichts und beteuert „mit einer Treuherzigkeit ohnegleichen“ (Staatsanwalt Franz Burger) unentwegt: „Es kommt kein anderer Vater infrage.“ Das Problem: Ein Vaterschaftstest hatte genau jenen Ex-Mann zu 99 Prozent als Vater ihres vierjährigen Sohnes ausgeschlossen. Weil die 33-Jährige auch vor dem Familiengericht als Zeugin bei ihrer Aussage geblieben war, musste sie sich gestern vor Strafrichterin Susanne Bekk wegen uneidlicher Falschaussage verantworten.

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Frage nach einem "Ausrutscher"

Franz Burger, Susanne Bekk und Verteidigerin Petra Schleer-Leitmayr wussten irgendwann auch nicht mehr weiter. Ob es vielleicht einmal einen Ausrutscher gegeben habe, bohrte Burger nach, an den sie sich nicht mehr erinnern könne oder wolle. Vielleicht hätte sie ja mal an einem Abend zu viel getrunken... „Nein, nein“, wiegelte die Angeklagte gleich ab. „Ich trinke gar nicht, ich bin immer nüchtern.“ Sie erzählte, dass sie und ihr Ex sich nicht lange gekannt hatten, als sie schwanger wurde. Wenige Wochen vor der Geburt heirateten sie, doch die Ehe hielt nicht lange. Sie hätte in dieser Zeit nie mit einem anderen Mann ein Verhältnis gehabt.

Ihre Verteidigerin hatte im Vorfeld schon alles versucht, mögliche Erinnerungslücken bei der Frau auszumachen: „Wir haben ausführlichst in der Kanzlei diskutiert, wie man noch schwanger werden könnte.“ Alles vergebens. „An unbefleckte Empfängnis glaube ich nicht“, so Schleer-Leitmayr. Sie sieht aber auch keinen Grund, weshalb die Angeklagte sich in ein Hirngespinst verrennen sollte: „Sie bekommt keinen Unterhalt; so was tu ich mir doch nicht an...“

Fast eine unbefleckte Empfängnis: Rätsel um Vater

Rätsel um DNA-Ergebnis und Erklärungsversuche

Die Angeklagte und ihre Anwältin haben nur eine einzige Idee, wie es zu diesem Ergebnis des DNA-Tests habe kommen können. Sie vermuten, dass einer von zwei Cousins des Ex-Mannes, die denselben Vor- und Familiennamen tragen, seine DNA-Probe abgegeben haben könnte – auch wenn der Arzt, der die Probe abgenommen hatte, sich an den Ex-Mann selbst zu erinnern glaubte.

Jetzt also will das Gericht einen neuerlichen Versuch starten, Licht in die Umstände der rätselhaften Empfängnis zu bringen. Zunächst soll das Gutachten, das den Ex-Mann als Vater des Vierjährigen ausschließt, mit einem Gutachten verglichen werden, das den Mann als Vater einer älteren Tochter bestätigt. Sollten sich hier genetische Diskrepanzen auftun, dann könnte womöglich tatsächlich ein anderer als der Ex-Mann seine DNA-Probe abgegeben haben.

Sollte dieser Abgleich technisch nicht möglich sein, so gibt es wohl nur noch eine weitere Möglichkeit: ein erneutes DNA-Gutachten. Um diesmal ein mögliches Täuschungsmanöver auszuschließen, müsste die Frau bei der Abgabe mit vor Ort sein – und womöglich auch Vertreter der Justiz. Franz Burger jedenfalls hofft für die Angeklagte, dass sich die verworrene Geschichte entspinnt: „Ich wünsche Ihnen viel Glück – ansonsten sind wir bei einer Freiheitsstrafe.“

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